Vermietung einer wesentlichen Betriebsgrundlage

3 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

a) Er drückte auf den Spüler, als er seine Unterschrift unter die Schenkung an seine Tochter setzte. Damit ist die Betriebsaufspaltung, die A mit 3. begründet hatte, geplatzt. Ich nehme mal an, dass er bis dahin im Besitzunternehmen die Halle und das Büro bereits anteilig abgeschrieben und somit stille Reserven gelegt hat, die angelegentlich der Schenkung plötzlich sehr laut geworden sind.

b) Erst hatte ich gedacht, A sei bereits durch die verdeckte Gewinnausschüttung (Zahlung der privaten Baurechnungen aus dem Vermögen der GmbH, 2.) unrettbar verloren gewesen. Aber bei genauem Hinsehen merkt man: Das ist gar keine vGa. Die Zahlungen haben sich ja auf den Unterschiedsbetrag im Vermögen der GmbH zum Ende bzw. Anfang des Geschäftsjahres gar nicht ausgewirkt. Statt dessen liegt in der GmbH-Bilanz ein Aktivtausch vor: Geld gegen Forderung (gegen den Gesellschafter-Geschäftsführer). Das Grundstück anschließend auch noch zu verschenken, war ja wohl so ziemlich das Dümmste, was er machen konnte. Aber anschließend die GmbH auch noch für 1 € zu verkaufen, setzt dem Fass die Krone aufs Gesicht: Der neue Geschäftsführer muss ja angesichts der notleidenden GmbH versuchen, die Forderung gegen den alten Gesellschafter - ob bilanziert oder nicht - zu realisieren. Das heißt, A zahlt an denjenigen, dem er für 1 € seine GmbH verkauft hat, anschließend die Baukosten für das Grundstück, das ihm ebenfalls bereits nicht mehr gehört, sondern das er an sein Blag verschenkt hat.

c) Zum ersten Mal greife ich mir bereits bei an den Kopf, während A in die Kasse der GmbH greift (2.) Das nächste Mal kopffasse ich bei der Begründung der Betriebsaufspaltung (3.). Und gleich darauf wieder, als A diese so einfach platzen lässt (6.) und ein - vermutlich werthaltiges - Grundstück so ohne weiteres unentgeltlich seinem Nachwuchs übereignet. Aber 7. ist von allem Dummen, das A machen konnte, das Dümmste.

d) Nach 5. hätte man Folgendes überlegen sollen: Wenn das Grundstück ohnehin bereits - jedenfalls insoweit, als es an die GmbH vermietet war - Betriebsvermögen (des Besitzunternehmens des A) war, hätte man dann nicht im Wege einer Kapitalerhöhung dasselbe gleich noch in die GmbH einbringen und so wenigstens dort einer Überschuldung vorbeugen und evtl. Sicherungspotenzial für eine ggf. aufzunehmende Finanzierung schaffen können, um die Liquidität der GmbH wiederherzustellen? Falls A dem nicht aufgeschlossen gewesen wäre, hätte man ihn nachdrücklich darauf hinweisen müssen, dass es seine Pflicht als Geschäftsführer ist, die Forderung der GmbH gegen sich als Gesellschafter schnellstens geltend zu machen und dass er sich wegen 2. wahrscheinlich bereits nach § 266 StGB strafbar gemacht hat. Aber da A offenbar so ein oberschlauer Kunde ist, der immer von vornherein alles besser weiß als sein Steuerberater, hätte Letzterer - wenn er immer erst alles hinterher erfährt - sowieso keine andere Möglichkeit gehabt, als sich von diesem Mandat zu trennen, um wenigstens den eigenen Seelenfrieden zu bewahren.


Super Fall! Macht Spaß, wenn's nicht so traurig wäre.

Und dazu muss man sich überlegen, dass mit der Betriebsaufspaltung eine umsatzsteuerliche Organschaft einhergeht.

Nach 3. ist der A plötzlich Schuldner der von der GmbH erwirtschafteten Umsatzsteuer. Zusätzlich zu dem Verlust des Grundstücks und der Zahlungsverpflichtung an die GmbH kleben nun auch noch Zigtausende Umsatzsteuern auf seinem Kittel, die er nicht loswird.

Na, immerhin kann er die durch die GmbH verursachte Umsatzsteuer mit der Forderung gegen ihn aufrechnen. Aber trotzdem will das Finanzamt das Geld von ihm haben.

Und schließlich: Die GmbH konnte auch nicht auf die Forderung verzichten, denn dieses Geschenk hätte sich der A nicht leisten können. Damals waren die Schenkungsteuerfreibeträge noch niedriger als heute.

Aber hier sieht man sehr schön den Unterschied zwischen Gestaltungsberatung und Rettungsberatung: Dreimal falsch die Hacken zusammengeknallt und fertig ist der Sozialfall.

zu d)
Ein Verkauf an die GmbH wäre auch noch machbar gewesen. Forderung und Kaufpreis würden konfusionieren und die BA wäre auch weg.

Tolle Antwort, Herr Kollege.

0
@EnnoBecker

Und dazu muss man sich überlegen, dass mit der Betriebsaufspaltung eine umsatzsteuerliche Organschaft einhergeht.

Korrekt, daran hatte ich in der Schnelle gar nicht gedacht (Wie das so ist, in Klausursituationen...). Au weia, das wären mindestens 30 % der Punktzahl gewesen...

0
@EnnoBecker

Ein Verkauf an die GmbH wäre auch noch machbar gewesen. Forderung und Kaufpreis würden konfusionieren und die BA wäre auch weg.

Ja, oder gleich Tausch des Grundstücks gegen die Forderung.

0
@blackleather

Nein. Das Ganze hat sich irgendwann zwischen 1993 und 1996 abgespielt. Ich hab den Namen des A vergessen, aber sein Gesicht nicht. Und auch das seiner Tochter nicht.

Ich weiß auch nicht mehr, wie die GmbH hieß. Nur noch, dass das Grundstück auf einem ehemaligen TÜP war.

Angekommen war er, weil ihm unverständlich war, dass das Finanzamt plötzlich VON IHM 60.000 DM Umsatzsteuer haben wollte, obwohl er bloß ein paar Mark angemeldet hatte. Klar, der Rest kam aus der GmbH. (Also nach 4.)

Ich glaube, die Schenkung an die Tochter entsprang dem Wunsch, nicht die USt der GmbH schulden. Aber Schulden sind treu.

Man sieht, wie blauäugig man sein kann. Ich glaube, das war das Härteste, was mir je untergekommen ist. Glücklicherweise war ich da noch nicht StB. Heute würde ich den Mandanten wohl wegschicken.

0

@BL: Toll! Vor allem auch, weil`s so geschrieben ist, dass ich es weitgehend begriffen habe.

Momentan ehrfürchtige Grüsse von fredl2 ;-))

0

Auf welcher Rechtsgrundlage erfolgte denn der Vorgang zu 2.? Sofern da überhaupt keine Rechtsgrundlage geschaffen wurde, fängt da das Problem doch schon an: Ist das nun eine Schenkung, ist das eine Gewinnausschüttung, ist das ein Darlehen?

Da von einer Rückführung der Gelder keine Rede ist, fürchte ich das Schlimmste.

Auf welcher Rechtsgrundlage erfolgte denn der Vorgang zu 2

"Wieso? ist doch meine GmbH, da werd ich ja wohl mal in die Kasse greifen können, gehört doch alles mir!"

Ja, 2 und 7 gehören zusammen, ebenso wie 3 und 4.

Und 3 und 5.

Und wieso ist das so bescheuert formatiert? Die 5 mitten in der Mitte! Ich hatte das alles geprüft vorm Posten :-(

0

Ei, das darf jetzt idealerweise ein Steuerberater zerlegen und beantworten :-)

Mein Eindruck:

a) Bei Punkt 2 wurde der Pfad der Tugend verlassen.

b) Der freie Cash Flow aus dem operativen Geschäft reicht nicht für die Verpflichtungen aus den Gemeinkosten aus.

c) Ich würde spätestens beim Punkt 4 die Qualitäten des A in Frage stellen, denn offensichtlich gibt es hier weder ein Geschäftsmodell, noch ein Controlling.

d) Hätte der A gleich bei Punkt 0 den Steuerberater hinzugezogen und nicht nur die kurzfristigen Maßnahmen einfach "gemacht", sondern geplant und ihre Auswirkungen auf die weitere Zukunft des Unternehmens berücksichtigt, hätte einiges zu retten sein können. Selbst in jedem späteren Schritt wäre dies - mit zunehmender Schwierig- bzw. Unmöglichkeit - wohl noch möglich gewesen. Da haben sich schon ganz andere Baufirmen aus dem Sumpf gezogen... wenn jedoch der Unwille oder die Unfähigkeit des A (ich kann mit denken, warum es "der A" und nicht einfach "A" heisst), den Steuerberater auch sinnvoll einzubinden hinzukommt, dann grenzt das Ganze schon an Vorsatz und Insolvenzverschleppung.

Da schreibt der Controller :-)

Aber das ist zur Abwechslung mal eine rein steuerliche Frage (bis zu Punkt 6) und Punkt 7 ist eine Frage der Schuldverhältnisse.

0

Was möchtest Du wissen?