Verlustverrechnung, Verluste Allgemein und Sparer-Pauschbetrag

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2 Antworten

Irgendwie verstehe ich Deinen Sachverhalt nicht.

Man kann keinen Verlust als Sparerfreibetrag ansetzen, so wie Du es schreibst.

Oder meinst Du, dass man zuerst die Verluste aus einem Teil der abgerechneten Anlagen zuerst mit den Gewinnen saldiert. Das wäre richtig.

Also zu Klarstellung.

Du hast positive Einkünfte in Form von Zinsen oder Aktiengewinnen von 700,- Euro.

Verluste von 500,-.

Dann wird nicht von 700,- der Sparerfreibetrag abgezogen und Deine Verluste vorgetragen.

Erst werden die Einkünfte nach § 20 ermittelt und dabei die positiven mit den negativen Einkünften verrechnet. Verbleibt danach ein Verlust, wird der zurück, oder vorgetragen.

Verbleiben positive Einkünfte, dann wird der Sparerfreibetrag abgezogen.

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EnnoBecker 18.07.2014, 15:28

...und § 20 regelt nicht die Abgeltungsteuer. Die gibt es nämlich gar nicht.

Aber der Steuersatz von 25%, der wird in § 32d geregelt.

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Es ist festgelegt, in welcher Reihenfolge die einzelnen Verrechnungen erfolgen.

  • Gewinne werden erst gegen den Sparer-Pauschbetrag (Freistellungsauftrag) gerechnet.

  • Was übrig bleibt, wird gegen den zutreffenden Verlusttopf gerechnet.

  • Was übrig bleibt, wird gegen die (vierfache) anrechenbare Quellensteuer gerechnet.

  • Was übrig bleibt, ist zu versteuern.

Nun kann durch die Reihenfolge von Transaktionen einiges an Chaos entstehen, wenn nämlich Gewinne und Verluste nicht einfach so zu verrechnen sind. Dafür gibt es die Steuerverprobung, die quasi alles auf den Stand vom 01.01. des Jahres zurücksetzt und die gesamten Gewinne und Verluste nochmals berücksichtigt. Die Erfordernis der Banken, eine solche Steuerverprobung mindestens einmal zum Jahresende durchzuführen, ist im EStG geregelt.

Ein Beispiel:

  • Freistellungsauftrag über 800 EUR zum 01.01. erteilt (der Einfachheit halber habe ich den einen EUR unterschlagen).

  • Gewinne von 500 EUR aus einem Wertpapiergeschäft werden gegen den Freistellungsauftrag gerechnet. Es verbleiben 300 EUR.

  • Nun hast Du ein Wertpapiergeschäft (Anleihe) mit 400 EUR Verlust. Dieser wird in den Verlusttopf allgemein eingestellt.

  • Die Steuerverprobung rechnet nun alles zusammen, d.h. die Verluste werden von den Gewinnen abgezogen und danach steht der Verlusttopf auf Null, während der Freistellungsauftrag noch 700 EUR ausweist.

Das ist in der Tat rechtens, denn Du kannst nicht Verluste akkumulieren und mit den Gewinnen den Freistellungsauftrag in Anspruch nehmen. Gewinne und Verluste, die auf der Ebene einer einzigen Bank anfallen, müssen dort verrechnet werden.

Einziger Ausweg wäre dann, eine Bank für Anlagen zu haben, die immer positive Erträge bis zum Freistellungsauftrag abwerfen (vielleicht auch mehr), so daß nur dort die 801/1.602 EUR genutzt werden, sowie eine zweite Bank, die potentiell mit Verlusten behaftete Anlagen hält, d.h. wo vortragfähige Verluste anfallen. Hast Du dann in einem Jahr zu viel Steuern gezahlt, da der Freistellungsauftrag deutlich überschritten wurden, kannst Du bei der anderen Bank eine Verlustbescheinigung beantragen, d.h. im Zuge der Veranlagung den Ausgleich wieder bewirken.

Diese spezielle Form der Trennung ist jedoch sehr kompliziert. Ich habe daher eine andere Strategie: durch Ausschüttungen liege ich mit den positiven Erträgen immer über dem Freistellungsauftrag. Der wird also ausgenutzt. Die Verlustrealisierungen dienen zur Reduktion des zu besteuernen Betrags, den man ungefähr einschätzen kann (ausländische thesaurierende Fonds muß man eben schätzen). So komme ich Jahr für Jahr mit einer relativ kleinen Steuerlast durch die Kapitalerträge durch, muß jedoch alle paar Jahre mal ggf. eine größere Position versteuern, wenn es einfach keine Verluste mehr gegenzurechnen gibt :-) Unter dem Strich arbeitet jedoch mein Kapital aufgrund der späteren Steuerabzüge länger für mich, als das bei einem sofortigen Steuerabzug der Fall wäre.

Daher: mach' Dir keine Gedanken um die Verlustoptimierung, sondern sorge dafür, daß immer genügend Gewinne für die Ausschöpfung von Freistellungsauftrag und anrechenbarer Quellensteuer bestehen, damit da nichts verschenkt wird. Die Verlustoptimierung wäre nur dann sinnvoll, wenn Wertpapiergeschäfte noch der einjährigen Spekulationsfrist unterliegen würden.

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Autobahn 18.07.2014, 18:04

Hallo gandalf94305,

genau diesen Sachverhalt meinte ich. Danke für die ausführliche Antwort. Finde es zwar seltsam, dass unterjährig eine Verlustverrechnung stattfindet und die Töpfe neu sortiert, aber anscheinend ist das gängige Praxis. Habe ich in den letzten Jahren - trotz ähnlich gelagerter Gewinne und Verluste - bei dieser Bank noch nicht erlebt.

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gandalf94305 18.07.2014, 19:34
@Autobahn

Relevant ist hier übrigens §43a Abs. 3 EStG.

Es mag sein, daß dies nun bei Deiner Bank unterjährig neu eingeführt wurde. Manche Banken hatten das nur zum Jahresende durchgeführt. Das EStG fordert keinen speziellen Zeitraum - im schlimmsten Fall erfolgt der Verlustausgleich also zum Ende der Veranlagungszeitraums.

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