Werbekosten in der Steuererklärung?

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5 Antworten

Bei den sog. Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit ist ein Werbungskosten-Pauschbetrag von aktuell 1.000 € abzuziehen.

(§ 9a S.1 Nr. 1 lit. a) EStG)
https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__9a.html


Der Arbeitgeber hat grds. diesen und weitere pauschale Beträge bei der Ermittlung der Lohnsteuer einzubeziehen und die Steuer für den Arbeitnehmer abzuführen.

(zum Einbehalt mit WK-Pauschbetrag § 39b Abs. 2 S.5 Nr. 1 EStG)
https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__39b.html


Sinn und Zweck dieser Handhabung ist es u.a. die Abgabe und Prüfung von unzähligen Arbeitnehmererklärungen zu verhindern. Hat man weniger als 1.000 € an Werbungskosten, so wurde man insoweit bereits beim Lohnsteuer-Abzug pauschal begünstigt.

Umgekehrt müssen Arbeitnehmer mit tatsächlich höheren Kosten eine Steuererklärung abgeben, um sich eventuell zu viel gezahlte Steuern erstatten zu lassen.

Entsprechendes gilt für Vorsorgeaufwendungen.

Die Finanzbehörde geht nicht davon aus, dass ein Arbeitnehmer 1.000,- Euro hat.

Der Gesetzgeber hat aus Vereinfachungsgründen einen Arbeitnehmerfreibetrag von 1.000,- Euro geschaffen, damit nicht jeder Arbeitnehmer, der Werbungskosten von 250,- 400,-, oder 700,- Euro hat, die nachweisen, oder glaubhaft machen muss und die Finanzamtsmitarbeiter dies dann auch prüfen müssen.

Wenn man nun auf 800,- Euro Werbungskosten kommt, braucht man nichts einzutragen, weil ja 1.000,- Euro sowieso über den Arbeitnehmerfreibetrag abgedeckt sind.

Erst am 1001,- Euro fängt es an sich auszuwirken.

Es gibt auch andere Punkte, die mit Pauschalen geregelt sind. Z. B. die Aufwendungen, die ein Steuerpflichtiger hat, weil er eine Behinderung hat.

chockinghazard 12.07.2017, 15:14

Ab 1001 Euro beginnt es sich auszuwirken? Unter der Voraussetzung, man gibt eine Erklärung ab oder?!

Beispiel: Komme ich auf Werbungskosten von 750 Euro, gebe ich doch den Freibetrag an. Mindere also das Steuerpflichtige Einkommen um 1000 Euro. Wirkt sich also auf meine Steuerlast positiv aus. Würde man keine Erklärung abgeben, würde man ja garkeine Erstattung bekommen.

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Impact 12.07.2017, 15:19
@chockinghazard

Du gibst den Freibetrag   n i c h t   an - den bekommst Du doch ohnehin schon.

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EnnoWarMal 12.07.2017, 15:54
@Impact

den bekommst Du doch ohnehin schon.

Darüberhinaus ist der Werbungskostenpauschbetrag (kein "Freibetrag") bereits in der Lohnsteuertabelle eingearbeitet. Die Lohnsteuer wird also schon so berechnet, als wären darin bereits die 1.000 Euro/12 Monate drin.

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Vielleicht noch mal ein Erklärungsversuch: Die monatliche Lohnsteuertabelle enthält bereits die Berücksichtigung der Werbungskostenpauschale von € 1.000/12, also ca. € 83. Wer nur 6 Monatseinkommen im Jahr hat und keine Einkommensteuererklärung abgibt, nutzt € 500 an Werbungskostenpauschale nicht.

Wer nun mehr Werbungskosten von z. B. insgesamt € 1.350 hat und nachweisen kann, der muss eine Einkommensteuererklärung und (mindestens) die Anlage N ausfüllen. Dabei geht es nicht nur um den Nachweis der die € 1.000 übersteigenden Werbungskosten von € 350, sondern um den gesamten Nachweis der Werbungskosten für € 1.350, also auch für die ersten € 1.000! 

Nachweis ist dabei natürlich auch die Geltendmachung von Verpflegungs- und Entfernungspauschalen.


Hallo,

alles über die 1000,- Euro an Werbungskosten, also erst diese fiktiven 350- Euro (besser  mehr ;-)  !!! ) mindern deine Steuerlast !

bekommst du weniger als diese 1000,- Euro zusammen, brauchst du dir keine Gedanken mehr um Werbungskosten machen. Kannst dir diesen Arbeitsaufwand für die Steuererklärung ersparen !

chockinghazard 12.07.2017, 15:08

Das heißt also im Klartext, jedes Jahr aufs Neue überschlagen, ob sich eine detaillierte Angabe lohnt oder der Freibetrag angegeben wird.

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Impact 12.07.2017, 15:17
@chockinghazard

Nein, der Freibetrag wird    n i c h t   angegeben - er ist bereit berücksichtigt (nicht gelesen?)

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chockinghazard 12.07.2017, 15:21
@wfwbinder

Na dann, Dankeschön für die Antworten. Bislang hatte es sich bei mir nie gelohnt, Belege etc zu sammeln, wieso ich eben die Freibeträge angegeben hatte. Da ich nun aber im letzten Jahr einen recht hohen Anteil NUR alleine schon an Verpflegungskosten Mehraufwand habe, wollte ich eben wissen, ob das Finanzamt nun ab dem Freibetrag oder von null rechnet.

Eigentlich für mich eine etwas ungerechte Situation. Keine Werbungskosten effektiv erlauben eine Angabe von 1000 Euro, reale Ausgaben von 1100 Euro stellen mich nur 100 Euro "besser".

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chockinghazard 12.07.2017, 15:26
@Impact

Doch, gelesen hab ich es. Nur zu spät...

Dann ersetzen wir eben "angeben" durch "angerechnet bekommen"

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Impact 12.07.2017, 15:28
@chockinghazard

Er wird auch nicht angerechnet - er ist bereits in die Steuertabelle eingearbeitet - heisst Du zahlst ohnehin schon weniger Steuer

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Rat2010 12.07.2017, 15:36
@chockinghazard

Stimmt, nur sollte man dem Fiskus zugestehen, dass er sich nicht an Neidüberlegungen orientieren kann.

Ungerecht wäre es dann, wenn es der Gesetzgeber nicht so vorgesehen hätte. Was Recht ist und was nicht, kann man in Deutschland getrost der Legislative überlassen.

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chockinghazard 12.07.2017, 15:44
@Impact

Ich zahle weniger Steuer, unter der Voraussetzung, dass eine Steuererklärung abgegeben wird in welcher der Arbeitnehmer Pauschalbetrag von 1000 Euro geltend gemacht wird (ohne weitere Angabe dazu). Liegen die Werbungskosten darüber, sind sie komplett nachvollziehbar zu belegen.

Richtig so? 

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Impact 12.07.2017, 15:44
@chockinghazard

Wieder einer, der den Unterschied zwischen Recht und Rechtsempfinden nicht kennt.

Da wir schon dabei sind und bei Deiner Vorstellung bleiben:

Dann ist es doch auch ungerecht, wenn Du den Tausender bekommst, auch wenn Du keinerlei Werbungskosten hast.

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chockinghazard 12.07.2017, 16:22
@Gaenseliesel

So, kann sein dass ich auf dem Schlauch stehe... aber ich hab eben nochmal nachgelesen.

Der Arbeitnehmer Pauschalbetrag liegt bei 1000 Euro und mindert meine Steuerlast bereits dadurch, da er in der regulären Lohnsteuer bereits inbegriffen ist.

Habe ich tatsächlich höhere Ausgaben, sind diese konkret zu belegen...

Nun richtig?

Leider sind viele Texte im Internet dazu nur sehr zweideutig zu finden.

Ach ja... und weil ich mich in diese Materie erst einarbeiten möchte, frage ich hier bei Unklarheiten eben nach...

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Gaenseliesel 12.07.2017, 16:45
@chockinghazard

Richtig, gratuliere ! ;-)  

Besser ist es allemal, Fragen vorher zu stellen als zu spät ! 

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Impact 12.07.2017, 16:48
@chockinghazard

"Leider sind viele Texte im Internet dazu nur sehr zweideutig zu finden" - gib mal ein Beispiel.

Übrigens - bei so einem Thema stochert man nicht blindlings im Internet rum, sondern schaut sich z.B. das Einkommensteuergesetz oder die Anleitung zur Erklärung an. 

Wegen einem defekten Elektrogerät fragt man ja auch nicht den Dachdecker.

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chockinghazard 12.07.2017, 16:59
@Impact

Ja Impact, evtl lesen wir uns ja mal in einem anderen Forum zum Thema Medizin wieder....

Es ist immer einfach, wenn man aus der Sicht seiner beruflichen Tätigkeit, Erfahrung oder gesammeltem Fachwissen spricht. Dass ein Pauschalbetrag von 1000 Euro, der nicht belegt werden muss, bei einem "Laien" nach einem Freibetrag klingt, finde ich in meiner Situation nicht unbedingt beschämend.

Dass ich nun mal, zwischen Tür und Angel, in einem Forum nachfrage bzw. mal kurz die ersten, angezeigten Seiten auf der Suchmaschine überfliege und mir nicht im nächsten Buchhandel "Ausbildung zum Steuerfachangestellten" kaufe, bitte ich zu entschuldigen.

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Impact 12.07.2017, 17:38
@chockinghazard

"das Einkommensteuergesetz oder die Anleitung zur Erklärung an" gibts im Internet - Deine Auswahl war eben unüberlegt.

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Das Ding heisst Werbungskosten.

Die Finanzbehörde hat damit nichts zu tun.

Die genannten tausend Euro sind nämlich von der Gesetzgebung bereits in die Steuertabelle eingerechnet. 

Rest siehe Gaenseliesel.

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