Testament des Vaters existiert - beide Söhne sollen erben - wenn er nochmal heiratet, was dann?

4 Antworten

§§ 1931 + 1932 BGB

Ohne Testament erbt die Ehefrau bei gesetzlichem Güterstand das Ehegattenvorab von 1/4 und gegenüber Erben 1. Ordnung (Kindern) 1/4.

Somit in dargestellten Fall ohne Testament 1/2.

Mit dem genannten Testamen, wenn nicht geändert wird die hälfte dieses gesetzlichen Erbteils, als 1/4.

Wenn die spätere Ehefrau nichts bekommen soll, müsste man einen Erbvertrag machen, in dem die Ehefrau auf das Erbe verzichtet.

Per Testament sind Ehegatten und Erben 1. Ordnung nur in ganz wichtigen Punkten (nach dem Leben trachten usw.) zu enterben.

Wenn es bei dem jetzigen Testament bliebe und die neue Ehefrau darin weder als Erbin eingesetzt ist noch mit einem Vermächtnis (z.B. ein Auto, ein Geldbetrag, eine Goldkette,...) bedacht ist, dann stehen ihr beim Tod des Ehemannes nur Pflichtteilsansprüche in Höhe von 1/8 (= 12,5 %) zu. Zusätzlich kann sie gegebenenfalls Zugewinnausgleich verlangen. Zum Überprüfen dieses Ergebnisses vgl. Pflichtteilrechner: http://www.pflichtteilrechner.de/pflichtteil_berechnen_pflichtteil_rechner_hinweise.html

Die entscheidende Rechtsgrundlage für diesen "kleinen" Pflichtteil ist § 1371 Abs. 2 BGB.

Ein Testament kann allerdings bis zum Tod noch geändert werden!

Dadurch ändert sich an dem Testament erst mal nix, es sei denn der Vater ändert das Testament indem er ein neues schreibt. Die gesetzliche Erbfolge (bei der die neue Frau erben würde) tritt erst ein wenn kein Testament existiert.

Die gesetzliche Erbfolge tritt erst ein wenn kein Testament existiert

verstehe ich das richtig, dass du meinst, sie bekommt nichts?

Dem ist nicht so. Der Pflichtteil greift.

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Pflichtteil unterschlagen?

In einer Familie mit drei Kindern haben die Eltern ein gemeinsames Testament gemacht, sich zu Alleinerben erklärt und das Nacherbe so geregelt, dass zwei Kinder nach Ableben des Längerlebenden etwas weniger als der Pflichtteil bekommen. Der Dritte den Rest. Der länger Lebende kann das Testament aber ändern.

Vater stirbt. Nach Absprache mit dem Steuerberater der Mutter und der Mutter hat einer der beiden Minimalerben den Pflichtteil (also 1/12; sie lebten in Gütergemeinschaft) eingefordert und bekommen. Weil der Erbteil der anderen aus etwas Geld und einigen Wohnungen bestand, von deren Miete die Mutter leben wollte - in Wirklichkeit auch aus Nettigkeit - hat sie es nicht gemacht.

Acht Jahre später trifft man sich beim Notar, weil die Mutter nicht nochmals ein Pflichtteilthema haben möchte. Es wird eine Summe vereinbart und die beiden Minimalerben sollten auf ihren Pflichtteil verzichten. Weil in der Pflichtteilsvereinbarung die Wohnungen nicht enthalten sind, gibt es beim Notar eine Diskussion darüber, wie das denn sein kann. Die Mutter erklärt, dass die Wohnungen (Vaterteil der Tochter, die keinen Pflichtteil einforderte) ja erst bei Ihrem Ableben an die Tochter gehen sollen natürlich ihr zustehen! Mit dieser vor den drei Kindern und dem Notar getroffenen Aussage, die natürlich auch alle, die nicht lügen wollen bezeugen können (sicher die Erben), unterschreibt die Tochter den Pflichtteilsverzicht.

Zwei Jahre später überschreibt die Oma die Wohnungen an ein paar Enkel. Nebenbei bei dem Notar, der auch den Pflichtteilsverzicht beurkundete. Weil das Ganze noch sehr frisch ist, kann es sein, dass sie auch nur ihr Testament geändert hat. Die, die dabei waren, sagen entweder nichts (Enkel) oder wissen es nicht so genau (Oma).

Darf ein Notar mit einer Klientin insofern gemeinsame Sache machen, als dass er bei einem Pflichtteilsverzicht gut 3/4 des Erbes "vergisst", die Mutter reden lässt und nicht auf die Rechtsfolgen hinweist?

Gibt es ein Gesetz oder eine andere Handhabe, durch das die sich beim Pflichtteilsverzicht um ihren Pflichtteil betrogen fühlende Erbin gegen die Mutter, vielleicht auch den Notar vorgehen kann?

Es geht mir nicht darum, dass jeder mit seinem Erbe machen kann, was er will (irgendwie war das ja auch beim gemeinsamen Erbe vorgesehen) oder ob Pflichtteile gerecht sind. Es geht mir nur darum, ob bei einem Vertrag, der Schriftform erfordert, beim Notar gelogen und betrogen werden kann und der Betrogene keine Chance hat, sich zu wehren.

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