Was ist mit Anlage-Mentalität gemeint? Gibts da Unterschiede? Wie muß man für Fonds "drauf sein"?

4 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Meine Sparkasse versucht seit Jahren, mich auch zu derartigen Fragerunden einzuladen. Man hat mir sogar ungefragt meinen Vermögensstatus erstellt und Oprimierungsvorschläge gemacht. Zum großen Kummer meines "Vermögensberaters" bin ich auf diese Angebote nie eingegangen und weigere mich sogar anzugeben, wie hoch die Guthaben und Depots bei anderen Kreditinstituten sind. Inzwischen gelte ich bei meiner Sparkasse als aussichtsloser Fall.

Was ich Dir vorschlage ist folgendes: Geh zwar zu der Veranstaltung hin. Dein eiserner Wille sollte aber sein, nicht gleich vor Ort etwas von dem zu kaufen was Dir vorgeschlagen wird. Mach Dir Notizen, nimm Informationsmaterial mit und vergleiche zu Hause in Ruhe. Es gibt im Internet eine Fülle von Vergleichsrechnern bei denen Du die Dir angebotenen Fonds mit anderen deselben Anlageklasse vergleichen kannst. Nimm Dich im übrigen ganz besonders in acht vor den gerne von Sparkassen vertriebenen Dachfonds oder Fondsvermögensverwaltungen. Der Vorteil solcher Angebote liegt in erster Linie beim Anbieter. Das sind sowohl für die Sparkasse wie auch für Deka Gebührenturbos. Der Nutzen für den Kunden aber hält sich in Grenzen.

DH - ..."gelte bei meiner Sparkasse als aussichtsloser Fall"... - ich auch schon lange, und zwar gern!

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@GAFIB

Bekommst Du auch keinen Kalender mehr zugeschickt? Und die schönen Kulis erst!

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Die Anlage-Mentalität beschreibt, welches Haltung zu Anlageinstrumenten eine Gruppe von Personen aufweist, d.h. welches Risikoverhalten, welche subjektive Bereitschaft für bestimmte Anlageklassen, welches Angstempfinden, wie (einmal gekaufte) Wertpapiere gehalten werden und vieles mehr.

Deutsche Anleger sind sehr sicherheitsbewußt. Man wünscht sich für alles eine Versicherung und eine Garantie, idealerweise gepaart mit einer hohen Rendite. Während zu Zeiten des Neuen Markets durchaus eine kleine Aktienkultur aufkam, wurde dies durch die euphorische Blasenbildung und den nachfolgenden Crash zerstört. Auch die Finanzkrise seit 2008 trägt nicht zum Vertrauen in die Kapitalmärkte bei. Idealerweise wird dann auch noch von Politikern in populistischer Form gegen die bösen Banken, die Spekulanten und die Schattenbanken gewettert. Vielleicht führen wir ja sogar noch eine Finanztransaktionssteuer und eine Begrenzung von Bank-Bonus-Zahlungen ein, damit die Übelbuben nicht mehr ihr Unwesen treiben können und uns rechtschaffene Sparer um unser letztes Geld bringen. Letztendlich zahlen jedoch nicht irgendwelche Bankmanager oder Banken selbst die ganzen Auflagen, sondern wir als harmlose Bankkunden wundern uns über neue Gebühren.

Die Ignoranz der deutschen Anleger ist kaum zu übertreffen. Sie legen in breiter Masse lieber ihr Geld auf Sparkonten, Festgeld und sogar noch Sparbücher, um ein paar Minizinsen einzustreichen (die zu versteuern sind), als über ein sinnvolles Anlagekonzept mit einer Diversifikation in Aktien und Anleihen nachzudenken - meinetwegen auch Immobilien. Effektiv erwirtschaften sie damit nach Inflation und Steuern eine negative Rendite.

http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/boerse-inside/anleger-zahl-der-aktionaere-in-deutschland-gesunken/7841196.html

Aktien sind etwas für reiche Leute. Aktien sind riskant.

Natürlich kann man mit Aktien schnell Geld verlieren, wenn man das unerfahren, naiv und mit falschen Erwartungen angeht. Das geht aber auch mit einem Super-Duper-Deka-Fonds, der in der Finanzkrise kurz mal 50% ins Minus abtaucht und sich seither nicht vollständig erholt hat, obwohl die Referenzmärkte schon wieder neue Höchststände erreicht haben. Deka hat viele Fonds, die im Prinzip einem Index folgen, jedoch durch Ausgabeaufschläge und höhere Gebühren für Anleger eine schlechtere Performance zeigen als die Indices selbst bzw. entsprechende ETFs, die solche Indices kostengünstig abbilden. Schnell noch eingeführte Performance-Gebühren bei Deka führten zu einem Abschöpfen der Erholung, anstatt dies an Anlegern weiterzugeben.

Es gibt Fonds anderer Gesellschaften, die über Jahre hinweg die Indices schlagen und auch eine geringere Volatilität zeigen. Es kommt also ganz wesentlich auf die Qualität der Fondsauswahl an.

Die Sparkassenberater sollen Deka-Fonds verkaufen. Die Argumente dafür lauten gleich wie bei anderen Beratern und sie sind ja auch richtig. Nur die Deka-Fonds sind IMHO zu teuer, qualitativ zu unterdurchschnittlich und die Berater werden nicht für eine Vermögensberatung bezahlt. Das sind Verkäufer. Hast Du also mal die Fonds im Depot, wirst Du sehr wahrscheinlich nicht mehr kontaktiert, bevor nicht ein größerer Geldbetrag auf Deinem Konto wieder eingeht :-) Und wenn Du als sicherheitsbewußter Anleger dann einen Deka-Ding-Dong-Garantie-Plus-Global-Fonds angeboten bekommst, dann bedenke, daß auf die Laufzeit von vielleicht 10 Jahren der Kapitalerhalt kein Ziel sein kann. Das entspricht bei 2% Inflation nämlich schon fast 22% Minus. Mit Ausgabeaufschlag und Besteuerung eventuell magerer Ausschüttungen oder ausschüttungsgleicher Erträge sieht die Rechnung noch übler aus.

Noch ein Punkt: natürlich stellst Du Dir diese Fragen nicht im Tief der Stimmung irgendwann Anfang 2009, sondern heute: auf Höchstständen der Indices. Hättest Du Anfang 2009 einen Deutschlandfonds, der im Prinzip dem DAX folgt, gekauft, dann hätte sich das Investment bis heute in etwa verdoppelt. Beim S&P 500 wäre sogar mehr als eine Verdoppelung drin gewesen. Das ist auch "Mentalität": in den Hochs der Euphorie kaufen, in den Tiefs der Stimmung dann doch noch verkaufen... Verluste sind vorprogrammiert. Sind sie aber bei Tages- und Festgeld auch :-)

Also: eine Strategie muss her. Suche Dir einen unabhängigen Berater. Wende den gesunden Menschenverstand an. Denke an Diversifikation, um Risken zu verteilen. Überlege mal, was Dir wirklich als Rendite nach Steuern und Inflation bleibt.

Ich kenne Dich und Deine Verhältnisse zu wenig, um gleich dies oder das zu empfehlen, was Du kaufen oder lassen solltest. Vielleicht mußt Du Dir auch selber noch einige Fragen beantworten. Dazu kann ich Dir diesen universellen Fragebogen, der ein Gemeinschaftsprodukt von Verbraucherministerium und Verbraucherzentrale ist, empfehlen:

http://www.bmelv.de/cae/servlet/contentblob/656294/publicationFile/38033/Checkliste-Geldanlageberatung.pdf

Viel Spaß mit Deiner Selbstfindungstour!

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LG Simon

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