Wer erbt den Erbanteil am Haus, wenn mein Vater gestorben ist - Ehefrau oder Tochter?

5 Antworten

Wenn die beiden das so bestimmt haben, dann wird es auch so ausgeführt.

Allerdings hat man Dir damit einen schlechten (und einen Guten) Dienst erwiesen.

  1. Du gewinnst durch das Berliner Testament auch einen Anteil am Vermögen Deiner Stiefmutter, schlecht, wenn die weniger hat, als Dein Vater hatte.

  2. Zum (Gesamt-)Erbe gehört natürlich auch das, was Dein Vater von seiner Mutter geerbt hat. Somit auch der Anteil an der Erbengemeinschaft.

  3. Wenn Du nun Deinen Pflichtteil einforderst, was Du natürlich kannst und der 1/4 des Erbes wäre (Pflichtteil § 2303 BGB 1/2 des gesetzlichen Erbes, also 1/2 von 1/2, somit 1/4), wirst Du auch beim Nacherbe auf den Pflichtteil reduziert.

  4. Die gute Nachricht bei der Erbschaftsteuer zählen Stiefkinder wie Kinder. Du bekommst also trotzdem den vollen Freibetrag für Kinder.

Es kommt hier auf den genauen Wortlaut des Testaments an, denn es gibt insbesondere in Bezug auf die Frage nach Pflichtteilen auch Sonderregelungen.

Verstirbt der Vater und erbt lt. Testament die Ehefrau, so sind dennoch die Kinder pflichtteilsberechtigt. Das ist Gesetzeslage und daran kann auch das Testament nichts ändern. Die Intention der Eltern ist jedoch, daß das Vermögen zunächst bei der Ehefrau bleibt (sofern nicht anders dargestellt) und dann erst nach Ableben der Ehefrau auch auf die Kinder übergeht. Es gibt auch Berliner Testamente mit einer Klausel, die Kinder vom späteren Erbe ausschließt (auf den Pflichteil beschränkt), wenn sie nach Ableben des ersten Elternteils ihren Pflichtteil fordern.

Stelle Dir folgendes vor: Vater V, Mutter M, Kind K1 von V, aber nicht von M, Kind K2 von M und V. Sind zuerst V, dann M verstorben, würden K1 und K2 gleichberechtigt erben. Würde K1 nach dem Tod des Vaters den Pflichtteil verlangen, so wäre dies 1/4 des Vermögens. Nach dem Tod der Mutter wird dann nochmals der Pflichtteil verlangt, d.h. von den verbleibenden 3/4 die Hälfte - 3/8. Das wären insgesamt 62,5% des ursprünglichen Vermögens. Allerdings kann die Mutter M durch lebzeitige Schenkungen an K2 dieses Ungleichgewicht wieder verändern, so daß am Ende der Erbteil für K1 nur minimal sein wird und K2 in Wirklichkeit die größte Position des elterlichen Vermögens erhält. Undank und Streit zahlen sich nicht aus.

Es kommt also darauf an, einig zu sein und gemeinsam eine Vorgehensweise für die Familie zu wählen, die machbar und fair ist.

Bedenke auch, daß Pflichtteile keine Sachanteile am Vermögen, sondern Barwerte sind. Du wirst also per Pflichtteil kein Miteigentümer am Haus werden, sondern lediglich abgefunden. Das ist vielleicht auch nicht Deine Intention.

Vorab: Zunächst wäre dir dringend anzuraten, die Testamentseröffnung abzuwarten. Als Kind bist du gesetzlicher Erbe und es ginge es dir in Kopie vom Nachlassgericht zur Kenntnisnahme zu.

Darin könnten Bestimmungen enthalten sein, die ich hier nur vermutungsweise anstellen kann, die dich aber erheblich benachteiligen können, würdest du voreilig Pflichtteilsanspruch geltend machen :-O

Grds. bleiben, im Regelfall des Güterstand der Zugewinngemeinschaftet verheiratet gewesen, Vermögen der Eheleute getrennt voneinander. Daher fällt der Erbanteil der Immobilie der Großmutter nur dem Nachlass deines Vaters zu.

Nach dessen gewillkürter Erbfolge durch wechselseitiges Berliner Testament ist die Ehefrau alleinerbend als Vorerbin bestimmt und deren eigenes und erebtes Vermögen einschl. Hausanteil soll nach deren Tod hälftig an dich und ihren Sohn als Nacherben übergehen.

Dann nach einer sog. Jastrowschen Klausel Ausschau halten, wonach du bei Pflichtteilsforderungen von der verfügten Nacherbfolge augeschlossen wärst. In dem Fall bekämst du zwar ein Viertel des Immonlienwertes und restlichen Nachlasses in Geld von deiner Schwiegermutter, die Nachlassgegenstände und dar Hausanteil ginge dann aber allein an den Sohn der Witwe.

Dafür solltest du nach Kenntnis des dann vorliegenden Testament klären, ob hier unbefreite Vorerbschaft vereinbart wäre. In dem Fall wäre diese Bindungswirkung unabänderlich und mindestens der Erbanspruch am Nachlass deines Vaters zu sichern beanspruchbar.

Mit Pflichtteilsforderung verlierst du hingegen Anspruch an Werten der Schwiegermutter, den Immobilienanteil und verzichtest insgesamt mindestens auf die Hälfte deines Nacherbes, da du auch beim zweiten Erbfall auf den Pfloichtteil in geld beschränkt würdest.

G imager761

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