Werden Renten nicht besteuert, so wie Pensionen?

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8 Antworten

In seinem Urteil vom 06.03.2002 hat das Bundesverfassungsgericht den Gesetzgeber verpflichtet, die unterschiedliche Behandlung von Beamtenpensionen und Renten neu zu regeln. (Die Klage ging von einem Neid besetzten Beamten aus.)

Mit dem seit dem 1.1.2005 in Kraft getreten Alterseinkünftegesetz hat der Gesetzgeber diese Auflage erfüllt.

Danach muss jeder Rentner, der 2005 in Rente ist 50 % seiner gesamten Einkünfte versteuern. Dieser Prozentsatz steigt jährlich um 2 % bis 2020 und danach nur noch jährlich 1 % bis 2040. Maßgebend für diesen zu versteuernden Anteil ist das Jahr des Renteneintrittes und bleibt dann immer gleich. In 2013 ist der Prozentsatz 66%. Jede Erhöhung wird voll versteuert

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Kommentar von seniorin78
03.09.2013, 12:33

ah, vielen Dank,jetzt hab ich es verstanden. Gut erklärt, Respekt

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Kommentar von GAFIB
04.09.2013, 12:30

DH - folgende Ergänzungen:

Ja, der zu versteuernde Anteil der Renten liegt in 2013 bei 66% und steigt weiter an bis auf 100%. Allerdings gilt diese zunächst noch moderatere Besteuerung nur für den Basisbetrag der Renten bei Rentenbeginn. Jede Erhöhung von Renten wird jedoch per sofort mit 100% besteuert.

Damit wird es also bereits in den nächsten 5-10 Jahren zu einer fast vollständigen Rentenbesteuerung kommen. Das sollten Politiker jeglicher Couleur wirklich verstehen.

Wo sich Steinbrück nur "verplappert" hat, so hat er doch in der Sache Recht:

Die Renten und die Beamtenpensionen divergieren immer stärker seit ca. 10 Jahren.

a) Die als Kompensation gedachte Riesterrente wirkt mangels schlechter Wertentwicklung NICHT als Kompensation.

b) Die Beamtenpensionen haben sich munter weiterentwickelt mit den vollen Tariferhöhungen von ca. 2,5% p.a., die Renten haben gekrebst bei ca. 1% Erhöhungen p.a, was in den nächsten Jahren eher noch schlechter werden wird.

Allein diese Differenz macht in 10 Jahren mal eben 15% zusätzlichen Abstand aus!

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Die Besteuerung der Altersrenten wurde 2005 im Rahmen des Alterseinkünftegesetzes eingeführt. Wie diese aussieht hängt von der sog. Schicht der Altersvorsorge ab.

Erste Schicht - Basisversorgung.

Zur Basisversorgung gehört die gesetzliche Rente, die Rürup-Rente, Rente aus Versorgungswerken und landwirtschaftllichen Alterskassen. Die Besteuerung erfolgt gestaffelt nach Jahr des erstmaligen Rentenbezugs.

Wer in 2005 erstmalig Rente bezogen hat, musste 50% davon bei der Einkommensteuererklärung angeben. Die anderen 50% werden als absoluter €-Betrag lebenslänglich festgeschrieben, so dass zukünftige Rentenerhöhungen NUR den steuerpflichtigen Teil betreffen. Entscheidend für den Freibetrag war immer das erste Jahr in dem in allen 12 Monaten Rente bezogen wurde.

Der steuerfreie Anteil sinkt für jeden Neurentner jedes Jahr um 2% Punkte, ab 2020 um 1%-Punkt. Wer 2040 oder später in Rente geht muss 100% der Bezüge dem Finanzamt melden. Im Gegenzug werden die Beiträge hierzu bis 2025 zu 100% steuerlich abzugsfähig gestellt (Höchstgrenze 20.000,- € p.a. für Ledige, 40.000,- € für Verheiratete).

Zweite Schicht - Zusatzversorgung

Zur Zusatzversorgung gehören die Riester-Rente und die betriebliche Altersvorsorge. Beide sind zu 100% steuerpflichtiges Einkommen, jedoch auch zu 100% bis zur Höchstgrenze steuerlich abzugsfähig in der Beitragsphase.

Dritte Schicht - Kapitalanlageprodukte

Hier gehören z.B. Kapitallebensversicherungen und Rentenversicherungen hinein. Für jene die nach dem 31.12.2004 abgeschlossen wurden gilt folgende Handhabung:

Beiträge können steuerlich NICHT geltend gemacht werden. Wenn die Rente nicht vor dem 60. Lebensjahr (62. bei Verträgen nach dem 31.12.2011 geschlossen) beginnt, so werden lediglich die Erträge prozentual abhängig vom Alter bei Rentenbeginn besteuert der Rest bleibt steuerfrei. Wird das Kapitalwahlrecht ausgeübt so bleiben die Hälfte der Erträge ebenfalls steuerfrei, wenn die o.g. Bedingungen erfüllt sind (Halbeinkünfteverfahren).


Pensionen sind nicht wie Renten als sonstige Einkünfte zu verstehen sondern als Einkünfte aus nicht-selbständiger Arbeit (Ruhegehalt).

Da vor der Einführung des Alterseinkünftegesetzes die Mehrzahl der Rentner aufgrund der Ertragsansteilsbesteuerung keine Einkommensteuer zu entrichten hatten, klagten die Beamten und Pensionäre vor dem BVerfG gegen diese Ungleichbehandlung in der Hoffnung ihre Ruhegehälter nicht mehr voll versteuern zu müssen.

Im Grunde folgte das Verfassungsgericht der Auffassung der Beamten, dies als ungleich und mit dem GG nicht vereinbar anzusehen, jedoch befreite es nicht die Beamten von ihrer Steuerpflicht sondern verlangte vom Gesetzgeber die Rentner der gesetzlichen Rentenversicherung ebenfalls in die Pflicht zu nehmen (BVerfG Urteil 2 BvL 17/99).

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Doch Renten werden auch besteuert und zwar immer mehr, siehe oben.

Allerdings werden die Renten nun erhöht.

Weil die Bundesregierung bisher nicht wusste, dass Renten besteuert werden, (Frau Bundeskanzlerin hat es erst am Wochenende erfahren), versteht die Bundesregierung nun die Klagen der Bürger bezügl. ihrer Altersvorsorge und erhöht die Renten. Die Kassen sind schliesslich voll genug.

Ironie aus!

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In Ergänzung zu den anderen Beiträgen:

Auch die Betriebsrenten (nicht nur die gesetzlichen) werden natürlich besteuert.

Zumindest die Leistungen der VBL für ehemalige Angehörige des ÖD werden aber nicht der Nettolohnentwicklung angepasst, sondern jährlich - lediglich - um 1% erhöht.

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Oder hab ich es nicht verstanden?

Doch, doch.

Nur die Bundeskanzlerin hat es leider nicht verstanden, weil es nicht ihr persönliches Problem ist und auch nicht sein wird. Weil: sie bekommt sie zusammen mit ihrem Fernsehduellanten noch eine ordentliche Pension, ist privat krankenversichert und verwechselt pausenlos "wir", "ihr" und "ich". Manchmal pflegt sie mit dem "Wir" gar den Pluralis Majestatis, also ganz und gar undemokratisch.

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Kommentar von RatsucherZYX
03.09.2013, 15:10

Vielleicht sollte sie nur einmal mit ihrer Mutter darüber sprechen, die könnte ihr das wohl erklären, aber der geht es wohl auch nicht schlecht.

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Kommentar von Niklaus
04.09.2013, 14:23

Aber der Peer ist nicht besser. Er will die Ostrenten und die Westrenten gleich machen und die Kapitaleinkünfte besteuern wie normales Einkommen.

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Hallo seniorin78, das war früher mal so, doch seit dem Steuergesetz (ich denke das war von 2005) wurde die Besteuerung der Renten der der Pensionen angeglichen. Seit dem greifen jährlich höhere Steuersätze, je nach Jahr der Rentenbeginn, der Steuersatz, der zugrunde gelegt wird, bleibt für die gesamte Rentenbezahltzeit konstant.

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Kommentar von LittleArrow
04.09.2013, 14:58

Steuersatz, der zugrunde gelegt wird,

Nein. Steuersatz leider nicht.

Du meinst den festen steuerfreien Rentenbetrag (man könnte ihn auch den individuellen Rentensteuerfreibetrag nennen). Dieser Wert bleibt b.a.w. konstant. Mit welchen Steuersatz im Einzelfall der stundenpflichtige Rentenbetrag besteuert wird, hängt u.a. von den übrigen Einkünften (z. B. Mieterträge, Pensionen) und Sonderausgaben ab.

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Werden Renten nicht versteuert?

Das stimmt! Sie werden nicht versteuert, sondern besteuert und zwar nach dem steuerpflichtigen Rentenanteil. Da das mindestens 1000 Mal hier gefragt wurde, mach ich es kurz und schmerzlos:

http://de.wikipedia.org/wiki/Rentenbesteuerung

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Kommentar von seniorin78
03.09.2013, 12:33

tut mir sehr leid Hr. Privatier, dann hab ich die 1000 Fragen hierzu im Forum nicht gelesen, schön daß sie mir trotzdem antworten!

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Frau Merkel hat es nicht verstanden, sie ist eben unsere Bundeskanzlerin.

Übrigens Herr Stein......, na sie wissen schon, hat ihr nicht widersprochen. Das war auch keine gute Leistung für einen SPD-Mann.

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Kommentar von RatsucherZYX
03.09.2013, 10:19

Will nachtragen:

Rentner sind als Stimmvieh herzlich willkommen, ihre soziale, wirtschaftliche, finanzielle Lage ist aber zweitrangig für hochrangige Politiker

Daraus ergeben sich 0-Runden, Besteuerung, Krankenkassenbeiträge für Werksrenten, Erhöhung der KK-Beiträge von 11,5 auf inzwischen 15.5%, da es den Einheitstarif gibt.

..und für jeden Rentner, der zur Urne gekarrt wird, gibt es noch ca. € 5 Kopfgeld für die gewählte Partei.

Was will man eigentlich mehr von diesen Politikern, ob schwarz oder rot?

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