Was versteht man unter Asset Allokation?

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5 Antworten

Der Artikel in Wikipedia ist etwas knapp.

Es gibt verschiedene Anlageklassen (Asset Classes) wie z.B. Aktien, Anleihen, Immobilien, Rohstoffe, Private Equity und speziellere Bereiche wie Diamanten, Wein, Kunst etc. Diese Anlageklassen entwickeln sich unterschiedlich gut oder schlecht über die Zeit hinweg, d.h. sie sind nicht vollständig korreliert.

Innerhalb von Anlageklassen gibt es Segmente. Beispielsweise kann man Aktien nach Regionen, Branchen, Unternehmensgrößen, Dividendenrendite, Themen oder anderen Kriterien einteilen. Anleihen lassen sich nach ihrem Rating, der Laufzeit, dem Kupon, der Region der Emittentin, Inflationsschutz, der Währung etc. einteilen.

Die Theorie von Markowitz zur Diversifikation besagt nun, daß eine geeignete Kombination von Anlageinstrumenten in diesen Anlageklassen die Performance eines Portfolios gegenüber einem Portfolio in nur einer Anlageklasse verbessern kann. Man wird also beispielsweise kombiniert Aktien und Anleihen anstelle von nur Aktien verwenden wollen. Ebenso wird eine Diversifikation über Anlagesegmente hinweg die Performance einer Anlageklasse verbessern. Man wird also nicht nur auf deutsche Aktien setzen, sondern vielleicht auf deutsche, europäische, amerikanische, asiatische und afrikanische Aktien in einem bestimmten Verhältnis setzen wollen.

Fondsmanager, die einen Fonds verwalten, müssen sich über eben diese Verhältnisse zwischen Anlageklassen (fall es ein Multi-Asset-Fonds/Mischfonds ist) oder Anlagesegmenten innerhalb ihrer Anlageklasse (z.B. bei reinen Aktien- oder Rentenfonds) entscheiden müssen. Dies ist die Asset Allocation. Man weist also einzelnen Anlageklassen und -segmenten Anteile im Portfolio fest oder als Bereich zu. Beispiel: ein Mischfonds mit 80% Aktien und 20% Anleihen oder ein Mischfonds mit mind. 20%, maximal 80% Aktien, mind. 50% Anleihen und max. 10% Immobilien.

Ein Fondsmanager kann diese Allokation auf unterschiedliche Weisen erreichen.

Oft ist es nur eine anteilige Gewichtung der Positionen im Portfolio, die überwacht wird, d.h. das Fondsmanagement entscheidet selbst über die Positionen und der Einhaltung der Allokationsrahmenbedingungen.

Manchmal wird jedoch die Assetallokation auch als Overlay realisiert, d.h. es gibt einzelne Feederfonds zu den relevanten Anlageklassen (mit jeweils ihren eigenen Fondsmanagements) und das Fondsmanagement des Multi-Asset-Fonds setzt diese flexibel in den jeweils erforderlichen Anteilen zu einem neuen Fonds zusammen. Das können sich vor allem größere Fondsgesellschaften leisten, die damit einerseits die Verwaltung der einzelnen Feederfonds effizienter gestalten können, jedoch auch dem Multi-Asset-Fonds mehr Flexibilität geben.

Anstelle von Feederfonds werden von vielen Vermögensverwaltern auch ETFs eingesetzt. Dies ist eigentlich auch der Ursprung des ETF-Gedankens: Diversifikation innerhalb eines indexorientierten Marktfonds, der ein bestimmtes Scheibchen des Anlageuniversums enthält, in Kombination mit einer Portfoliostruktur, die einzelnen Segmenten entsprechende Gewichtungen vergibt.

Der ETF Dachfonds von Veritas oder der neuere Arero-Weltfonds funktionieren ebenfalls nach diesem Prinzip.

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LittleArrow 28.07.2013, 10:00

Eine sehr umfängliche, ergänzende Darstellung. DH!

Ergänzung:

Ich würde sie aber - wie auch den Wikipedia-Bericht - noch um den erwarteten Vermögenszuwachs aus anderen Quellen ergänzen, z. B. aus einigermaßen gesichertem Nettoeinkommen wie Gehalt und Renten. Diese beiden Positionen werden üblicherweise und unrichtigerweise bei Portfolioüberlegungen vernachlässigt. Wer gegen diesen sicheren Vermögenszuwachs argumentiert möchte, sollte dann aber auch das Risiko eines Aktienbörseneinbruches zu einem unwillkommenem Zeitpunkt berücksichtigen (z. B. 2002 oder 2008) und wirklich noch mal bei "Bares ist Wahres" anfangen.

Vergleich

ETF Dachfonds (P) von Veritas oder der neuere Arero-Weltfonds (von DWS)

Offenbar hat die sehr hohe Kostenbelastung bei Veritas und die etwas andere Asset Allocation zu dieser Kursentwicklung beigetragen:

https://www.comdirect.de/inf/fonds/detail/chart.html?timeSpan=range&ID_NOTATION=17368162&REQUESTED_REDIRECT=FUND&benchmarkNotations=25521984&benchmarkColors=3366cc&selectedBenchmarks=true&fromDate=28.07.2009&

Oben der Arero!

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LittleArrow 28.07.2013, 11:30
@LittleArrow

Interessant wird es in dieser graphischen Darstellung, wenn man noch WKN 556167 (Ethna-Aktiv) und A0M43Z (vFlossbach Multiple Opportunities) hinzufügt und dabei den Beginn des Zeitraumes verändert.

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Die asset allocation (englisch) bzw. Anlageaufteilung oder Portfolio-Strukturierung ist die Aufteilung (Diversifikation) eines angelegten Vermögens auf verschiedene Anlageklassen wie z. B. Anleihen, Aktien, Immobilien, Währungen und Edelmetalle (Wikipedia).

Wenn ein Fondsmanager die Asset Allokationfunktion hat, dann heißt das er den Fonds verwaltet.

Die nicht personenbezogene Funktion der Asset Allokation ist die bestmögliche Erfüllung eines vorgegebenen Anlageziels. Also z.B. die Risiken zu verringern ohne die Ertragschancen zu sehr einzuschränken, oder die größtmögliche Minimierung von Kursschwankungen oder der langfristige Kapitalerhalt oder die Teilhabe an einer erwarteten Branchenentwicklung oder, oder, oder.

Die Methoden der Asset Allokation sind so unterschiedlich wie die jeweiligen Anlageziele.

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Was versteht man unter Asset Allokation?

Das fragt sich auch mancher Fondsmanager, insbesondere, wenn er das Kundenvermögen in die Grütze geritten und den Kurs gen Südpol getrieben hat.

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Ein Fonds ist eigtl das beste Beispiel für eine Asset Allokationsfunktion bzw. die Asset Allokation. Ein Fonds besteht nämlich in der Regel aus vielen verschiedenen Werten. Unter "Asset" können Anlageformen, wie Gold, Silber und andere Rohstoffe verstanden werden. Die Allokation ist quasi die Aufteilung. Eine optimale Asset Allokationfunktion teilt die vorhandenen Anlagen optimal auf. http://allokation.net/was-ist-eine-allokationsfunktion/

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