Was "geschieht" mit dem Geld, das aktuell aus Aktien abgezogen wird?


25.03.2020, 15:22

Edith: Vielleicht ist meine Frage etwas unklar. Ich meine, wenn Investorinnen ihre Aktien verkaufen (das geschieht ja momentan, sonst würden die Aktienkurse nicht fallen), dann nehmen diese Investorinnen ja Geld ein. Was machen sie mit diesem Geld? Lassen die das einfach auf ihren Konten versauern?

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4 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Man krieg nur dann was verkauft, wenn es ein anderer kauft.

In der letzten Zeit haben tendenziell (sehr) schwache Händer verkauft und institutionelle Anleger, starke Hände und auch merklich Spekulanten gekauft.

Was die machen, die verkauft haben, wird sehr individuell sein. Noch liegt das Geld sicher allergrößtenteils auf dem Konto. Manche werden ihre Schulden zurück gezahlt haben aber kaufen konnte und kann man sich ja nichts mehr mit dem Geld. Die fühlen sich halt wohler, wenn das Geld auf dem Konto ist.

Weil die Frage von Nicht-Kunden häufiger kam, werden auch wenige Geld in Pharma-Klitschen gesteckt haben, die angeblich ein Medikament gegen Corona entwickelt haben und betrügerisch empfohlen werden ;)

Sehr viele haben sich daran erinnert, dass da ja noch ein Berater war, über den sie seit zig Jahren Geld gut anlegen. Ein Teil des Geldes kommt also über einen Umweg wieder zurück in die Märkte.

Woher ich das weiß:Berufserfahrung

OK, versuchen wir´s mal so.

Am letzten Samstag kauf ich mir 10 Rollen Klopapier à 1,00 €. Damit besitze ich Klopapier im Wert von 10,00 €.

In dieser Woche wird - mir nichts dir nichts - weltweit ein gigantische Klopapierproduktion in Gang gebracht. Es wird allein an einem Tag soviel Klopapier produziert und abverkauft, wie sonst nur in 3 Monaten.

Der Wertverlust des Klopapiers ist durch nichts wieder gut zu machen.

Bevor das Klopapier am Markt noch weiter an Wert verliert, verkauf ich es am nächsten Samstag für nur noch 0,50 € pro Rolle.

Ich bin froh, meinen gesamten Klopapierbestand überhaupt los geworden zu sein, weil es gerade einen riesigen Angebotsüberhang gibt.

Da ich nur noch 5,00 € an dem Geschäft verdiene, habe ich 5,00 € Verlust gemacht. Und das innerhalb von nur 7 Tagen.

Mit dem Klopapierdeals nehme ich ein sattes Verlustgeschäft in Kauf.

Ich habe ich nicht nur die Hälfte meines Geldes verlore, sondern ich habe nun auch keine Ware mehr. Geld weg - Klopapier alle.

Diese kleine Analyse, die ich mir eben auf dem stillen Örtchen ausgemalt habe, könnte als eine von mehren möglichen Antworten auf Deine Frage Was geschieht aber mit diesem Geld? dienen

Das Geld ist weg, die Ware ist fast nichts mehr wert. Es wurde vernichtet - die Toilette heruntergespült, wenn Du so willst.

:-)

Das Geld ist eigentlich nicht weg ... das hat jetzt nur jemand anders.

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Hallo, vielen Dank für Deine Mühe. Aber exakt beantwortet das meine Frage nicht, denn wenn ich z.B. vor 6 Monaten eine Bayer Aktie für 66 € gekauft habe, dann ist sie jetzt nur noch 49,46 € wert. Das ist ja immerhin noch ein Wert.

Meine Frage ist nun: Wenn jetzt so viele ihre Aktien verkauft haben (ansonsten wäre die Aktie ja nicht mehr so wenig wert), wo ist dann jetzt das Geld, das die Invenstoren durch den Verkauf eingenommen haben? Liegt das auf irgendwelchen Konten rum? Da solche Verkäufe ja momentan massenhaft geschehen, müssten die Banken ja jetzt theoretisch einen erhelblich Geldzuwachs erleben!?

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@Lattenrost222

Nee - weil die Bank ja nur das Geld von dem Bankkonto des Käufers auf das Bankkonto des Verkäufers überwiesen haben. Und für die Bank ist wurscht ob nun 1 Mio auf dem Konto von A oder von B liegen. Und die Wertpapiere wurden auch nur umgebucht sie liegen jetzt im Depot des Käufers und nicht mehr im Depot des Verkäufers.

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Ich weiß nicht, wer Edith ist.

Nehmen wir mal zwei Investoren, A und B an. Beide haben 1200 EUR Liquidität und beide kaufen je zwei Aktien eines Unternehmens X im Wert von jeweils 100 EUR.

Schritt 0: Als Ausgangspunkt haben damit beide 1000 EUR Liquidität und 200 EUR Buchwert in Aktien. Summe beider Cash-Positionen: 2000 EUR.

Schritt 1: Nun fallen die Aktien im Wert und Investor A verkauft eine Aktie zum Preis von 80 EUR an B. A hat damit 1080 EUR Liquidität und 80 EUR Buchwert einer Aktie, macht 1160 EUR. Investor B hat nun 920 EUR Liquidität und 240 EUR Buchwert, macht 1160 EUR. Summe beider Cash-Positionen: 2000 EUR.

Schritt 2: Die Aktien steigen auf 120 EUR Bewertung. Das beläßt bei A 1080 EUR Liquidität und bringt den Buchwert auf 120 EUR - also 1200 EUR. Bei B sind es weiterhin 920 EUR Liquidität und 360 EUR Buchwert, also 1280 EUR. Summe beider Cash-Positionen: 2000 EUR.

Schritt 3: Die Aktie steigt auf 140 EUR und A will eine Aktie zurückkaufen, so sind 140 EUR fällig. Liquidität also bei 940 EUR, Aktien bewertet mit 280 EUR. Macht 1220 EUR. Bei B verbleiben 1060 EUR Liquidität und 280 EUR Aktienbewertung, d.h. 1340 EUR. Summe beider Cash-Positionen: 2000 EUR.

Würde nach Schritt 2 das Unternehmen bankrott gehen und die Aktie damit wertlos, so wäre A als konservativer Investor, der seine Verluste abgesichert hat, besser gestellt, da A nämlich 1080 EUR hat, B nur 920 EUR. Summe beider Cash-Positionen: 2000 EUR.

Würde nach Schritt 3 das Unternehmen bankrott gehen und die Aktie damit wertlos, so wäre B als chancenorientierter Anleger besser gestellt, da A nämlich nach dem Rückkauf nur noch 940 EUR hätte, B dagegen 1060 EUR. Summe beider Cash-Positionen: 2000 EUR.

Das Verwirrende daran ist, dass Portfolios oft als Liquidität (Cash-Position) und Buchwerte aufaddiert werden. Im Grunde muss man diese Positionen jedoch separat halten, denn die einen sind sicher, die anderen hängen von der Marktbewertung ab, d.h. dem Willen anderer, Wertpapiere mit ihren Buchwerten als Liquidität zu materialisieren. Je nachdem, wann man den Schlussstrich zieht (also auf 100% Liquidität geht), bekommt man verschiedene Ergebnisse.

Investor B liegt nach Schritt 3 mit einem Betrag von 120 EUR vor Investor A. Beide profitieren nun gleichermaßen von Kursbewegungen, aber die Cash-Positionen sind unterschiedlich. Liquidiert nun A seine Positionen im günstigen Marktumfeld, so geht sein Cash-Bestand auf 1220 EUR und B verbleibt bei 1060 EUR plus zwei Aktien. Sofern die Aktien also nicht unter 80 EUR fallen, hätte er bei einer Liquidation immer noch einen Mehrprofit gegenüber A. Er könnte also z.B. einen Stop-Loss-Auftrag bei 90 EUR oder 100 EUR erteilen, um seine Gewinne abzusichern... Könnte aber auch einen Fall auf 60 EUR hinnehmen, eine Aktie von einem Dritten nachkaufen, damit die Cash-Position auf 1000 EUR reduzieren, und nach einem Anstieg auf 100 EUR erst komplett (an einen Dritten) verkaufen. Resultat: 1300 EUR. The winner is... B. B hat es geschafft, die volatilen Aktien einem Dritten anzudrehen und befindet sich nun im sicheren Cash-Bereich.

Die Summe der Cash-Positionen der Handelsteilnehmer bleibt jedoch gleich. Das ist der Kern des Sprichworts "Das Geld ist nicht weg, es hat nur jemand anderes." Die Mitspieler halten jeweils Cash (in der Summe immer gleich viel) und keine oder mehrere Chancenpapiere, die mit variablen Werten gehandelt werden können. Ob man die Liquidität nun auf Konten liegen läßt, in Bonds investiert, in andere Aktien, in Immobilien, in Gold, Diamanten oder was auch immer... das ist Sache der Investoren, die ihr Pferdchen wechseln, wenn sie glauben, der Profit sei woanders besser. Dafür gibt es dann Strategien wie z.B. Diversifikation, die Risiken von Verlusten minimieren können.

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