Steuern zahlen als Kleingewerbe?

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2 Antworten

Ob und wann sich welche Erklärungs- bzw. Zahlungspflichten ergeben, hängt maßgeblich von Ihren Angaben im noch ausstehenden Fragebogen zur steuerlichen Erfassung, sowie Ihrem gesamten sog. steuerlichen Lebenssachverhalt ab.

Gewinnermittlung

Ausgehend davon, dass es sich um ein Einzelunternehmen handelt, besteht anhand der Sachverhaltsangaben keine Pflicht zur Bilanzierung. Der Gewinn/Verlust für Zwecke der Einkommensteuer ist somit grds. im Rahmen der sog. Einnahmenüberschussrechnung (kurz EÜR) zu ermitteln.

Die Einrichtung einer elektronischen Buchführung ist hierfür nicht vorgeschrieben, allerdings müssen die Angaben für Wirtschafts-/Kalenderjahre ab 2017 zusammen mit der Einkommensteuer in der Anlage EÜR elektronisch an das Finanzamt übermittelt werden.

Die Anlage EÜR kann dabei auch als Orientierung herangezogen werden, welche Kostenarten im betrieblichen Bereich anfallen können.

Der Gewinn/Verlust ist in die Anlage G zu übernehmen und wird dann bei der Veranlagung/Festsetzung der Einkommensteuer berücksichtigt.


Umsatzsteuer

Von Unternehmern wird die Umsatzsteuer auf Lieferungen und Leistungen im Inland nicht erhoben, wenn die Vorjahresumsätze nicht mehr als 17.500 € und im laufenden Jahr voraussichtlich nicht mehr als 50.000 € betragen (sog. "Kleinunternehmerregelung" § 19 UStG).

Kleinunternehmer können auf diese Regelung verzichten und somit ihre Umsätze der Regelbesteuerung unterwerfen (Erklärung im Fragebogen).

Ob ein Verzicht auf die Regelung sinnvoll ist. hängt insbesondere davon ab, welche Art von Kunden überwiegt (Unternehmer oder Privatpersonen) und in welchem Umfang Kosten mit Vorsteuer entstehen.

Nach Beginn einer unternehmerischen Tätigkeit verlangt das Finanzamt regelmäßig für die ersten beiden Steuerjahre die monatliche Abgabe von Voranmeldungen.

Voranmeldungen von Unternehmern sind elektronisch und authentifiziert zu übermitteln. Ohne Beauftragung eines Beraters o.ä. ist die Registrierung im ELSTER-Onlineportal mit Steuer-ID-Nr. notwendig.

Als Unternehmer obliegt Ihnen die Pflicht, ordnungsgemäße Rechnungen auszustellen. Hierzu gehört ggf. auch der richtige USt-Ausweis.


Sonstiges

Obgleich sich anhand der Sachverhaltsangaben wohl nur eine unwesentliche steuerliche Auswirkung ergeben wird, weise ich auf die Wichtigkeit der Organisation des Unternehmens hin.

Es gibt z.B. auch Anlaufstellen für eine kostenlose Existenzgründungsberatung.

Außersteuerliche Fragen gilt es ebenso zu klären, wie z.B.: Ist man ausreichend versichert? Welche Dokumentations-, Haftungs- und Gewährleistungspflichten sind zu beachten?

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Cored 06.07.2017, 11:48

Muss ich wenn ich die Kleinunternehmer Regelung akzeptiere jeden Monat auch weiterhin Informationen bzw. Steuern an das Finanzamt senden? Ich dachte es würde reichen am Jahresende die Steuern zu zahlen.

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Valeskix 06.07.2017, 12:17
@Cored

Zur monatlichen Abgabe schrieb ich bewusst, dass das Finanzamt regelmäßig eine monatliche Abgabe verlangt, weil aus meiner Erfahrung leider die Verwaltungsregelung des A 18.7 Abs. 1 S. 4 UStAE scheinbar nicht immer bekannt zu sein scheint.

Siehe hier: https://www.jurion.de/gesetze/ustae/18.7./

Im Zweifel halten Sie kurz Rücksprache mit der USt-Stelle.

Bei der Einkommensteuer sind Vorauszahlungen nur festzusetzen, wenn sie mind. 400 € im Jahr betragen (§ 37 Abs. 5 EStG).

Anhand Ihrer Fragestellung können Sie aus dieser Tätigkeit maximal 1.200 € im Jahr verdienen (= Gewinn oder Einnahme?).

Ohne Ihre weitere Einkunftssituation zu kennen, dürfte das Finanzamt hierauf keine Vorauszahlungen festsetzen.

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EnnoWarMal 06.07.2017, 12:17

Alle Wetter, da war aber jemand fleißig.

Die Sachverhaltsdarstellung wirft weitaus mehr Fragen auf, als direkt zu lesen sind. Es dürfte klar sein, dass hier nicht das geringste Wissen vorhanden ist. Deshalb habe ich mich gar nicht erst an die Beantwortung gewagt. Man weiß ja gar nicht, wo man anfangen soll.

Mit einer solch schmalen Wissenbasis schneidet man sich nicht mal selber die Haare, sondern geht zum Friseur. Aber am Computer rumfummeln und ein Unternehmen führen - das wird trotzdem versucht. Das verstehe ich nicht.

Es ist absehbar, dass hier kein Steuerberater teurer sein wird als ein Steuerberater.

Zwei Anmerkungen habe ich:

Nach Beginn einer unternehmerischen Tätigkeit verlangt das Finanzamt regelmäßig für die ersten beiden Steuerjahre die monatliche Abgabe von Voranmeldungen.

Man kann sich jedoch auf Antrag hiervon befreien lassen, sofern man Kleinunternehmer ist und/oder ausschließlich steuerfreie Umsätze ausführt.

Ich warte derzeit nur noch auf das Schreiben des Finanzamtes bezüglich der Steuerlichen Erfassung.

Das ist nicht notwendig. Man kann sich das Formular auch selbst herunterladen, es ausfüllen und an das Finanzamt senden.

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Valeskix 06.07.2017, 12:23
@EnnoWarMal

Ab und zu überkommt's mich halt mit der Beantwortung bei Steuerfragen.

Die immer gleichen Fragen zu Sozialleistungen gehen mir einfach zu sehr auf den Zeiger.

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Cored 09.07.2017, 12:32
@EnnoWarMal

Erstmal vielen Dank für die vielen hilfreichen Antworten! Nur verwundert es mich etwas da die Dame beim Gewerbeamt meinte, dass das Finanzamt mir den Fragebogen zuschicken würde und ich diesen nicht erst im Internet herunterladen müsse.

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Valeskix 09.07.2017, 15:08
@Cored

EnnoWarMal hat ja auch das Wort "kann" benutzt.

Sie können den Fragebogen auch unaufgefordert vorher abgeben. Das ist beispielsweise dann sinnvoll, wenn man die im Fragebogen beantragte Steuernummer / USt-ID-Nr dringend benötigt, um ordnungsgemäße Rechnungen zu schreiben bzw. als Unternehmer im EU-Ausland Geschäfte zu tätigen.

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Zur Gründung gehört auch schon, dass man sich zu dem Thema beliest. Du hast wirklich Fragen die entscheidenes Basiswissen sind. Wie hier schon richtig gesagt wurde, du kannst die Kleinunternehmer-Regelung in Anspruch nehmen. Dann entfällt das Thema Umsatzsteuer.

Dann wäre für dich das Thema Grundfreibetrag sicher auch noch lesenswert:

Solltest du mal über 8.820 Euro im Jahr  verdienen, musst du auch "abdrücken".

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