Warum werden realisierte Kursgewinne so unterschiedlich behandelt?

7 Antworten

Ein Hintergrund dieser Regelung (früher wurden Aktiengewinne und andere Kursgewinne nicht besteuert, wenn die HAltedauer über ein Jahr war), war die Art und weise, wie die Steuer umgangen wurde. 

Man verkaufte 1-3 Tage vor der Ausschüttung. Also waren die Ausschüttungen "eingepreist" und man hatte den Gewinn steuerfrei und brauchte nicht die Dividende zu versteuern.

Man wollte alle Erträge aus dem Finanzbereich möglichst gleich behandeln. Daher auch der pauschale Steuersatz.

Gefragt hatte ich aber nach einer Rechtfertigung für die steuerliche Ungleichbehandlung der verschiedenen Kapitalanlagen.

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Viele Gesetze in unserem Land folgen Interessengruppen sogenannten Lobbyisten. Sollte eigentlich jedem kar sein, seit Willy Brand die Grunderwerbssteuer auf Wunsch der FDP (heist seit dem Maklerpartei) geändert hat. Jetzt müssen diese Steuern alle zahlen, und Makler zahlen weniger als zuvor.

Dein Schluss, Gleichstellung auch für Einkünfte leitet sich woher ab? Sicher nicht von Grundgesetz. Gerade Steuergesetze folgen dem nicht. So können Kapitalgesellschaften ja in jedem beliebigen Land versteuern und so auch gar nix zahlen.

Diese Ungleichbehandlung ergibt sich aus den praktischen Möglichkeiten. Kunst und Antiquitäten aber auch Gold kauft man sich aus der Sicht der in unserem Land über die Gesetzgebung bestimmenden Beamten üblicherweise über Jahrzehnte zusammen. Noch häufiger bekommt man was geerbt. 

Wenn wer damit handelt, ist er Kaufmann (und sowieso steuerpflichtig). Wenn wer damit hin und wieder handelt, also hin und wieder was kauft und auch wieder verkauft, macht er damit logischerweise häufiger Verlust als Gewinn (von irgendwas müssen die Händler ja leben). 

Für mich ist das einzige Thema bei der Ungleichbehandlung die dadurch ermöglichte Geldwäsche. Dafür reicht aber - wenn die bestehenden Gesetze angewendet werden - auch eine einjährige Haltedauer! 

Überlege auch, dass die die zeitlich unbegrenzte Steuerpflicht auf Kursgewinne mit einer Altregelung daherkam. Vergleichbares bei Antiquitäten, Kunst und Gold wäre nicht denkbar, weil es nicht bewertbar wäre. 

Kunst muss nebenbei eh anders gesehen werden. Die wird zurecht gefördert. Antiquitäten anders als Kunst zu beurteilen ist schwierig, weil oft nicht einfach abzugrenzen. 

Gold hat ein Problem zwischen Sammlermünzen (damit will der Bund sein Gold versilbern) und Anlagegold. Eine Sonderregelung für deutsche Münzen verstößt vermutlich gegen EU-Recht. 

Bei Immobilien hat man halt (über Steuer und Notar) einen Ausgangswert. Auch da wird staatlicherseits geschützt, weshalb es eine Frist gibt/geben muss. 

Dagegen ist eine unterschiedliche Behandlung von Zinsen/Dividenden und Kursgewinnen nicht logisch. 

Vergleichbares bei Antiquitäten, Kunst und Gold wäre nicht denkbar, weil es nicht bewertbar wäre. 

Der gezahlte Verkaufspreis ist doch eine Bewertung (naja, wenn es Belege gibt, die die Realität widerspiegeln). Und der Gewinn ist notfalls der "Verkaufpreis" (so wie man es bei den "schwarzen Fonds" macht), es sei denn, man kann Anschaffungskosten (gezahlt oder lt. Erbschaftsteuererklärung) nachweisen. 

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@LittleArrow

Im Zweifel der Verkaufspreis als Gewinn wäre natürlich dann, wenn man es bei Immobilien auch so macht, keine schlechte Idee. 

Ich denke mal, so bald Bargeld international abgeschafft wurde und Edelmetallbesitz verboten ist, könnte man das so machen.


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