Welche finanziellen Hilfen stehen Obdachlose zu?

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5 Antworten

Das ist von Stadt zu Stadt etwas anders. Es gibt eine Summe für die Erstausstattung. In Berlin sind das für einen 1-Personenhaushalt glaube ich 1.500,- Euro. Für 2 Personen wird es mehr sein.

Es gibt aber wohl auch Städte, die Gutscheine für Sozialkaufhäuser ausgeben. Das Jobcenter wird das mit denen ausmachen. Die zahlen ja auch die Kaution für die Wohnung als Darlehen.

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mit dieser Info werden die Betroffenen auf jeden Fall schon einen Schritt weiter kommen,

habe beiden auch schon Tip gegeben, sollen sich Hilfe bei einem/einer Sozialarbeiter(in) holen

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Ist das Ehepaar schon älter oder erwerbsgemindert, und ist deshalb das Sozialamt zuständig? - Wenn sie jünger und erwerbsfähig sind, ist ja das Jobcenter zuständig.

Bezüglich Kosten der Unterkunft (KdU) und Erstausstattung sind die Übernahmen in beiden Fällen gleich.

Du schreibst, das Ehepaar hat eine Wohnung gefunden. Dabei ist zu beachten: Wenn sie die Wohnung bezogen haben VOR Antragstellung auf finanzielle Hilfe vom Amt (ist ja unwahrscheinlich), und wenn Wohnungsgröße und KdU im erlaubten Rahmen sind, werden die Kosten übernommen. - Hab en sie ihren Antrag schon gestellt bzw. sind sie schon länger im Bezug, dann müssen sie sich die Anmietung der Wohnung VOR Anmietung der Wohnung vom Sozialamt / Jobcenter schriftlich genehmigen lassen. (Ich gehe davon aus, das ist geschehen.)

Vorsorglich zur erlaubten Wohnungsgröße und Miethöhe verweise ich auf

Örtliche Richtlinien - Harald Thomé
https://harald-thome.de/oertliche-richtlinien/

Wenn der Wohnort in der Liste nicht aufgeführt ist, nach einem in der Nähe schauen.

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Die Höhe der Gelder für die Erstausstattung sind in den jeweiligen Bundesländern unterschiedlich. Bitte googeln mit "Erstausstattung" und dem Bundesland und in die veröffentlichte Richtlinien schauen.

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Falls einer von beiden schwer erkrankt ist und deshalb im Sinne der Grundsicherungsämter Mehrbedarf bezüglich Ernährung hat, schau hier rein:

Hartz IV Mehrbedarf für kostenaufwendige Ernährung
https://www.gegen-hartz.de/hartz-iv-mehrbedarf-fuer-kostenaufwaendige-ernaehrung
(gilt auch für Sozialhilfe-Bezieher)

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Falls die beiden doch Hartz IV und das Jobcenter für sie zuständig ist, legt man ihnen möglicherweise in Kürze eine sogenannte Eingliederungsvereinbarung (EGV) vor, die sie unterschreiben sollen. - Die Mitarbeiter in den Jobcentern sind verpflichtet, diese EGV Punkt für Punkt verständlich zu erklären, was aber vielfach (allgemein?) nicht gemacht wird - entweder aus Zeitmangel oder aus Unfähigkeit der Mitarbeiter, die oft per Zeitvertrag mit Mindesteinweisung in den Job dort arbeiten. Diese EGV ist ein Vertrag zwischen zwei Parteien ("Kunde", wie es dort heißt, und Jobcenter). Eine solche EGV sollte NIE direkt dort unterschrieben werden, man nimmt sie mit nach Hause und bespricht sie in einer Arbeitsloseninitiative oder Sozialberatung (dazu gleich mehr) in der Nähe des Wohnortes.

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Weil die beiden sich vermutlich unsicher im Umgang mit dem Amt fühlen und sich ja auch nicht mit ihren Rechten auskennen, ist es sehr empfehlenswert, dass sie sich bei Besuchen des Sozialamts / Jobcenters begleiten lassen von einem Behördenlotsen (auch dazu gleich mehr).

Auch ist wichtig für die beiden zu wissen, dass alles Besprochene nicht beweisbar ist, alles was wichtig ist, muss schriftlich erfolgen. Nur so kann man im Falle eines Falles zum Beispiel irgendwelche Zusagen beweisen.

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Bitte gib den beiden diese Info - falls sie keinen PC haben, druck es ihnen aus:

Bei weiterem Beratungsbedarf zu diesem oder einem anderen sozialen Thema empfehle ich eine Sozialberatung. Google mit sozialberatung und füge Deinen Wohnort hinzu (oder den nächstgrößeren, falls er klein ist). Dir werden so (behördenunabhängige) Beratungsstellen gezeigt wie die Diakonie / Diakonisches Werk, Caritas, Paritätischer Wohlfahrtsverband oder die Arbeiterwohlfahrt (AWO). Vereinbare einen Beratungstermin.

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Auch lasse ihnen diese Info zukommen bzw. druck es ihnen aus - sie werden gut erkennen können, was auf ihre Situation zutrifft - druck ihnen ggf. auch die von mir genannte Info "Legitimation eines Beistands" aus:

Vorsorglich meine Hinweise für Arbeitslose (ALG 1 und ALG 2 / Hartz IV) und Aufstocker sowie Grundsicherungsbezieher - Du wirst leicht erkennen, was auf Deine Situation zutrifft:

Umgang mit Sozialbehörden

Mit dem Amt nichts telefonisch klären (das kann man später nie beweisen). Alles schriftlich machen. Am besten Schreiben, Belege und Anträge persönlich abgeben. - Den Erhalt des Schreibens lässt man sich auf einem mitgebrachten Doppel mit Stempel, Datum und Unterschrift bestätigen. (Dies verlangt man mit ruhigem, freundlichem Ton und reicht das Schreiben rüber, „und hier brauche ich noch Stempel mit Datum und Unterschrift“).

Wenn man nur etwas abgeben will, dann wie üblich ein Schreiben aufsetzen, in dem erklärt wird, was "als Anlage" überreicht wird (sind es mehrere Anlagen, diese mit Nummern versehen aufzählen). - Wiederum dieses Anschreiben auf einem mitgebrachten Doppel mit Stempel und Unterschrift bestätigen lassen.

Diese Bestätigungen sind Gold wert, sie sind mehr wert als ein Einschreibebeleg (mit dem ja nur der Eingang eines Umschlags bestätigt wird).

Mit einer solchen Bestätigung kann von Seiten der Behörde nicht behauptet werden, Schreiben und Belege seien nicht eingegangen. Und wenn doch, eine Fotokopie von deren Bestätigung vorlegen (das Original unbedingt wie eine Kostbarkeit hüten). - Nicht (oder angeblich nicht) abgegebene Unterlagen kann als Verstoß gegen die Mitwirkungspflicht gedeutet werden, was zu Sanktionen führen kann = Kürzung von Geld. - Und: Werden so die Unterlagen / Belege abgegeben, wird erfahrungsgemäß allgemein die Sache zügiger bearbeitet.

Falls Du meinst, ich würde übertreiben, google mit jobcenter unterlagen verloren und lies auch dies: Hartz IV: Verschwundene Unterlagen mit System? http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/hartz-iv-verschwundene-unterlagen-mit-system.php

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Im Gespräch mit den Mitarbeitern immer korrekt und konzentriert sein. Wenn die Mitarbeiter freundlich und zugewandt sind: Auch Infos im Vertrauen landen in der Akte und können später gegen den „Kunden“ (wie es vollmundig bei Sozialbehörden heißt) verwendet werden. - Lies auch

Wichtige Tipps für Hartz-IV-Betroffene http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/wichtige-tipps-fuer-hartz-iv-betroffene.php

und

Die häufigsten Hartz IV Fehler der Jobcenter http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/die-haeufigsten-hartz-iv-fehler-der-jobcenter.php

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Oft ist es ratsam, zum Amt einen Beistand als Begleitung mitzunehmen. Dieser Ämterlotse muss nur zuhören und kann dabei Protokoll führen, oder hinterher macht man gemeinsam ein Erinnerungsprotokoll. Der Beistand kann aber auch für Dich Erklärungen abgeben, dazu § 13, Absatz 4 SGB X (google mit 13 sgb 10):

  • (4) Ein Beteiligter kann zu Verhandlungen und Besprechungen mit einem Beistanderscheinen. Das von dem Beistand Vorgetragene gilt als von dem Beteiligten vorgebracht, soweit dieser nicht unverzüglich widerspricht.

Für einen ehrenamtlichen Behördenbegleiter = Beistand google jeweils mit Deinem Wohnort (oder dem nächstgrößeren, wenn Deiner klein ist) mit

  • Ämterlotsen
  • Behördenlotsen
  • Behördenbegleiter
  • Hartz IV Mitläufer
  • Hartz IV Gegenwind e.V.
  • Wir gehen mit org

Diese Ämterbegleiter sind wertvolle Hilfen und notfalls auch Zeugen, und (die meisten? alle?) haben für diesen ehrenamtlichen Dienst eine kleine Ausbildung genossen und kennen sich bestenfalls mit den Gesetzen aus. (Sag beim Amt niemals, Du hättest einen Zeugen dabei! Zeugen dürfen des Raumes verwiesen werden - Beistände dagegen nicht, auf die hast Du ein Recht.)

Lebst Du in einer Bedarfsgemeinschaft (oder Haushaltsgemeinschaft): Andere Mitglieder solch einer Gemeinschaft können für Dich kein Beistand sein, denn sie sind nicht neutral, sondern automatisch selbst Betroffene.

Google mit

legitimation eines beistands pdf (die Wörter genau so)

und lade Dir die Datei vom elo-forum runter. Darin erfährst Du die gesetzliche Grundlage für Beistände und dass jeder Bürger ein Recht darauf hat, sich bei Behördengängen von einem Beistand begleiten zu lassen.

In der Info erfährst Du unter anderem, dass wenn Dein Beistand für Dich etwas sagt, und Du widersprichst nicht, gilt es so, als hättest Du selbst es gesagt.

Wenn Du bei einer Sozialberatung bist, frage dort, ob dort Beistände / Ämterlotsen / Behördenbegleiter ehrenamtlich Dienst machen. In Hamburg z.B. bietet die Diakonie Begleitung durch Ämterlotsen an.

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A C H T U N G ! - sehr wichtig für Hartz IV-Bezieher:

Folge den Dir aufgegebenen Mitwirkungspflichten wie Bewerbungen schreiben, an Maßnahmen / Fortbildungen teilnehmen (auch falls Dir eine der Maßnahmen blöd, unsinnig oder für Dich unangemessen erscheinen mag). In solch einem Fall wende Dich an eine Arbeitsloseninitiative / Arbeitslosenberatung / Rechtsberatung. - Bezüglich fehlender Mitwirkung wurde das Gesetz für Hartz IV-Bezieher krass verschärft, und das kann sehr schmerzhafte finanzielle Folgen für Dich haben!

Das Jobcenter kann dann ihren "Kunden" berechnen, was das Jobcenter hätte sparen können, hätte der "Kunde" die Anweisung befolgt und dadurch Arbeit gefunden - und das nicht nur für die Vergangenheit, sondern auch für künftige Jahre. (Das ist also ein Schauen-wir-mal-in-die-Glaskugel-Gesetz, völlig gaga, leider aber real.) Und das kann sehr, sehr, sehr teuer für den "Kunden" werden.

Deine umfangreiche Ausführung ist immer sehr wertvoll für die Betroffenen, cyracus !

Hat man Pech und gerät an einen lustlos, mieslaunigen Bearbeiter und kennt seine Rechte, erspart man sich hiermit unnötigen Frust.

LG und sonnige Pfingsten ! :-)

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Hallo !

Es steht Ihnen auf alle Fälle eine Erstausstattung nach Obdachlosigkeit zu. Das muß das Ehepaar beantragen. Das Amt übernimmt auch die Kaution auf Antrag als Darlehn. Die Mietzahlung wird auch übernommen in der von Stadt zu Stadt unterschiedlicher Höhe.

mit dieser Info werden die Betroffenen auf jeden Fall schon einen Schritt weiter kommen,

habe beide auch schon Tip gegeben, sollen sich Hilfe bei einem/einer Sozialarbeiter(in) holen

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Danke für die Bewertung. Ich freue mich helfen zu können. Noch ein Tip sind beide Arbeitsfähig übernimmt das das Jobcenter. Müßte dann auch da beantragt werden.

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Da das Ehepaar schon weiß, dass die gefundene Wohnung vom Sozialamt gezahlt wird, haben Sie also schon einen Ansprechpartner bei den Behörden. An den können Sie sich wenden und werden dort auch die Informationen zur Erstausstattung und den entsprechenden Anträgen und Ansprechpartnern bekommen. Ansonsten sind auch die Caritas oder andere kirchliche Einrichtungen immer ein guter Ansprechpartner.

Hallo,

zu den bereits empfohlenen Tipps ist es grundsätzlich von Vorteil, sich bereits im Vorfeld zum Umgang mit den Sozialbehörden folgende Infos durchzulesen:

https://buergerratgeber.de/umgang-mit-behoerden/

Evtl. meldet sich @cyracus mit ihrem nützlichen * Ratgeber * (betr. Behördenbeistand) ergänzend zum Thema !

Seine Rechte zu kennen, kann nur von Vorteil sein !!!

Ja, die Info zu dieser Frage kam heute in mein Mailkonto (seit Neugestaltung des Programms leider immer mit zeitlicher Verzögerung). - Und: Es ist nun möglich, meine Hinweise zum Umgang mit Sozialbehörden wieder vollständig reinzugeben - ist für die Fragenden ja viel hilfreicher als die Verweise auf eine frühere Antwort.

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