Frage von austriaco, 25

Warum wird der antizipative Zinssatz kleiner je mehr unterjährige Zinszahlungen es gibt?

Hallo!

Warum wird der antizipative Zinssatz kleiner je mehr Zinszahlungen es gibt? Beim dekursiven ist es ja genau umgekehrt, denn dieser wird ja größer...? Der Unterschied zwischen antizipativ und dekursiver Verzinsung ist mir klar und ich verstehe auch warum der dekursive bei unterjähriger Verzinsung größer wird, jedoch kann ich es beim antizipativen nicht ganz nachvollziehen. Eine weiter Frage hätte ich noch. Warum wird der Wechseldiskont antizipativ verechnet? Danke für eure Hilfe.

LG Austriaco

Antwort
von wfwbinder, 15

Seltsam, ich hätte gedacht, dass es logisch ist.

Wenn ich ein Kapital von 100 mit 4 % verzinse, gibt es bei jährlicher Zahlungsweise 4 euro am Jahresende.

bei unterjähriger Zahlung jeweils am Ende des Quartals 1 Euro.

Dabei habe ich:

a) schon einen Liquiditätsverlust während des Jahres und

b) muss diese 1 Euro dann für den Rest des Jahres mit verzinsen.

Daher ist es losgisch für den gleichen Effektivsatz den Nominalzins zu verringern.

Es ist exakt das Gegenteil wie bei den Schuldzinsen. 

Muss ich die Schuldzinsen erst am Ende des Jahres zahlen, so habe ich während des Jahres einen Liquiditätsvorteil, oder umgelehrt der Empfänger der Zinszahlung während des Jahres.

Kommentar von austriaco ,

Ergibt Sinn. Vielen Dank für die Antwort!

Interessant für mich wäre noch warum der Wechseldiskont antizipativ verzinst wird. In der Praxis wird der antizipative Zinssatz ja äußerst selten angewendet. Liegt es daran, dass durch den antizipativen Zinssatz die Effektivverzinsung höher ist und somit der Diskont größer ist?

bzw. beim Lieferantenkredit ist der Zinssatz auch antizipativ. Dadurch ist die Effektivverzinsung höher als beim nominellen bzw. dekursiven und somit besteht ein Liquiditätsvorteil für den Herausgeber des Lieferantenkredits bzw. beim Wechseldiskont für die Bank?

Kommentar von wfwbinder ,

Deine Begrifflichkeiten "antizipativ" und "dekursiv" sind zwar fraglos richtig, aber in diesem Bereich ungebräuchlich.

Wir sprechen hier im Finanzbereich eben von "aufzinsen" und "abzinsen."

Bei Wechsel habe ich eben einen Betrag zu dem ich einlösen muss.

Also ist ein Wechselbetrag abgezinst zu diskontieren.

Da ich beim Wechsel als Remittent (also Begünstigter) eine Forderung habe (nehmen wir an 100) und diese bei meiner Bank, oder einem Dritten diekontieren kann, muss ich den Diskont vorher aufschlagen.

Nehmen wir an, der Diskontsatz wäre 6 % p.A.  so werden mir bei einem drei Monatspapier 1,5 % abgezogen.

somit bekomme ich 98,5 % ausgezahlt.

Somit setze ich für meine Forderung an den Bezogenen 98,5 = 100 und berechne den Wechselbetrag 100:98,5 = 1,01522843 = 1,0152 sprich ich werde ihn einen Wechsel über 101,52 akzeptieren lassen.

Diesen lasse ich dann bei meiner Bank mit 100,00 diskontieren und habe mein Geld. Der Bezogene zahlt bei Vorlage 101,52 und alle sind zufrieden.

Kommentar von austriaco ,

Vielen Dank!

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