Was genau ist Factoring und kann sich so jeder finanzieren?

5 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Eigentlich ist das gar nicht so schwer zu verstehen.

Stell Dir einfach vor, Du hättest eine Bronze-Giesserei. Zwar produzierst Du nur auf Auftrag, doch musst Du die Rohstoffe vorfinanzieren und bei Bronze geht das ganz schön ins Geld. Kommt dazu, dass die Kunden u.U. längere Zahlungsziele verlangen, sodass es 60-120 Tage dauern kann, bis Du das Geld für Deine Rohstoffe wieder zurück hast.

Wenn Du es überhaupt zurück bekommst, denn ein gewisses Risiko geht man natürlich bei jedem Auftrag ein.

Damit man selber nicht in Zahlungsschwierigkeiten kommt, sucht man sich einen Partner, welcher gegen eine (satte) Gebühr dafür sorgt, dass Du schneller, vor allem aber zuverlässig planbar zu Deinem Geld kommst.

Damit das geht, verkauftst Du ihm Deine Forderungen, welche er dann für Dich eintreibt. Je nach Vertrag bekommst Du 60-100 Prozent Deiner Forderungen innerhalb einer vertraglich vereinbarten Frist ausbezahlt. (Gebühren werden natürlich einbehalten)

Damit hast Du Dir Planungssicherheit erkauft und den Geldfluss zwischen Ankauf und Verkauf synchronisiert. Das kostet zwar etwas, lässt Dich aber gut schlafen.

Die meisten Verträge sind so ausgestaltet, dass der Factorer das Inkassorisiko übernimmt. Das muss aber nicht so sein. Manche Betriebe tragen das Risiko selber und lassen den Factorer nur die Vorfinanzierung machen, denn die Absicherung des Debitorenrisikos ist ziemlich teuer.

Nun zu Deiner Frage: Nein, das kann nicht jeder machen, denn man muss ja verwertbare Forderungen besitzen, welche man verkaufen oder abtreten kann. Privatpersonen besitzen solche Forderungen nicht. Ausserdem braucht es eine gewisse Grösse, ein Umsatzvolumen und eine Normalverteilung, um einerseits die notwendige Kosten/Nutzen Schwelle zu erreichen und andererseits um das Risiko so zuverteilen, dass der Zufall in etwa ausgeschaltet ist.

Factoring ist extrem attraktiv - für den Factorer. Stell Dir einmal vor, Du würdest mit Faktoring eine Zeitspanne von zwei Wochen überbrücken. Dafür nimmst Du eine Gebühr von 2%. Brutto aufs Jahr gerechnet ergibt das einen Jahreszins von 52%! (immerhin steuerlich absetzbar ...)

Selbst wenn die Frist 30 oder 60 Tage ist, bleibt immer noch genug hängen - zumal dann die Gebühr etwas höher sein dürfte.

Man kann sich übrigens über Fonds an solchen Finanzierunggeschichten beteiligen. Aber eben, auf der Seite des Factorers.

Hallo,

sehr einfach erklärt:

Bank-Kredit: Sie nehmen heute bei einer Bank 500.000 Kredit, für bestimmte Zwecke (Betriebserweiterung usw.), den Sie nach einem Jahr zuzüglich % zurückgeben müssen, z. B. 525.000

Factoring: Sie haben eine offene Forderung i. H. v. 500.000 Euro. Der Kunde hat noch mehrere Monate Zeit, um die Forderung zu begleichen, Sie brauchen aber das Geld heute für bestimmte Zwecke (Betriebserweiterung usw.). Sie wenden sich an eine Factoring Gesellschaft, treten die Forderung ab und bekommen die ganze Forderung heute ausgezahlt, abzüglich eines bestimmten Prozents und bekommen 475.000 auf die Hand.

Eine sehr vereinfachte Darstellung, aber hoffentlich auch sehr verständlich.

Weiterführende Informationen können Sie hier finden, es gibt auch einen Ratgeber: http://finanzierung.com/factoring.html

Du hast ja mittlerweile viele Infos erhalten, die völlig richtig sind.

Wenn du aber weitere Infos benötigst, dann kannst du dich auch zu diesem Thema mal auf

genauer umschauen. Dort findest du noch einige Infos und Erklärungen zum Thema Factoring.

Woher ich das weiß:Berufserfahrung

Vielleicht ist es noch hilfreich darauf hinzuweisen, dass Factoring kein Mittel der letzten Ausflucht ist, sondern einen festen Bestandteil im Finanzierungsmix vieler Unternehmen einnehmen kann. Teilweise raten auch Hausbanken zum Einsatz dieses Mittels. Zur Sicherstellung der Ausgeglichenheit einer Bilanz.

Daher sollte man sich bei der Bewertung der Kosten einer Finanzierung über Factoring nicht nur von den Kosten leiten lassen. Factoring bewirkt wesentlich mehr. Weitere Vorteile neben der sofortigen Liquidität sind zum Beispiel: 100%iger Ausfallschutz, Bilanzoptimierung und Ratingverbesserung, höhere Kundenbonität, professionelles Forderungsmanagement.

Schauen wir uns den Ausfallschutz einmal näher an:

Warenkreditversicherungen sind für denjenigen, der sich nur für den Ausfallschutz interessiert, tatsächlich die günstigere Variante, aber folgende Details sollten ebenfalls berücksichtigt werden (Quelle: http://www.tec7.net):

  • Im Factoring wird das Ausfallrisiko zu 100% abgedeckt, eine Warenkreditversicherung deckt das Delkredere nur zu 70-90% ab.
  • Im Factoring wird der Ausfall der Forderung nach (meist) 120 Tagen nach Fälligkeit unterstellt. Bei einer Warenkreditversicherung muss der Unternehmer den Ausfall nachweisen.
  • Die Kosten für die Rechtsverfolgung werden beim Factoring vom Factor getragen, bei einer Warenkreditversicherung vom Unternehmer.
  • Trotz Warenkreditversicherung muss das Unternehmen die Forderungen in seiner eigenen Bilanz aktivieren, eine Bilanzoptimierung findet nicht statt.

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