Frage von chockinghazard, 81

Werbekosten in der Steuererklärung?

Hallo zusammen. Eine kleine Verständnisfrage zur Steuererklärung, genauer gesagt zu den Werbekosten. Prinzipiell geht das Finanzamt von Werbekosten von 1000 Euro aus, die man ja nicht belegen muss. Betragen die Werbekosten mehr, müssen diese angegeben werden. Mache ich nun zu Verpflegungskosten Mehraufwand in Höhe von (aus der Luft gegriffen) 350 Euro geltend, werden mir dann 1350 Euro berechnet oder geht die Finanzbehörde davon aus, dass diese 350 bereits in den 1000 enthalten sind... Ich hoffe, dass ich mich einigermaßen verständlich ausdrücken konnte...

Antwort
von Valeskix, 38

Bei den sog. Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit ist ein Werbungskosten-Pauschbetrag von aktuell 1.000 € abzuziehen.

(§ 9a S.1 Nr. 1 lit. a) EStG)
https://www.gesetze-im-internet.de/estg/\_\_9a.html


Der Arbeitgeber hat grds. diesen und weitere pauschale Beträge bei der Ermittlung der Lohnsteuer einzubeziehen und die Steuer für den Arbeitnehmer abzuführen.

(zum Einbehalt mit WK-Pauschbetrag § 39b Abs. 2 S.5 Nr. 1 EStG)
https://www.gesetze-im-internet.de/estg/\_\_39b.html


Sinn und Zweck dieser Handhabung ist es u.a. die Abgabe und Prüfung von unzähligen Arbeitnehmererklärungen zu verhindern. Hat man weniger als 1.000 € an Werbungskosten, so wurde man insoweit bereits beim Lohnsteuer-Abzug pauschal begünstigt.

Umgekehrt müssen Arbeitnehmer mit tatsächlich höheren Kosten eine Steuererklärung abgeben, um sich eventuell zu viel gezahlte Steuern erstatten zu lassen.

Entsprechendes gilt für Vorsorgeaufwendungen.

Antwort
von wfwbinder, 57

Die Finanzbehörde geht nicht davon aus, dass ein Arbeitnehmer 1.000,- Euro hat.

Der Gesetzgeber hat aus Vereinfachungsgründen einen Arbeitnehmerfreibetrag von 1.000,- Euro geschaffen, damit nicht jeder Arbeitnehmer, der Werbungskosten von 250,- 400,-, oder 700,- Euro hat, die nachweisen, oder glaubhaft machen muss und die Finanzamtsmitarbeiter dies dann auch prüfen müssen.

Wenn man nun auf 800,- Euro Werbungskosten kommt, braucht man nichts einzutragen, weil ja 1.000,- Euro sowieso über den Arbeitnehmerfreibetrag abgedeckt sind.

Erst am 1001,- Euro fängt es an sich auszuwirken.

Es gibt auch andere Punkte, die mit Pauschalen geregelt sind. Z. B. die Aufwendungen, die ein Steuerpflichtiger hat, weil er eine Behinderung hat.

Kommentar von chockinghazard ,

Ab 1001 Euro beginnt es sich auszuwirken? Unter der Voraussetzung, man gibt eine Erklärung ab oder?!

Beispiel: Komme ich auf Werbungskosten von 750 Euro, gebe ich doch den Freibetrag an. Mindere also das Steuerpflichtige Einkommen um 1000 Euro. Wirkt sich also auf meine Steuerlast positiv aus. Würde man keine Erklärung abgeben, würde man ja garkeine Erstattung bekommen.

Kommentar von Impact ,

Du gibst den Freibetrag   n i c h t   an - den bekommst Du doch ohnehin schon.

Kommentar von EnnoWarMal ,

den bekommst Du doch ohnehin schon.

Darüberhinaus ist der Werbungskostenpauschbetrag (kein "Freibetrag") bereits in der Lohnsteuertabelle eingearbeitet. Die Lohnsteuer wird also schon so berechnet, als wären darin bereits die 1.000 Euro/12 Monate drin.

Antwort
von LittleArrow, 16

Vielleicht noch mal ein Erklärungsversuch: Die monatliche Lohnsteuertabelle enthält bereits die Berücksichtigung der Werbungskostenpauschale von € 1.000/12, also ca. € 83. Wer nur 6 Monatseinkommen im Jahr hat und keine Einkommensteuererklärung abgibt, nutzt € 500 an Werbungskostenpauschale nicht.

Wer nun mehr Werbungskosten von z. B. insgesamt € 1.350 hat und nachweisen kann, der muss eine Einkommensteuererklärung und (mindestens) die Anlage N ausfüllen. Dabei geht es nicht nur um den Nachweis der die € 1.000 übersteigenden Werbungskosten von € 350, sondern um den gesamten Nachweis der Werbungskosten für € 1.350, also auch für die ersten € 1.000! 

Nachweis ist dabei natürlich auch die Geltendmachung von Verpflegungs- und Entfernungspauschalen.


Antwort
von Gaenseliesel, 55

Hallo,

alles über die 1000,- Euro an Werbungskosten, also erst diese fiktiven 350- Euro (besser  mehr ;-)  !!! ) mindern deine Steuerlast !

bekommst du weniger als diese 1000,- Euro zusammen, brauchst du dir keine Gedanken mehr um Werbungskosten machen. Kannst dir diesen Arbeitsaufwand für die Steuererklärung ersparen !

Kommentar von chockinghazard ,

Das heißt also im Klartext, jedes Jahr aufs Neue überschlagen, ob sich eine detaillierte Angabe lohnt oder der Freibetrag angegeben wird.

Kommentar von wfwbinder ,

gut erkannt

Kommentar von chockinghazard ,

Na dann, Dankeschön für die Antworten. Bislang hatte es sich bei mir nie gelohnt, Belege etc zu sammeln, wieso ich eben die Freibeträge angegeben hatte. Da ich nun aber im letzten Jahr einen recht hohen Anteil NUR alleine schon an Verpflegungskosten Mehraufwand habe, wollte ich eben wissen, ob das Finanzamt nun ab dem Freibetrag oder von null rechnet.

Eigentlich für mich eine etwas ungerechte Situation. Keine Werbungskosten effektiv erlauben eine Angabe von 1000 Euro, reale Ausgaben von 1100 Euro stellen mich nur 100 Euro "besser".

Kommentar von Rat2010 ,

Stimmt, nur sollte man dem Fiskus zugestehen, dass er sich nicht an Neidüberlegungen orientieren kann.

Ungerecht wäre es dann, wenn es der Gesetzgeber nicht so vorgesehen hätte. Was Recht ist und was nicht, kann man in Deutschland getrost der Legislative überlassen.

Kommentar von Impact ,

Wieder einer, der den Unterschied zwischen Recht und Rechtsempfinden nicht kennt.

Da wir schon dabei sind und bei Deiner Vorstellung bleiben:

Dann ist es doch auch ungerecht, wenn Du den Tausender bekommst, auch wenn Du keinerlei Werbungskosten hast.

Kommentar von Gaenseliesel ,

;-)  ! 

Kommentar von Impact ,

Nein, der Freibetrag wird    n i c h t   angegeben - er ist bereit berücksichtigt (nicht gelesen?)

Kommentar von chockinghazard ,

Doch, gelesen hab ich es. Nur zu spät...

Dann ersetzen wir eben "angeben" durch "angerechnet bekommen"

Kommentar von Impact ,

Er wird auch nicht angerechnet - er ist bereits in die Steuertabelle eingearbeitet - heisst Du zahlst ohnehin schon weniger Steuer

Kommentar von chockinghazard ,

Ich zahle weniger Steuer, unter der Voraussetzung, dass eine Steuererklärung abgegeben wird in welcher der Arbeitnehmer Pauschalbetrag von 1000 Euro geltend gemacht wird (ohne weitere Angabe dazu). Liegen die Werbungskosten darüber, sind sie komplett nachvollziehbar zu belegen.

Richtig so? 

Kommentar von Impact ,

Nein !! Jetzt hab ich keine Lust mehr.

Kommentar von Gaenseliesel ,

sag mal chocking....., du willst doch wohl nicht etwa deine EstE ohne fachlichen Sachverstand erledigen ? 

Ich würde davon abraten ! 

ansonsten noch eine letzte Hilfe:

https://www.vlh.de/wissen-service/steuer-abc/was-sind-werbungskosten.html

Kommentar von chockinghazard ,

So, kann sein dass ich auf dem Schlauch stehe... aber ich hab eben nochmal nachgelesen.

Der Arbeitnehmer Pauschalbetrag liegt bei 1000 Euro und mindert meine Steuerlast bereits dadurch, da er in der regulären Lohnsteuer bereits inbegriffen ist.

Habe ich tatsächlich höhere Ausgaben, sind diese konkret zu belegen...

Nun richtig?

Leider sind viele Texte im Internet dazu nur sehr zweideutig zu finden.

Ach ja... und weil ich mich in diese Materie erst einarbeiten möchte, frage ich hier bei Unklarheiten eben nach...

Kommentar von Gaenseliesel ,

Richtig, gratuliere ! ;-)  

Besser ist es allemal, Fragen vorher zu stellen als zu spät ! 

Kommentar von Impact ,

"Leider sind viele Texte im Internet dazu nur sehr zweideutig zu finden" - gib mal ein Beispiel.

Übrigens - bei so einem Thema stochert man nicht blindlings im Internet rum, sondern schaut sich z.B. das Einkommensteuergesetz oder die Anleitung zur Erklärung an. 

Wegen einem defekten Elektrogerät fragt man ja auch nicht den Dachdecker.

Kommentar von chockinghazard ,

Ja Impact, evtl lesen wir uns ja mal in einem anderen Forum zum Thema Medizin wieder....

Es ist immer einfach, wenn man aus der Sicht seiner beruflichen Tätigkeit, Erfahrung oder gesammeltem Fachwissen spricht. Dass ein Pauschalbetrag von 1000 Euro, der nicht belegt werden muss, bei einem "Laien" nach einem Freibetrag klingt, finde ich in meiner Situation nicht unbedingt beschämend.

Dass ich nun mal, zwischen Tür und Angel, in einem Forum nachfrage bzw. mal kurz die ersten, angezeigten Seiten auf der Suchmaschine überfliege und mir nicht im nächsten Buchhandel "Ausbildung zum Steuerfachangestellten" kaufe, bitte ich zu entschuldigen.

Kommentar von Impact ,

"das Einkommensteuergesetz oder die Anleitung zur Erklärung an" gibts im Internet - Deine Auswahl war eben unüberlegt.

Antwort
von Impact, 42

Das Ding heisst Werbungskosten.

Die Finanzbehörde hat damit nichts zu tun.

Die genannten tausend Euro sind nämlich von der Gesetzgebung bereits in die Steuertabelle eingerechnet. 

Rest siehe Gaenseliesel.

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