Warum gelingt es der Mehrheit der aktiv verwalteten Aktienfonds nicht, die Benchmark zu schlagen?

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Weil bei der Benchmark keine Kosten entstehen. Jeder aktive Fonds schnitte also bei (theoretisch) exakter Abbildung der Benchmark jährlich um den Prozentsatz der anteiligen Kosten schlechter ab als die Benchmark. Das gilt natürlich ebenfalls für passive ETFs, nur haben die eben niedrigere Kosten und würden in so einem, rein theoretischen Fall immer besser abschneiden als ein aktiver Fonds.

Nun legt selbstverständlich kein Manager eines aktiven Fonds das Geld genau entsprechend der Benchmark an, da jeder natürlich möglichst besser abschneiden möchte.

Es bleibt jedem Anleger überlassen, sich mit der Entwicklung eines Index, der nach seiner eigenen Einschätzung die besten Aussichten hat, zufrieden zu geben, das kann er gut, weitgehend ohne Kosten, eigenständig mit einem ETF-Sparplan bzw. Einmalanlagen auf den MSCI-World machen (Von Robo-Advisern o.ä. halte ich persönlich übrigens nichts).

Er kann aber auch auf die Chance setzen, in einen aktiven Fonds zu investieren und darauf zu setzen, dass er einen Fonds findet, der im Vergleich zur Benchmark nicht nur die höheren Kosten, sondern auch noch einen lohnenden zusätzlichen Gewinn im Vergleich zu einem ETF erwirtschaftet. Da das eben nicht so einfach ist, besteht aber auch die nicht geringe Wahrscheinlichkeit, dass man schlechter als mit einem ETF abschneidet. Lt. Morningstar ist das die Mehrzahl.

Das ist keine Entscheidung über richtig oder falsch, wie es oft dargestellt wird, sondern einfach eine Frage dessen, was man will. Was sollte daran negativ sein, seine Investition an einen Index, von dem man überzeugt ist, zu koppeln? Bei einer Investition in eine einzelne Aktie oder auch mehrere Aktien mache ich im Prinzip ja auch nichts anderes.

Es ist genauso wenig negativ, seine Geldanlagen einem persönlichen Berater und/oder Fondmanager seines Vertrauens zu überlassen. Dass das nicht ohne zusätzliche Kosten möglich ist, leuchtet auch ein. Ebenso aber, dass dann die Performance nicht zwingend besser sein muss als der Vergleichsindex. Dazu gibt es leider zu viele schlechte Fonds (und auch Berater).

Die Entscheidung muss jeder für sich persönlich treffen.

Der Grund ist Statistik. Glaubst du einer, die du nicht selbst gefälscht hast? Zu der Frage hab ich mich vor fast fünf Jahren in einem Blog geäußert:

https://madrei.de/die-ganze-wahrheit-ueber-etf-und-andere-passive-investments/

Die Frage ist mehr, wie man auf die Idee kommt, dass einerseits Indizes, die ja auch nach einem Kriterium gebildet werden, besser für den Anleger sind und wie man dann auf die Idee kommt, dass Kunden ein Vermögen so angelegt haben wollen, dass die Wertentwicklung dieser Indizes (bei sogar etwas höherer Schwankung) gezielt nicht erreicht werden.

Wenn ich bei einem großen Anbieter gemanagter Fonds, der persönlich berät und - je nach Anlagevolumen - auf den Ausgabeaufschlag verzichtet, den Bestand nach den größten Positionen durchgehe, kommt als erster indexnaher Fonds (den Index kann man sich aussuchen) auf Rang 6 der (WKN) 976986. Der langjährige Manager hat 2017 das Haus verlassen und er ist nur wo weit vorne, weil die Bestände Großteils mit mehr als 100 % im plus sind (es gibt heute deutlich bessere).

Auf Rang 11 kommt dann ein (WKN) 631025. Den Index kann man sich wieder aussuchen.

Wesentlich ist für beratene Kunden (egal ob eines Vermögensverwalters, eines Family-office oder einem auf Fonds spezialisierten Vermögensverwalters) aber nicht ein Index, sondern dass ihr Geld gut angelegt wird. Also bei uns nicht die 6 und die 11 sondern die 1 - 5 und die 7 bis 10. Da finden sich dann die (WKN) a0m430, die a0mjyn, die a1h6rt und so weiter.

Warum? Weil Berater ihre Kunden möglichst genau kennen und nach deren Wissen und Bedürfnissen nach risikobereitschaft, maximal tragfähigem Verlust und so weiter fragen müssen. Nach 2000 kann man keinem Anleger, der einen maximalen Verlust von 30 % angibt zu 100 % Aktienfonds verkaufen. Er wird "Nerven" kriegen, wenn 40 % abgegeben werden und selbst dann panisch verkaufen, wenn der Berater von einer tollen Einstiegschance spricht. Die Schwankung, die indexnahe Produkte haben, verträgt ein Kunden nach eingehender Beratung oft nicht einmal als Sparplan!

Mit ETF ist der gleiche Kunde allein und wenn die Anfragen von Kunden Richtung "jetzt kaufen und später billiger kaufen" und andere Allmachtsphantasien, die einem so angetragen werden, durchgeht, weiß man, dass mit ETF schon deutlich mehr Provision als mit gemanagten Fonds verdient wurde, als sie noch billig und an der Börse gehandelt waren. Inzwischen ist daraus eine Industrie geworden, bei der teilweise (über Robo-Advisor oder sonst) höhere Kosten anfallen als bei jedem gemanagten Fonds und die Produkte in verschiedenen Anlageklassen auflegt, von denen sich die Banken (auch Berater) aussuchen können, was sie zu welchem Preis verkaufen, wie viel sie also verdienen wollen.

Als stark beworbene Antwort der Banken und Sparkassen auf Fondsdiscounter und Berater, die wie wir bei Auswahl vom Gesamtmarkt (nicht nur DEKA) von der Bestandsprovision leben und auch gute Gehälter zahlen können, statt sie im Wasserkopf versickern zu lassen, waren ETF ausgesprochen erfolgreich und ich bin mir nicht sicher, ob ich dann, wenn ich bei einer Sparkasse sein müsste, nicht auch ETF vorziehen würde. Vermutlich würde ich das.

Aber müsste ich dann, wenn ich das hier gelesen habe, bei einer Sparkasse sein???

Grundsätzlich liegt das wohl an der Vorgehensweise. Fondsmanager analysieren die Vergangenheit einer Aktie und der zugehörigen Unternehmens und versuchen, daraus Rückschlüsse auf den Erfolg in der Zukunft zu ziehen.

Dem Markt ist die Vergangenheit aber total egal. Gibt es Neuerungen, neue Technik, neue Erkenntnisse, neue Konflikte, neue Handels- oder echte Kriege - dann bewegt sich alles sehr abrupt in irgendwelche Richtungen und was vorher war, zählt nicht mehr.

Wenn ich mit dem Markt mitschwimme, ist das nicht wichtig. Wenn ich versuche, den Markt vorherzusagen, kann ich langfristig nur scheitern.

Diese Problem wurde schon von vielen Wirtschafts- und Finanzwissenschaftlern untersucht.

Aktiv gemanagte Fonds unterperformen mit 80-90% den zugehörigen Index. Das ist das Hauptargument für passives Investieren mit einem ETF, der mehr oder weniger genau einen Index abbilden möchte. Auch bei ETFs gibt es Underperformer. Morningstar wertet das ziemlich genau aus. Ein wichtiges Kostenargument bei den aktiv gemanagten Fonds sind der Ausgabeaufschlag und die Verwaltungsgebühren - das frisst natürlich an der Gesamtperformance ein Teil des Ertrages.

Wenn statt 100 % des Anlagebetrages nur 95 % angelegt werden, belastet das die Rendite ebenso wie die Liquidität, die bei einem gemanagten Fonds für Rückgaben vorgehalten werden muss und die Kosten, die bei gemanagten Fonds für Fondsmanagement und auch für den Vertrieb/die Betreuung der Anleger einbehalten werden.

Ich bin schon in meiner eigenen Antwort darauf eingegangen: wenn man den Ausgabeaufschlag nicht bezahlen will, bezahlt man ihn nicht. Dann haben ETFs den Kostennachteil (es fallen beim An- und beim Verkauf Kosten an) auf ihrer Seite.

Wenn 80 - 90 % der Fonds underperformen, bedeutet das, dass wenigstens 5 - 10 % outperformen. Wie viele genau, hängt davon ab, ob große oder kleine Werte, ob die USA, Asien oder Europa besser laufen.

2 - 5 % der Fonds outperformen nachhaltig und es gibt Ratings und Rankings, vor allem aber auch Berater, die für das Geld für den Vertrieb/die Betreuung auch arbeiten. Das macht es (sehr) leicht, mit gemanagten Fonds wesentlich mehr Rendite zu erzielen als mit ETF.

Ein für den Anleger angemessenes Risiko, Hinweise auf Risiken, die man sonst übersehen hätte und die Betreuung, wenn mal etwas nicht wie geplant läuft, gibt es gratis dazu.

Was mich stört, sind Unwahrheiten. Natürlich sind bei gemanagten Fonds alle Kosten in den Vergangenheitsrenditen (Charts) enthalten. Man sieht also die ganze Wahrheit und wen man DEKA ausklammert sind viele Fonds besser als ihr Index - so sie denn zu einem passen - und natürlich kostet die Beratung in ETF (von einem Robo-Advisor oder von einem Menschen) extra, und ist in keinem Chart enthalten.

Langfristig tut die ETF-Branche und der Glaube, dass jeder einfach auf irgendwelche Indizes setzen kann, den Deutschen keinen Gefallen. Ähnlich wie zu Zeiten des Neuen Marktes, in der Techblase und bei jeder weiteren Übertreibung, kaufen Menschen unberaten Produkte, die sie von Laien empfohlen bekommen und die für sie vollkommen ungeeignet sind in der Erwartung, sicher gute Renditen zu bekommen.

Darauf, was an den Börsen passieren kann, war die Finanz- oder auch die Coronakrise nur ein kleiner Vorgeschmack. Rückgänge und Krisen einfach durchzusparen kann für 25 % perfekt sein. Die anderen unberatenen ETF-Anleger werden - wie in früheren Krisen - ihre Nerven und einen merklichen Teil ihres Geldes verlieren.

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