Was sollte man für eine Berufsunfähigkeitsversicherung als Auszahlungssumme ansetzen?

...komplette Frage anzeigen

5 Antworten

Viele gute Antworten und viele gute Hinweise. Ein wenig rechnen muss man vorher schon, wenn man "netto" seinen Lebensstandard absichern will. Was man "netto" am Monatsanfagn im Portemonnaie hat, das ist schnell ermittelt. Wenn der Fall BU eintritt so muss monatlich ein Nettobetrag vorhanden sein, mit der man seine Krankenversicherung bezahlen kann. Dann sollte soviel netto vorhanden sein, dass aus der verbleibenden Summe das gewünschte Lebenshaltungsniveau gehalten werden kann. Doch Achtung: Auf BU Renten sind auch Steuern fällig. Und da geht es schon los. Ist die BU mit einer Altersvorsorge verknüpft, so berechnen sich die Steuern anders als bei einer reinen BU. Und darauf muss geachtet werden, dass die BU Höhe auch die Steuern bezahlen kann. Was dann übrig bleibt, das muss dann zum Leben reichen. Auch wenn gerne erzählt wird dass Kombination BU und Altersvorsorge einen Vorteil bei der Steuererklärung als Sonderausgabe ergibt, so fällt einem das Produkt im Leistungsfall auf die Füße, wel höhere Steuern zu zahlen sind (und somit auch ein höherer BU Betrag erforderlich ist. Und hier zitiere ich mal Wikipedia:

Versteuerung im Leistungsfall private Berufsunfähigkeitsversicherungsverträge Die Leistungen einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung werden mit dem Ertragsanteil für temporäre Leibrenten versteuert. Maßgabe hierfür ist § 55 EStDV im Annex zu § 22 EStG. Abgestellt wird mithin auf die Dauer der Leistungsverpflichtung, da eine Berufsunfähigkeitsrente spätestens mit Eintritt der Regelaltersrente endet. Der Ertragsanteil ist umso höher, je eher die BU-Rente beansprucht wird (ca. ein Prozentpunkt pro Jahr); denn je länger die verbleibende Laufzeit, desto höher der Ertragsanteil. Bei einer verbleibenden Laufzeit von 45 Jahren beträgt der Ertragsanteil somit ganze 42 %, bei verbleibenden 30 Jahren noch 30 %, bei 15 Jahren noch 16 % und bei verbleibenden fünf Jahren noch 5 %. Beispiel: Ein Single wird heute berufsunfähig, er erhält die nächsten 15 Jahre eine Berufsunfähigkeitsversicherung ausbezahlt. Dann hat er in jedem Jahr 16 % der Auszahlung zu versteuern. Erhält er in einem Jahr 24.000 Euro ausgezahlt, so muss er hiervon 3.840 Euro (den Ertragsanteil) versteuern. Solange dieser Ertragsanteil zusammen mit seinen sonstigen steuerpflichtigen Einnahmen unterhalb des Steuerfreibetrages liegt, muss er keine Steuern bezahlen.

Versteuerung Steuerlich geförderte Berufsunfähigkeitsversicherungsverträge Anders verhält es sich bei Berufsunfähigkeitsversicherungen, die als Risikobaustein oder auch separat innerhalb staatlich geförderter Altersvorsorgeprodukte abgeschlossen werden. Leistungen aus Berufsunfähigkeitsrentenabsicherungen innerhalb der Produktebene der Betrieblichen Altersversorgung werden, soweit die Beiträge hierfür steuerfrei gestellt wurden, voll versteuert. Die Steuerbemessungsgrundlage liegt mithin bei 100% (§ 3 Nr. 63 EStG).Leistungen aus Bausteinen der Berufsunfähigkeitsrente, die über Rürup-Renten abgeschlossen wurden, unterfallen der sog. Kohortenversteuerung, der auch Leistungen aus der GRV oder der berufsständischen Versorgungswerke der Ärzte, Rechtsanwälte, Notare, Apotheker oder Architekten unterliegt. Im Jahr 2011 liegt die Bemessungsgrundlage für Leistungseintritte in diesem Jahr bei 62% und steigt für Leistungseintritte bis zum Jahr 2040 sukzessive um 2%, später 1%-Schritte im Jahr an, bis letztlich 100% erreicht sind.

Fazit: Ohne Rechnen und fachkundige Beratung sollte man das Thema BU nicht angegangen werden, dazu ist es zu existentiell.

Angeber Antwort ;-))

0
@Awando

Immer gut um Strukturvertriebe zu killen. I Love it und hab heute im System einfach nur die Schwein Taste gedrückt. Bin morgen wieder normal.

0

Als Richtwert nimmt man in der Regel 75% des vorherigen Nettoeinkommens, da dies als guter Richtwert gesehen wird um mit der staatlichen Rente zusammen, seinen Lebensstandard halten zu können. Du solltest dir selber überlegen, welche Summe du brauchst um ein Leben nach einem für dich sinnvollen Standard zu führen, wenn du Arbeitsunfähig werden solltest.

Achtung: Es müssen auch Steuern und Krankenversicherungsbeiträge daraus bezahlt werden. Da wird es bei vielen bei 75 % echt eng.

0

Da die BU eine Summenversicherung ist, kann die BU Höhe frei gewählt werden. Jedoch haben die meisten Versicherer 1. eine Höchstgrenze und führen 2. eine Einkommensabfrage durch. Von dieser Höhe können dann nur x % versichert werden. Und zu deinen 2000,- Euro --- für jemanden, der 1200,- netto verdient, ist es Bllödsinn, sich so hoch zu versichern - abgesehen davon, dass er es sich meist gar nicht leisten kann.... Mein Tipp: sich von einem unabhängigen Finanz- und Versicherungsmakler beraten lassen. Der führt eine Versorgungsanalyse durch und ermittelt die exakte Versorgungslücke. Über die Vorschläge verschiedener Gesellschaften kommst du dann zu deiner optimalen BU-Absicherung ... Grüße vom Querkopf

Na nicht ganz. Also 1200 Netto. So wenn ich 2000 BU habe, dann 330 GKV abziehe und die Beträge für die BU weiter zahlen muss, mal mit 70 Euro angesetzt, meine Altersvorsorge weiter bediene - auch mal 100 Euro angesetzt und dann noch Steuern zahle (SBU angenommen) bei Steuerklasse I, also die nächsten 300 Euro dann lande ich netto bei 1200 Euro. Die 2000 Euro sind okay! Und jeder Versicherer der Limitierungen vornimmt fliegt bei mir im Vergleich raus, da Prozess vorprogrammiert im Leistungsfall! Ergo 2000 Euro in dem Fall passt!

0

Für mich zählen in der Beratung ( das leider oft vergessen wird ) ,die Anrechnung der EMR Rente (..sie ist nun mal da, ob nun schwer "erreichbar" oder nicht..) und der Hinweis des Gesetzgeber, das aus allen Teilbereichen der gesetzl. / privaten Vorsorge ( dazu zählen auch Unfallrenten !) sich in der Auszahlung bei Berufs-Krankheit oder Unfall sich nicht mehr ergibt ,als das was der Kunde vorab als Gehalt erhalten hat ! Diese sogenannte Bereichungsklausel ,in Relation der mit den steuerlichen Aspekten die alfalfa beschrieben hat, gehen einher mit der richtigen Berechnung der Höhe einer S.B.U. !

HG DerMakler

Werter Kollege. Kleine Korrektur. Eine BU ist eine Summenversicherung! Bereicherungsverbot nach § 200 VVG gibt es nur bei Krankentagegeld. Das gilt nicht bei einer BU! Also kann man sich höher absichern als sein letztes Nettogehalt und muss dieses auch tun, da neben Steuern auch die vollen KV Beiträge und die Beiträge zur BU gezahlt werden müssen.

0
@alfalfa

Werter Kollege II ,ebenfalls Korrektur : Die Regelung nach § 200 VVG ist nach dem letzten Stand übergreifend ! dies stellte auch das OLG Hamm fest ! Die richtige Berechung des Krankentagegeld kann auch übergreifen, wenn gleichzeitig private B.U. Renten oder Unfallrenten in Anspruch genommen werden ! Da ein privates KT 43 bis zu max. 72 Wochen gezahlt werden kann ,bis dato andere Ansprüche meist ebenfalls in Anspruch genommen werden !

Eine S.B.U. Versicherer kann keine Garantie für die Höhe der abzuschließenden B.U Rente geben ,die DR kann aber bei Berechtigten Ansprüchen ,die über den zuletzt verdienten 100 % Nettoverdienst leigen ,entweder mit Kürzung drohen oder den S.B.U. Versicherer davon in Kenntnis setzen ,das ***gleichzeitig******* eine EMR in Anspruch genommen wird ! Der Grundsatz kommt aus dem BGB, in dem der Grundsatz einer Besserstellung durch Unfall & Krankheit einer Straftat nahe kommen kann.. man geht davon aus ,das vorab steuerliche & krankenversicherungstechnische Aspekte stattgefunden haben !

Ansonsten meine vollste Zustimmung !

HG DerMakler

0
@DerMakler

Ahh, das beliebte Thema KT/BU Übergang. In meinen Ausführungen beziehe ich mich auch die Kommentare von Voith/Neumann. Hier sollten wir die Dinge sauber trennen. Wenn BU greift, endet KT Anspruch. KT Anspruch unterliegt dem Bereicherungsverbot, ganz klar. Durch die Prognosezeiträume kann es zu Bezug von Krankengeld/Krankentagegeld kommen. Ist dieses KT höher als die SBU Rente, so ist ab dem Zeitpunkt der Feststellung BU das überzahlte KT zurückzuzahlen. Das hat aber mit MB KT in Verbindung mit § 200 VVG zu tun und der Abgrenzung ab wann SBU bzw bis wann KT Anspruch. Der Versicherer muss sogar die SBU garantieren wegen Summenversicherung. Unabhängig von EMR! Wie gesagt vgl. Voith/Neumann. Frage: Haben Sie wegen OLG Hamm auch eine Urteilsnummer. Ich weiss, das Thema KT/BU Übergang ist eines der kniffeligsten. Bleiebe trotzdem bei meiner ursprünglich getroffenen Aussage. Die Diskussion mit der Kürzung bei BU hatte ich mit der AL und mittlerweile sogar schriftlich, dass die Praxis de jure nicht haltbar ist. Netter Versich der Versicherer, doch die sollten ma selbst lesen, was sie dort verzapfen. Deshalb ist eine gute Beratung und ein sauberes Bedingungswerk doppelt wichtig.

0

Der Richtwert von amadeusmozart ist ja recht nett, nur leider oft nicht praktikabel, da die Bedingungen oft weniger vorsehen.

Man sollte seine Ausgaben decken können, von dem Geld leben können. Dazu gehört einmal eine richtige Aufstellung. Auch wichtig: Wer BU ist und nicht arbeitet, tut nichts für die Altersvorsorge. In der Regel enden aber die meisten BU`s mit Eintritt der Rente, oder sogar früher. Daher sollte man das bestenfalls auch mit einkalkulieren.

Im Ergebnis wird es schwer sein, einen 100% notwendigen Schutz zu erreichen: Daher zusätzlich vorsorgen.

Wichtig ist übrigens auch, dass sich die BU während der normalen Laufzeit, aber auch im Leistungsfall durch eine Dynamik anpasst, anpassen lässt. Denn 2000 Euro sind in 20-30 Jahren sicherlich wesentlich weniger Wert als heute.

Was möchtest Du wissen?