Vorsteuer bei der Umsatzsteuererklärung nicht aufgeteilt. Kann man mit dem Finanzamt bzgl. der zu erwartenden Forderung eine Teilzahlungsvereinbarung treffen?

3 Antworten

Gibt es Spielraum für ein Arrangement mit dem Finanzamt?

DAs nennt man Stundungsantrag. Dem wird auch stattgegeben werden (obwohl es Umsatzsteuer ist), wenn Du darlegen kannst, das eine Vollstreckung existenzbedrohend ist, aber eine großzügige Stundung den Steueranspruch nciht gefährdet, sondern im Gegenteil die volle Zahlung wahrscheinlich werden lässt, im Gegensatz zu fruchtlosen Üfändungen und Insolvenz.

oder Ist es günstiger, bevor das Finanzamt eine Zahlungsaufforderung
schickt, das Gewerbe abzumelden / Insolvenz anzumelden / ein
pfändungssicheres Konto einzurichten?

Du willst doch nicht wegen 11.500,- Euro den Rest Deines Lebens mit dem Makel einer Pleite und Schufa Problemen durch die WElt laufen?

Mache mal eine Kalkulation, welche Beträge Du monatlich für die Tilgung versenden kannst.

Eine wirtschaftliche Stundung wird bei Umsatzsteuerforderungen nicht durchzusetzen sein. Allenfalls kommt eine Aussetzung der Vollstreckung nach 258 AO in Betracht. Der Ratenzahlungszeitraum darf in der Regel 6 Monate nicht überschreiten, nur in Ausnahmefällen sind maximal 12 möglich. Wenn sich das Finanzamt darauf nicht einlässt (das ist eine Ermessensentscheidung), wird das FA, sofern die Vollstreckung fruchtlos verläuft, von sich aus einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht stellen. Gerichtlich wehren kannst du dich gegen solche Ermessensentscheidungen kaum, da das Gericht nur prüfen darf, ob ein Ermessensfehlgebrauch vorliegt, und nicht die Entscheidung dem Grunde nach verwerfen darf. 

Gibt es Spielraum für ein Arrangement mit dem Finanzamt?

Kaum.

Bei Umsatzsteuer versteht das Finanzamt keinen Spaß. Erst recht nicht,
da du dir ja Vorsteuer hast erstatten lassen, die dir überhaupt nicht
zustand.

Und da sie dir erstattet worden ist, muss das Geld
ja auch vorhanden sein und kann ohne weiteres bei Fälligkeit wiederum an
das Finanzamt zurückgezahlt werden. Ausgegeben haben kannst du es ja
nicht, denn es gehörte dir ja nicht.

So argumentiert das Finanzamt und zwar, wie sich - mindestens rechtlich - wohl kaum widerlegen lassen wird.

oder Ist es günstiger, bevor das Finanzamt eine Zahlungsaufforderung schickt, das Gewerbe abzumelden

Was versprichst du dir davon? Eine gewerberechtliche Meldung befreit dich doch nicht von deinen Schulden.

ein pfändungssicheres Konto einzurichten?

Und wie soll das Finanzamt das Geld dann vollstrecken können, wenn du es nicht zahlst?

Insolvenz anzumelden

Wäre eine Möglichkeit. Wenn ich Finanzamt wäre, bekämst du dann von mir prompt eine Strafanzeige wegen Steuerhinterziehung.

(Die Möglichkeit bestünde zwar auch jetzt bereits, aber wenn das Finanzamt davon absieht, kommt es dir entgegen. Solltest du dann nicht auch selbst alle Hebel in Bewegung setzen, die Sache wieder in Ordnung zu bringen?)

Pfändungssicheres Konto: Damit im Fall einer Kontopfändung Freiraum für laufende betriebliche Verpflichtungen bleibt.

Insolvenz anmelden: Damit später nicht von einer Verschleppung gesprochen wird.

Mir ist bekannt, dass Unkenntnis nicht vor Konsequenzen schützt. Dennoch hat mich die 16 Jährige "Untätigkeit" in der richtigen Erstellung meiner Umsatzsteuererklärung bestärkt.

Schade, dass blackleather und wfbinder unterschiedlichen Meinungen/Erfahrungen widerspiegeln.

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@Eseltreiber

Pfändungssicheres Konto: Damit im Fall einer Kontopfändung Freiraum für laufende betriebliche Verpflichtungen bleibt.

Du hattest geschrieben, dass Du das Gewerbe abmelden wolltest. Dann gibt es keinen Betrieb udn betriebliche Verpflichtungen mehr.

Davon abgesehen, kennt @Blackleather die derzeitigen Arbeitsweisen bei den Finanzämtern etwas ausgibiger, weil ich mich in meiner Arbeit spezialisiert habe. Ausserdem sind die Finanzämter nciht alle gleich, Du kannst also mit den Anträgen Glück, oder Pech haben.

Ich würde es trotzdem mit der Stundung probieren und bei Ablehnung auch einen Rechtsstreit riskieren, weil man Dich ja sowohl früher mal hätte prüfen können, wie auch, nachdem man sah, dass Du unterschiedliche Umsätze hattest, fragen können wie Du die Vorsteuer aufteilst.

Das normale in solchen Fällen ist nämlich, dass in der Gewinnermittlung der Posten "nichtabzugsfähige VVorsteuer" auftaucht.

Ich will damit nicht die Schuld auf das Finanzamt schieben und auch nciht sagen, das die Aufteilung nicht richtig und sachgerecht ist, aber die Größenordnung der Nachzahlung hätte geringer sein können.

Ausserdem ist klar, dass Du die höhere Erstattung, bzw. den Unterschid zu den geringeren Zahllasten nciht zurück gelegt, sondern verfrühstückt hast.

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@Eseltreiber

Schade, dass blackleather und wfbinder unterschiedlichen Meinungen/Erfahrungen widerspiegeln.

Das scheint nur so. Im Allgemeinen liege ich mit wfwbinder auf derselben Linie. Mit dem, was er zu Stundung und den Folgen eines Insolvenzantrags schreibt, hat er völlig Recht.

Insolvenz anmelden: Damit später nicht von einer Verschleppung gesprochen wird.

Insolvenzverschleppung als Straftat kommt nur bei solchen Tätern in Frage, die zum Schutze der Gläubiger gesetzlich verpflichtet sind, binnen 3 Wochen nach Eintritt der Insolvenzreife Insolvenzantrag zu stellen. Das sind i.A. die Geschäftsführer von Kapitalgesellschaften. Du bist aber keiner, sondern hast ja selbst geschrieben, du seist Einzelunternehmer. Insolvenzverschleppung wird bei dir also nie ein Thema sein.

Grund dafür ist, dass das Finanzamt dich als persönlich und unbeschränkt haftenden Schuldner ja unmittelbar in Haftung nehmen kann.

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