Stimmt es, dass es für ein Unternehmen günstiger ist Eigenkapital aufzunehmen, als Fremdkapital aufzunehmen?

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5 Antworten

Das kommt immer drauf an. Über was für ein Unternehmen sprechen wir denn, Rechtsform? Echtes Eigenkapital des Gesellschafters, das er als Einlage bringt, Aktien, oder was ganz anderes wie EK-ähnliche Kredite usw.?

Der Aufwand für Dividenden kann niedriger sein. Man nehme mal die ganzen großen US-amerikanischen AG im Technologiebereich. Die zahlen fast ausnahmslos gar keine Dividende, ergo keinen Aufwand für die Milliarden an Fremdkapital. Im Gegenzug müssten diese im Rahmen von z.B. Anleihen durchaus zumindest einen kleineren Zinssatz bieten.

Auf der anderen Seite kann die Dividende auch sehr teuer für das Unternehmen sein. Bspw. deutsche Genossenschaftsbanken, mit Dividenden für die Geschäftsguthaben von regelmäßig 3% und höher. Diese könnten sich wesentlich günstiger am Geld- und Kapitalmarkt refinanzieren.

Tendenziell stimmt es also, das EK günstiger ist, aber eine allgemein gültige Annahme stellt dies nicht dar.

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Wie will ich denn "Eigenkapital aufnehmen?"

Ich kann einen Kredit aufnehmen.

Eigenkapital kann ich:

bilden durch Thesaurierung von Gewinnen

als Kapitalgesellschaft durch Ausgabe neuer Aktien (als AG), oder Aufnahme neuer Gesellschafter (als GmbH), oder erhöhung der Stammeinlagen (durch vorhandene GmbH Gesellschafter)

Aufnahme neuer Kommanditisten, bzw. Erhöhung der Kommanditeinlagen der vorhandenen Kommanditisten (als KG)

Aufnahme stiller Gesellschafter

usw.

Der Vorteil der Aufnahme neuer Gesellschafter, oder Erhöhung der Einlagen bestehender Gesellschafter besteht darin, das die einen Anteil vom Gewinn bekommen (oder Ausschüttungen aus dem Gewinn bei entsprechendem Gewinn), während die Zinsen für einen Kredit auch gezahlt werden müssen, wenn kein Gewinn gemacht wird.

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Unter normalen Umständen kann es durchaus günstiger sein Eigenkapital einzusetzen statt Fremdkapital aufzunehmen.

Allerdings gelten seit einigen wenigen Jahren keine normalen Umstände mehr, da Mario Draghi mit seiner EZB die Finanzwelt des Euro-Raums und der EU entsprechend manipuliert.

Sprich: Das was früher grundsätzlich gültig war, gilt zur Zeit nicht !

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Kommentar von wfwbinder
27.07.2017, 19:58

Vollkommen richtig Deine Aussage, weil das Hauptargument der Monetaristen zur Zeit nicht sticht.

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Das eine und das andere ist schwer zu vergleichen. Wenn ich eine Kapitalerhöhung überlege, dann geht es um die Stärkung der Kapitalbasis, die mich vor Umsatz- und Ertragsschwankungen schützt. Dazu müssen die Anteilseigner zustimmen. Wenn ich auf breiter Front expandiere, ist das der richtige Weg.

Den banken muss man dazu immer einen gewissen Eigenkapitalanteil liefern, wenn man Fremdkapital will. "Aufnehmen" kann man Eigenkapital bis auf Ein-Mann-Unternehmen nicht so einfach. Da müssen einige Zustimmen, Kapitalgesellschaften müssen zum Notar und es wird im Handelsregister eingetragen. 

Was das Unternehmen Eigenkapital in Zukunft kostet, lässt sich bei der Kapitalerhöhung nicht sagen. Das kann weniger als der Preis des Fremdkapitals sein, ist aber sehr oft ein Vielfaches davon.

Die Dividendenrendite bezieht sich auf den aktuellen Börsenkurs einer Aktie. Davon hat die AG aber erst mal nichts! Das was der Aktionär vor Jahrzehnten bei der Gründung oder auch bei den verschiedenen Kapitalerhöhungen gezahlt hat (also der Nennwert der Aktie und ein in die Rücklagen wanderndes Aufgeld) ist aber je nachdem nur ein kleiner Teil des Kurses. Wenn z. B. Siemens 2,6 Mrd. gezeichnetes Kapital hat und 2,8 Mrd. ausschüttet, kriegst du ein Gefühl dafür, was Eigenkapital kostet.

Auf deine Frage also ein eindeutiges "nein".

Aus Jux werden also höchstens junge Unternehmen ihr Eigenkapital erhöhen. Wir haben es letztes Jahr gemacht, um ein paar Leuten die Möglichkeit zu geben, sich an uns zu beteiligen.

Entscheidend ist, dass es haftet, also wenn es mal schlechter läuft nichts kostet.

Fremdkapital (von Banken oder aus irgendeiner Sorte Schuldverschreibung) ist gut, so lange es die Verzinsung des Eigenkapitals erhöht. Ideal eingesetzt ist es für alles, das aus dem Geschäftsbetrieb finanziert (im Sinne von zurückgezahlt) werden kann. Dazu sind die Kosten überschaubar.

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Grundsätzlich ist für ein Unternehmen Fremdkapital billiger als Eigenkapital. Nicht nur weil die Zinsen derzeit sehr niedrig sind, sondern auch weil sie als Betriebsausgaben abzugsfähig sind.

Eigenkapital hat neben der Finanzierungsfunktion für das Unternehmen auch die Haftungsfunktion. Für dieses Risiko will der Unternehmer/Gesellschafter für das eingebrachte Eigenkapital eine Vergütung durch Gewinnausschüttungen, die höher ist als eine Verzinsung auf dem Sparbuch.

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