Testamentergänzung nach dem Tod eines Erblassers

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3 Antworten

Trifft das auch für ein Grundstück zu,dass ich erst nach dem Tod meines Gatten (2002) erwarb,

Nein. Grundsätzlich gilt, dass sich die verfügte Nacherbschaft zugunsten der Kinder nur auf deren gesetzlichen Erbanspruch an beiden Nachlässen der zwei Erblasser im Zeitpunkt des Erbfalls des Längstlebenden (Eintritt der Nacherbschaft) bemißt.

Das bedeutet, es gibt zwei Erbansprüche der Kinder, am Nachlass des Vaters und der Mutter, die zur jeweiligen Erbquote und nach tatsächlicher Reinnachlasshöhe der beiden Erbfälle auf deinen Todestag bestimmt sind.

Demnach hätten die Kinder bislang einen Sicherungsanspruch über ihren gesetzlichen Erbanspruch am Reinnachlass des Gatten. Im Zugewinngemeinschaft verheiratet, müsstest du also als Vorerbin die Hälfte des Reinnachlasses deines verstorbenen Mannes für die nacherbenden Kinder bewahren.

Über deine ererbte Hälfte und eigenes Vermögen kannst du allerdings lebzeitig verfügen, wie du das für richtig hältst.

oder kann ich es auch anders festlegen?

Andere Erben als die gemeinsam bestimmten Kinder auch über deinen Nachlass dürftest du nur dann verfügen, wenn ihr in eurem Berliner Testament ausdrücklich dem Längstlebenden dieses Verfügungsrecht mit vereinbarter sog. befreiter Vorerbschaft zugestanden wurde.

Dies ist zwar der Regelfall, aber nicht zwingend: Nachlesen musst du das in eurem Testament selbst.

Dennoch kannst du lebzeitig alles verschenken, ausgeben, vermachen oder verkaufen, was dir allein gehört, nur dein verbliebenes Vermögen am Sterbetag gehört mndestens hälftig deinen Kindern (Pflichtteil) und der halbe Nachlass deines Mannes ebenso.

Deine Schenkungen berechtigen die Kinder aber innerhalb von 10 Jahren zu einem Ergänzungsanspruch.

G imager761

Testamentergänzung nach dem Tod eines Erblassers

Der Strafrechtler nennt so etwas Urkundenfälschung.

Was Du willst, ist im Grunde ja etwas anderes: Du willst Deine eigene letztwillige Verfügung ändern.

Nach dem Gesetz endet die Möglichkeit ein gemeinschaftliches Testament abzuändern mit dem Tode des erstversterbenden Ehegatten. Dann ist der überlebende Teil an die wechselseitigen Verfügungen gebunden.

Das Gesetz vermutet, dass die Ehegatten die sog. Einheitslösung gewählt haben:

http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2269.html

Das bedeutet, dass der von den Ehegatten eingesetzte Erbe der Erbe des beiderseitigen Nachlasses ist. Somit beantwortet sich auch Deine Frage: Abänderung ist nicht möglich.

Allerdings ist das mal wieder einer der Fälle wo man ohne Kenntnis des vollen Wortlauts des Testaments keine abschließende Antwort geben kann. Ich rate dringend dazu, eine rechtliche Beratung in Anspruch zu nehmen.

Man könnte aber auch mit einer Schenkung erreichen, was einem durch das Testament verwehrt bleibt.

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@Privatier59

Ach schade.

Normalerweise überlebt der hinterbliebene Ehegatte ja nicht 15 Jahre - wahrscheinlich ist das Gesetz deshalb nicht darauf ausgerichtet, dass man noch mal von vorn anfängt.

Aber ich danke dir für die Einschätzung, denn nun weiß ich, dass ein solches Testament eine Fessel für den Hinterbliebenen sein kann, wenn man das Ganze nicht sorgfältig durch einen Erbrechtler begleiten lässt.

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@EnnoBecker

stament eine Fessel für den Hinterbliebenen sein kann

Braucht es nicht: Es gibt sog. Wiederverheiratungsklauseln und viele andere Möglichkeiten dazu. Das Problem ist nur: Die meisten Leute sind so knausrig, dass sie sich noch nicht mal ein Buch zum Erbrecht kaufen, geschweige denn, einen Spezialisten mit einer Beratung beauftragen. Dann hat man später den Salat!

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@Privatier59

Gibt es Grundstücke, die in einen Koffer passen?

Aber einen Weg weist Deine Vorschrift: Stöckerle müsste die Kinder überleben.

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@Privatier59

Vielmehr muss die Witwe keinesfalls auch ihr Erbe für die Kinder fett halten.

Was gerade nicht ausschliesst, dass sie als Vorerbin über das ererbte und eigene Vermögen Schenkungen oder Ausgaben tätigen darf, bis den Kindern die Augen tränen, solange deren Erbanspruch am Nachlass des Vaters erhalten bliebe.

§ 2287 BGB meint: Der Erblasser kann nicht an den Kindern vorbei alles seiner Frau vererben, dass sie verjubeln soll, ohne dass die Kinder einen Sicherungsanspruch an ihrem durch Nacherbschaft vorläufig vorenhaltenen Erbteil an dessen Reinnachlass hätten.

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Ein eigenes Testament erstellen.

Nach dem Tod des Erstversterbenden ist das bei einem gemeinsamen Testament schlicht unmöglich :-)

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