Widersprüchliche Stammkapital-Erhöhung einer GmbH?

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Ich befürchte, die haben sogar vergessen, die Satzungsänderung (die Erhöhung des Stammkapitals ist eine!) notariell beurkunden zu lassen.

Sowas könnte nur dadurch geheilt werden, dass - wie auch immer - gleichwohl im HR eingetragen wird, aber auch das ist ja hier nicht passiert.

Für die Geschäftsführung des Unternehmens könnte die im Widerspruch zum HR und zur Satzung erfolgende Bilanzierung eine Rechtsscheinshaftung auslösen; d.h.: wer so bilanziert, als ob er mit 50.000 EUR hafte, muss sich im Ernstfall auch genauso behandeln lassen - er haftet also mit 50.000 EUR, auch wenn im HR nur 25.000 EUR stehen. Und wenn bei der Firma dann nichts mehr zu holen ist, kann man sich die fehlenden 25.000 EUR zumindest bei dem GF holen, der die Bilanz unterschrieben hat.

notariell beurkunden zu lassen.

§ 55 (1): Nicht der Beschluss über die Erhöhung selbst, sondern die Übernahme jedes Geschäftsanteils an dem erhöhten Kapital bedarf einer notariell aufgenommenen oder beglaubigten Erklärung des Übernehmers.

Sowas könnte nur dadurch geheilt werden

Hm.... ich würde denken, die Übernahme kann nicht stattfinden. Lasse mich hier aber leichter belehren als bei der GewO-Sache nebenan.

Bleibt die Frage, wo die eingezahlten 25.000 zu bilanzieren sind.

kann man sich die fehlenden 25.000 EUR zumindest bei dem GF holen, der die Bilanz unterschrieben hat.

Sehe ich auch so. Wenn die Bilanz derart eklatant flashc ist..... Hat der anfertigende Steuerberater doch gleich wieder einen Haftungsfall.

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@EnnoBecker

Satzungsänderungen müssen auch notariell beurkundet werden (§ 53 Abs. 2 GmbHG). Und da das Stammkapital ja in der Satzung festgelegt ist, ist seine Änderung eine Satzungsänderung.

Natürlich löst die HR-Eintragung keine Übernahme der neuen Geschäftsanteile aus. Die muss immer noch ausdrücklich erklärt werden. Umgekehrt ist aber die Übernahme für eine HR-Eintragung nicht zwingend erforderlich, weil Gegenstand der Eintragung ja erst mal nur die Kapitalerhöhung ist, aber nicht, wer die Anteile übernommen hat.

Bleibt die Frage, wo die eingezahlten 25.000 zu bilanzieren sind.

Na, wo schon? Im Gezeichneten Kapital. Oder wie war deine Frage sonst gemeint?


Ich wette, wir haben es hier mit einer Ein-Mann-GmbH zu tun und der "Inhaber" ist entweder Lehrer oder Anwalt.

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@blackleather

Satzungsänderungen müssen auch notariell beurkundet werden

Okay, hast recht.

Na, wo schon? Im Gezeichneten Kapital.

Das halte ich aber für falsch. Mangels wirksamer KE ist es ja keins. Siehe auch oben:

"...Rechtsscheinshaftung auslösen; d.h.: wer so bilanziert, als ob er mit 50.000 EUR hafte, muss sich im Ernstfall auch genauso behandeln lassen..."


Ja, wahrscheinlich die Komplemetärin einer Einmann- Anwalts - GmbH&Co.KG, wo die KG die Anteile an der GmbH hält und die GmbH sich mit 25/50 an der KG beteiligt hat.

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@EnnoBecker

Das halte ich aber für falsch.

Wäre es auch. Deswegen haben die ja den ganzen Trouble. Wenn sie doch aber nun mal der Meinung sind, ihr Kapital auf kostengünstige und unbürokratische Weise erhöht zu haben, müssen sie auch konsequenterweise bezüglich des Bilanzausweises bei dieser Meinung bleiben.

Ansonsten bliebe ja nur die Kapitalrücklage übrig, denn der GmbH als Eigenkapital zugewidmet werden sie ihre Einzahlung ja schon haben.

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@blackleather

müssen sie auch konsequenterweise bezüglich des Bilanzausweises bei dieser Meinung bleiben.

Klar. Wenn schon falsch, dann richtig.

Wie erfolgt der Ausweis in einem solchen Fall:

Die KapGes beschließt eine Kapitalerhöhung am 1. Dezember 01, die wird auch eingetragen. Die Einzahlung des Geldes erfolgt am 1. Februar 02.

Ausweis? Ob und wie?

Ich meine nämlich, dass ich hier nicht ins Stammkapital buchen kann.

Außerdem gibt es ja noch 2 Varianten:

a) die Gesellschafter wurden bereits aufgefordert
b) die Gesellschafter wurden noch nicht aufgefordert.

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@EnnoBecker

Also, unter der Voraussetzung, dass wir den 31.12. als Bilanzstichtag haben, würde ich sagen: Es wird gar nix gebucht. Der Beschluss alleine löst noch keinerlei bilanzierungspflichtigen Vorgang aus, noch nicht mal dann, wenn er beurkundet wurde.

Erst die Eintragung ins HR erfordert die Buchung: je nachdem, ob eingefordert wurde oder nicht, auf "eingefordert" oder "nicht".

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@blackleather

Mir ging es nur um den Ausweis im EK-Bereich ohne das Problem "eingefordert" (=Forderung) oder "nicht eingefordert" (= Abzusetzen vom Kapital).

Ich meine, es muss eine extra Zeile sein, kann im Moment aber nichts auf die Schnelle finden. Werde morgen mal in der blauen Bibel nachlesen.

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@EnnoBecker

Münchner Kommentar HGB, § 272, Rn. 46, sagt:

"Ist die Durchführung einer Kapitalerhöhung gegen Einlagen noch nicht in das Handelsregister eingetragen, sind bereits geleistete Einlagen nach dem Eigenkapital des § 266 Abs. 3 A. als Sonderposten auszuweisen, der z.B. die Bezeichnung 'Zur Durchführung der beschlossenen Kapitalerhöhung geleistete Einlagen' tragen kann."

Von nicht geleisteten Einlagen ist leider keine Rede, aber ich schlussfolgere, dass die - und somit auch ein etwa ihnen entsprechender SoPo - dementsprechend noch nicht bilanziert werden dürfen.

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