Wie bindend ist ein Testament?

4 Antworten

Manchmal ist es doch gut, wenn man eine Nacht darüber schläft, es ergeben sich mögliche Lösungen.

Die Lösung könnte § 2271 Abs 2 BGB sein:

Das Recht zum Widerruf erlischt mit dem Tode des anderen Ehegatten; der Überlebende kann jedoch seine Verfügung aufheben, wenn er das ihm Zugewendete ausschlägt.

Da Du schreibst:

Alle Beteiligten sind sich einig, dass die Enkel bereits nach dem Tod des Erstverterbenden an der Erbschaft beteiligt werden sollen.

Kann es klappen, wenn Du keine Geschwister hast.

Wenn Deine Mutter ausschlägt, bist Du Erbin. Wenn Du ausschlägst, sind es Deine Kinder und Ihr habt genau das, was angestrebt ist.

Woher ich das weiß:Berufserfahrung

Ja, das ist eine mögliche Variante. Aber "Ausschlagen" heißt ja auf 100 % des Erbanteils zu verzichten. Ein Teilverzicht ist sicherlich nicht möglich.

Und wie sieht es mit der Erbschaftsteuerbelastung beim beschenkten Enkel aus? Welchen Freibetrag hat der Enkel bei einem Verzicht von Oma und Elternteil?

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@LittleArrow

Es ist das Übliche, uns fehlen die Summen. Eigentlich eine Frage, wo wir hier nur Tipps geben können in welche Richtung es gehen kann und dann muss ein Kollege Vorort die Sache individuell ausarbeiten.

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@wfwbinder

Auch bei fehlender Summe müßte man als Steuerexperte über den Freibetrag doch was schreiben können.

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@LittleArrow

Man kann auch einfach einen Blick in das Gesetz werfen: Es sind 200 000 €. Das bedeutet, dass der hier angedachte Weg bezüglich Erbschaftsteuer sinnlos ist.

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@LittleArrow

Hat der Fragestellerschon beantwortet. Außerdem: DieTochter hat 400 000€ Freibetrag.

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Ich befürchte ich habe das Ziel nicht präzise genug formuliert. Die Idee war die Enkel als zusätzliche Erben zu haben um deren Freibeträge auch noch ausnutzen zu können. Wenn meine Mutter ausschlägt reduziert sich der Freibetrag um 1/5 (bei mir oder den 2 Enkeln) und das wäre kontraproduktiv.

Interessant wäre, wer das Testament alles einsehen kann

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@AndreasMaus

Da es beim Testament u.a. um Immobilienvermögen geht, müßte es notariell beglaubigt sein. Die Übertragung von Immobilienvermögen wird in diesem Fall auch dem Finanzamt zur Kenntnis gebracht.

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Nochmal ein nebensächlicher Hinweis, da Du nach Erbschaftssteuer fragst und sich darauf wohl die Frage nach der Legalität bezieht:

Die Freibeträge sind für Erbschaften und Schenkungen gleich. Es ist also egal, ob der verstorbene Opa vererbt oder die Oma schenkt, wenn der Betrag nicht zu hoch ist. Freibetrag zum Enkel ist 200.000,-€.

Der Freibetrag von Eltern zum Kind ist ja doppelt so hoch. Wenn sich alle einig sind, kann die Oma doch eine Schenkung auch über Dich als Zwischenstation machen, evtl. mit einer Schamfrist wegen Kettenschenkung.

Also falls befreite Vorerbschaft vorliegt.

Der erklärte Wille der Eltern war so viel Vermögen wie möglich in der Familie zu behalten (steht sogar explizit im Testament, dass das Hauptziel des Testaments die weitgehende Vermeidung von Erbschaftssteuer ist). Ethisch sehe ich also keine Probleme.

Was sie nicht bedacht hatten ist, dass das elterliche Haus auf Grund der momentan extremen Immobilienpreise den Freibetrag sprengt. Das würde zu so viel Erbschaftssteuer führen (Seine Frau wohnt nicht mehr dort), dass meine Mutter das nicht stemmen könnte. Weiterschenken ist zwar möglich, hilft unter den gegebenen Umständen aber nichts, da meine Mutter dann trotzdem die komplette Erbschaftssteuer entrichten müsste, denn sie muss es ja erst erben bevor sie es verschenken kann.

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@AndreasMaus

Da fällt mir nur ein, dass Du als Tochter den Pflichtteil beanspruchen könntest. Dazu sollten aber die Experten hier etwas sagen.

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Es können sich gar nicht alle Beteiligten einig sein.

Denn einer hat das Zeitliche gesegnet und ist nicht mehr dabei.

Das lässt sich auch nicht mehr rückgängig machen.

DH. so ist es.

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Natürlich könnte selbst ein unbefreiter Vorerbe auch über sein Erbe, nicht nur eigenes Vermögen, Schenkungen im Zuge der vorweggenommenen Erbfolge an die Enkel machen.
Dass er damit den erklärten Willen seiner Frau mißachtet, muss er mit sich selbst ausmachen. Hier geht es auch um Einsichtsfähigkeit, Verantwortung und erlernten Umgang mit Geld, den die Testierende im Auge gehabt haben dürfte oder dem Mißtrauen, dass die dann volljährigen Enkel denn ihrer Eltern das Geld erhalten sollen.

Es wäre aber weder ungesetzlich noch steuerlich anders zu bewerten.

Natürlich könnte selbst ein unbefreiter Vorerbe auch über sein Erbe, nicht nur eigenes Vermögen, Schenkungen im Zuge der vorweggenommenen Erbfolge an die Enkel machen.

Entschuldigung, aber das steht in meinen Augen im Gegensatz zu § 2271 Abs. 1+2 BGB.

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@wfwbinder

Von einem Widerruf wechselseitiger Verfügung ist hier nicht die Rede.

Selbstverständlich kann ein Berliner Testament nur lebzeitige beider Testierenden übereinstimmend aufgehoben werden und nach Tod des Erstversterbenden nicht mehr. Genau deshalb wird i. d. R. befreite Vorerbschaft vereinbart, damit der Längestlebende nachgeborene Kindern oder Ehegatten nach Wiederverheiratung nicht ausschliessen muss.

Hier geht es darum, die verfügte Nach- oder Schlusserbschaft der Enkel durch Schenkungen im Zuge der vorweggenommen Nacherfolge vorzuziehen.

Das wäre IMHO zulässig, da der Vorerbe über Erbe wie eigenes Vermögen frei verfügen darf, aber aus Sicht des Schenkers riskant.

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