Steuernachzahlung bei Vergleich

2 Antworten

Es wäre als erstes zu klären, was "netto" bedeutet. Wenn es sich lediglich um laufende Gehaltsnachzahlungen handelt, und wenn mit "netto" das gemeint ist, was einem der gesunde Menschenverstand sagt, nämlich 890€ als Auszahlungsbetrag, wäre es in der Tat so, dass der Arbeitgeber falsch abgerechnet hat. Er hätte nämlich den Nettobetrag auf einen Bruttobetrag hochrechnen müssen. Die Nachzahlung stellt in jedem Fall lohnsteuerrechtlich einen "sonstigen Bezug" dar, weil er das Vorjahr betrifft. Als solcher muss er mit der Lohnsteuer-Jahrestabelle abgerechnet werden. Und das bedeutet, der Arbeitgeber muss den voraussichtlichen Jahreslohn ermitteln, AUCH DEN lOHN VON ANDEREN ARBEITGEBERN! (Das kann er natürlich nur, wenn er den von Dir mitgeteil bekommt.) Hättest Du ihm also Deinen voraussichtlichen Arbeitslohn aus 2013 bei Deinem jetzigen Arbeitgeber mitgeteilt, wäre Lohnsteuer angefallen, gleichgültig, ob 890€ netto oder brutto abgerechnet worden wären, vor allem auch deshalb, weil die Nachzahlung mit Steuerklase 6 abgerechnet werden muss. Und dann wäre es auch nicht zu einer Steuernachzahlung gekommen (zumindest nicht aufgrund der Vergleichszahlung). Wenn der Arbeitgeber die 890€ auf einen Bruttobetrag hochgerechnet hätte, hätte er außerdem noch die Lohnsteuer / SV-Beträge getragen.

Du musst Dich an Deinen EX-Arbeitgeber wenden, um die Abrechnung berichtigen zulassen.

Gruß

arminius

AUCH DEN lOHN VON ANDEREN ARBEITGEBERN!

Schade, dass das dabei stand. Sonst wäre die Antwort richtig gut gewesen.

Was, wenn der Fragesteller zufällig noch eine Beteiligung an der XY KG hat, aus der er in dem entsprechenden Jahr einen Gewinn von 600.000 Euro zugewiesen bekommt? Willst du die etwa auch in den Arbeitslohn einbeziehen?

Wovon die Lohnsteuer einbehalten wird, ist der Lohn und nichts anderes. Und zwar genau der Lohn von dem jeweiligen Arbeitgeber. Dafür gibt es die Lohnsteuerklasse 6, um hier mögliche Mehrfachfreibeträge abzufangen.

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@EnnoBecker

Schön wär's (für den Arbeitgeber), wenn du Recht hättest, Kollege.

Ganz so leicht haben wir es aber in diesem Fall nicht. Grund: Keiner weiß, was die Beteiligten bei Abschluss des Vergleiches wirklich gemeint haben und ob das, was da im Vergleich steht, auch das bedeutet, was es bedeuten sollte. Ich sehe da den nächsten Rechtsstreit wegen der Auslegungsbedürftigkeit des Begriffes "netto" aufziehen...

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@EnnoBecker

Was, wenn der Fragesteller zufällig noch eine Beteiligung an der XY KG hat, aus der er in dem entsprechenden Jahr einen Gewinn von 600.000 Euro zugewiesen bekommt? Willst du die etwa auch in den Arbeitslohn einbeziehen?

Selbsverständlich nicht, das wären auch kein Arbeitslohn

Wovon die Lohnsteuer einbehalten wird, ist der Lohn und nichts anderes. Und zwar genau der Lohn von dem jeweiligen Arbeitgeber. Dafür gibt es die Lohnsteuerklasse 6, um hier mögliche Mehrfachfreibeträge abzufangen.

Ich muss mich bei meiner Aussage korrigieren. Der Arbeitslohn von anderen Arbeitgebern wird bei Steuerklasse 6 in der Tat nicht mit einbezogen. Er muss aber sehr wohl bei den Steuerklassen I bis IV mit einbezogen werden (also wenn zum Zeitpunkt der Nachzahlung bei keinem anderen Arbeitgeber gearbeitet wird), sollte der Arbeitnehmer hierzu Angaben machen, nachzulesen in den Lohnsteuerrichtlinien:

R39b.6 (3) LStR, insbe. Satz 4: Werden sonstige Bezüge gezahlt, nachdem der Arbeitnehmer aus dem Dienstverhältnis ausgeschieden ist und bezieht der Arbeitnehmer zur Zeit der Zahlung des sonstigen Bezugs Arbeitslohn von einem anderen Arbeitgeber, so hat er dem Arbeitgeber für die Besteuerung des sonstigen Bezugs eine zweite oder weitere Lohnsteuerkarte vorzulegen. Der sonstige Bezug ist dann nach § 39b Abs. 3 EStG unter Anwendung der Steuerklasse VI zu besteuern. Bezieht der Arbeitnehmer zur Zeit der Zahlung des sonstigen Bezugs keinen Arbeitslohn von einem anderen Arbeitgeber, so ist der sonstige Bezug nach § 39b Abs. 3 EStG auf Grund einer ersten Lohnsteuerkarte zu besteuern. Der voraussichtliche Jahresarbeitslohn ist dann auf der Grundlage der Angaben des Arbeitnehmers zu ermitteln. Macht der Arbeitnehmer keine Angaben, ist der beim bisherigen Arbeitgeber zugeflossene Arbeitslohn auf einen Jahresbetrag hochzurechnen. Eine Hochrechnung ist nicht erforderlich, wenn mit dem Zufließen von weiterem Arbeitslohn im Laufe des Kalenderjahres, z. B. wegen Alters oder Erwerbsunfähigkeit, nicht zu rechnen ist.

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@blackleather

@blackleather

Genau, es könnte eine Abfindung dabei sein, die evtl. ermäßigt besteuert wird. Oder "netto" könnte bedeuten, dass der Auszahlungsbetrag eines bestimmten Monats einfach noch offen steht. Ohne genauere Angaben kann das alles nicht beurteilt werden.

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@arminius3

Gut, da haben wir es doch zusammen.

Er bezieht einen anderen AL - und so ist kein Raum für Satz 6, sondern nur für Satz 4, wenn ich richtig abgezählt habe. Also Versteuerung nach StKl 6.

Aus meiner Sicht folgerichtig, denn den Freibetrag hat er ja bereits in seinem ersten AV.

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Ich habe mir Deinen Fall nochmal überlegt. Also Dein Ex-Arbeitgeber scheint wirklich keine Ahnung von Lohnabrechnungen zu haben. Nicht nur, dass er mit ziemlicher Sicherheit die 890€ auf einen Bruttobetrag hätte hochrechnen müssen; er hat auch bei der Steuerberechnung der 890€ als Bruttobetrag falsch gerechnet. Denn er hat mit Sicherheit nicht mit Steuerklasse 6 abgerechnet, sondern mit Deiner in 2011 gültigen Steuerklasse, denn bei Steuerklasse 6 wäre in jedem Fall Lohnsteuer angefallen. Deine in 2011 gültige Steuerklasse hätte er aber nicht verwenden dürfen, da Du ja 2012 komplett bei einem anderen Arbeitgeber gearbeitet hattest.

Von daher würde der von "FREDL2" genannte fiktive Lohnsteuerprüfer doch was finden, ist schon witzig. Allerdings würde der meiner Meinung nach das Gehalt nicht hochrechnen, sondern nur die 890€ mit Steuerklasse 6 nachberechnen. Und dabei kommen immerhin auch über 100€ Steuern raus. Und das ist Deine Chance: Wenn Dein Ex-Arbeitgeber innerhalb der nächsten 4 Jahre turnusmäßig vom Finanzamt geprüft wird und Dir die Lohnsteuer aufgrund der Nettovereinbarung gutgeschrieben wird (sollte der Prüfer den Fall finden, wovon ich eigentlich ausgehe), könnte es doch noch zu einer Erstattung für Dich kommen.

Dein Veranlagungsfinanzamt einzuschalten, sehe ich kritisch, denn Du würdest, sollten tatsächlich die 890€ durch das Finanzamt auf einen Bruttolohn hochgerechnet werden, noch mehr nachzahlen (da ja trivialerweise Dein Bruttolohn ansteigt). Der Anspruch gegenüber Deinem Ex-Arbeitgeber auf Erstattung der Lohnsteuer ist aber ein zivilrechtlicher, den Dein Finanzamt für Dich nicht durchsetzen wird.

Der einzige Weg läuft also über Deinen Ex-Arbeitgeber.

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