Was würdet ihr am System der gesetzlichen Rente in Deutschland ändern wenn ihr Einfluss nehmen könntet?

...komplette Frage anzeigen

7 Antworten

Ich würde eine totale Sozialrechtsreform machen und damit die Rentenversicherung in der jetzt eistierenden Form auf Sicht von ca. 50 Jahren (wenn wer heute mit Einzahlung beginnt, in Rente geht) abschaffen.

Grundlagen unseres Sozialsystems: 

Wir lassen keinen verhungern, also wer keine ausreichenden Einkünfte hat, bekommt ALG II/Grundsicherung

Heutige und zukünftige Tatsache:

Der Zusammenhang zwischen eingezahlten Beiträgen und Auszahlungen aus dem System wird immer geringer.

Wer eine zu geringe Rente bekommt, um davon leben zu können, muss den Gang über die Ämter machen. Wohngeldstelle, Grundsicherungsstelle usw.

Bereits heute werden über 25 % des Haushalts der Deutschen Rentenversicherung Bund aus dem Bundeshaushalt gezahlt.

Also radikale Änderung.

Es gibt eine staatliche, steuerfinanzierte Grundrente in Höhe von 900,-, 950,-, oder 1.000,- Euro. (Bitte nicht an den Beträgen festnageln, die müssen berechnet werden.

Der Rentenversicherungsbeitrag wird zum Teil auf die Einkommensteuer umgelegt (Damit zahlt dann auch der Chefarzt automatisch mit ins System). Der Arbeitgeberbeitrag wird durch eine 9,35 %ige Lohnsummensteuer ersetzt. Damit werden dann auch auf Vorstandsgehälter und Aufsichtsratsvergütungen Beiträge erhoben. Das ist mir eigentlich nicht wichtig, weil es Beitragsmäßig nicht bringt, aber die Linken können es sich dann auf die Fahne schrieben, dass auch die Bozen zahlen.

Damit wird die Belastung für den Durchschnittsverdiener aber gesenkt, was er in die eigene Versorgung einbringen kann, wenn er mehr als die Grundrente haben will. Aber damit kann sich jeder entscheiden, wie er seine Alterversorgung möchte. Als Mietfreiheit, durch kauf einer Immobilie. Oder als Renternzuschuss, durch eine Geldanlage, oder Anlageimmobilie. Oder aus Renten- oder Aktienfonds.

Die öffentliche Rentenversicherung könnte ja als öffentlich kontrolliertes Anlage- und Renteninstitut überleben.

Vorteil:

Die Grundsicherung jedes Einwohners ist durch eine Zahlung aus öffentlichen Kassen gesichert, für die nur ein Antrag nötig ist. Das Geld kommt aus der Steuerkasse.

Wer eine Zusatzversorgung, in welcher Form auch immer macht, bekommt die Gegenleistung zu seinen individuellen Einzahlungen.

Natürlich bedingt es eine langfristige udn wohlüberlegte Übergangsphase, aber wir werden nicht um ein System dieser art herum kommen.

Ausserdem könnte man auch als Ergänzung zur Lohnsummensteuer, auch eine "Automatisierungssteuer" ins System einführen, für Unternehmen, die jede Art von Beschäftigten durch Roboter ersetzen.

Aussergewöhnliche Maßnahmen, aber wenn dasSystem nicht völlig kollabieren soll, wird man sich etwas neues einfallen lassen müssen, anstatt das System alle 5 Jahre zu verschlimmbessern.

Interessanter Vorschlag, aber für mich schwer zu denken. Die gute alte, bewährte DRV abschaffen?

0

Ich würde wohl die bAV ersatzlos abschaffen und durch private Pflichtvorsorge ersetzen. 

Ordentliche Leistungen aus der betriebliche Altersvorsorge haben fast nur Leute, die auch ohne diese Vorsorge eine überdurchschnittliche Rente bekommen.

Die private Altersvorsorge in D ist durch die Reformen der letzten Jahre ziemlich gut geworden: http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Steuern/Weitere_Steuerthemen/Altersvorsorge/2017-08-21-Riester-Rente-wird-noch-attraktiver.html

Wenn man jetzt noch die leidige Beitragsgarantie - also dieses eine unsinnige Schräubchen - wenigstens für Menschen unter 55 Jahren abschaffen würde und dann noch eine Pflicht zur privaten Altersvorsorge einführt, ist innerhalb von zwanzig Jahren trotz deutlich geringerem staatlichen Zuschuss wirklich jeder selbst schuld, wenn er Grundsicherung beziehen muss.

Die Zahl der Empfänger würde jedenfalls deutlich zurückgehen.

Höhere Freibeträge (warum nicht 6.000 € im Jahr?) auf realisierte Gewinne aus Fonds ab Renteneintritt wären auch hilfreich. Für viele, vor allem Selbständige ist das eine sehr sinnvolle, weil nach Kassenlage und flexibel aufgebaute Altersvorsorge. Die aber leider aktuell vom Staat in Rente nicht anders besteuert wird als im Erwerbsleben.

Die Wünsche sind groß, aber die Möglichkeiten sehr begrenzt. Schließlich gibt es 21 Mio Rentner bei 80 Mio Einwohnern, davon weniger als 50 % Einzahler!

Wichtig wäre es, das Rentensystem auf Alle auszudehnen und insbesondere die privilegierten Beamtenpensionen den Rentenansprüchen gleichstellen.


Jetzt hat man es endlich mal geschafft, die Renten auch zu besteuern (immer noch nur teilweise) - und dann so ein Spruch.

1

Mal als Nebenschauplatz des derzeitigen Systems:

Ich finde es nicht in Odnung, dass Menschen, die lange gearbeitet haben und deren Rente trotzdem nicht über dem Grundsicherungssatz liegt, keine Freibeträge bzgl. der Grundsicherung erhalten.

Derzeit gibt es ja keinen Unterschied zwischen Personen, die sich eine Rente erarbeitet haben und andererseits Personen, die keinen Rentenanspruch haben.

Ab 01.01.2018 gibt es diesen doch. Etwas mehr als 200,- € bleiben anrechnungsfrei.

Wer aber sein ganzes Leben gearbeitet hat und in 40+ Jahren nie auf die Idee gekommen ist mal betrieblich oder privat was zu tun, der verdient auch nicht viel Mitleid.

Wenn der Lebenslauf nicht voll ist von Schwarzarbeit, Arbeitslosigkeit, Teilzeit etc. gibt es kein Argument nicht Altersvorsorge betrieben zu haben, das nicht im Verantwortungsbereich eines Menschen selbst liegt.

1

Als Rentenfrau bin ich natürlich weiter für die gesetzliche Rentenversicherung, sie hat Weltkriege, Inflation und Wiedervereinigung erfolgreich überlebt. Aber Änderungen sind nötig. Alles aufzuzählen würde den Rahmen sprengen, daher will ich nur einige Beispiele nennen.

Keine Zahlungen mehr ohne Beitrag oder dem entsprechenden richtig hohen Zuschuss des Bundes, wie z. B. MÜTTERRENTE - es ist ein Unding diese höheren Kindererziehungszeiten aus den momentanen Rücklagen der Rentenversicherung zu zahlen.

Jede soziale Wohltat aus der Rentenversicherung gehört steuerlich finanziert, sei es die Höherrechnung der Rente nach 35 Jahren Rentenzeiten oder die Rente 63 von der SPD (die eh nur wenigen Jahrgängen zugute kam und mir bis heute nicht einleuchtet) oder Lebensleistungsrente oder was immer noch von der Politik geplant ist oder wird.

Der Zusammenhang zwischen Beitrag und Rente muss gewahrt bleiben, keine "Zuckerle" für bestimmte Zielgruppen der Politik, ohne dass Rentenbeiträge fließen, wer lang und viel zahlt, hat eben mehr Rente als wenn jemand das nicht tut, was auch immer die Gründe dafür sein mögen.

Weitere Anhebung des Rentenalter in Abhängigkeit zu den Rentenlaufzeiten.

Einbeziehung der Selbständigen (die nicht in eigenen Versorgungswerken abgesichert sind), denn hier stellt ein nicht geringer Teil im Alter Antrag auf Grundsicherung und fallen so der Allgemeinheit zur Last.

Mütterrente für alle Mütter!

Keine gesetzliche Rente mehr für Kinderlose. Die gesetzliche Rente ist ein Umlagesystem. Mit den Beiträgen der aktiven Generation werden die Renten der Elterngeneration bezahlt. Wer keine Kinder großgezogen hat, schmarotzt als Rentner an den Kindern anderer. Das darf nicht sein. Das Geld, welches sie nicht für Kinder ausgeben mussten, hätten die Kinderlosen für eine eigene Altersvorsorge anlegen müssen.

Auch Beamte und Selbständige müssten Beiträge zur gesetzlichen Rentversicherung leisten. Deren Eltern (sofern sie nicht auch Beamte oder Selbständige waren) erhalten ihre gesetzliche Rente die aus den Beiträgen der Pflichtversicherten finanziert werden.

Der feste Rentenbeginn sollte abgeschafft werden. Jeder darf so lange arbeiten wie er will und einen Arbeitgeber findet. Die Höhe der Rente muss vom Renteneintrittsalter abhängig gemacht werden. Wer länger arbeitet kriegt mehr.

Frage zurück: Welchen Nutzen hättest Du aus einer Antwort?

Aus meiner Sicht ein Thema für Diskussionsforen.

Der Nutzen liegt darin, dass man die Ungereimtheiten, Ungerechtigkeiten und Risiken des aktuellen Rentensystems erkennt und man diese Erkenntnis in die Planung der eigenen Altersvorsorge einarbeiten kann.

Auf tönernen Füßen stehen z.B. die Rente für Kinderlose und die fehlende Pflichtversicherung für Beamte und Selbständige.

1

Was möchtest Du wissen?