Steuerliche Veranlagung (DBA) - Home-Office in BE / Freiberufler in DE?

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1 Antwort

Von Deinem Sachverhalt sind nur die Punkte 2., 4. und 5. interessant.

1. Du ziehst nach Belgien. Damit bist Du dort unbeschränkt Einkommensteuer pflichtig.

2. Unternehmensgewinne sind gem. DBA mit Belgien Art. 7 dort zu besteuern, wo die Betriebsstätte ist. Also Deutschland. Der Laptop auf dem Wohnzimmertisch ist keine Betriebsstätte. Dort wo Kunden empfangen werden, wo ein Raum verfügbar ist, dort ist die Betriebsstätte. (Nur als Beispiel, ich habe auch schon Gutachten auf der Terrasse des Golfclubs von Santo Domingo geschrieben, trotzdem ist das (leider) keine Betriebsstätte von mir.

3. Damit bist Du mit diesen Einkünften in Deutschland beschränkt steuerpflichtig. Das würde den Verlust des Grundfreibetrages bedeuten.

4. Du kannst gem. § 1, Abs. 3 EStG den Antrag stellen in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig zu sein, da Deine Einkünfte zu mehr als 90 % in Deutschland erzielt werden.

Spannend würde es erst, wenn Du in einer größreren Wohnung in Belgien einen Extra Raum nur für die Arbeit einrichten würdest, in dem Du auch Kunden empfängst und der als Adresse auf Deinem Briefpapier, oder als Signatur in den Mails auftauchen würde. Das wäre eine Betriebsstätte (egal ob angemeldet, oder nicht)

lynx20 02.08.2017, 12:20

Vielen Dank für Ihre schnelle Antwort! Ich bin merklich erleichtert!

Ich habe mit meinem Steuerberater soeben telefoniert. Er sagte mir, dass er ohnehin den Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht für mich stellen wird. Mir war nicht bekannt, dass man auch als Freiberufler diesen Antrag stellen kann. Ist das korrekt? 

Zu Antwort 4.: Was ist genau mit "in Deutschland erzielt" gemeint. Bezieht sich das auf den Ort der Arbeitsausführung (physische Anwesenheit) oder auf die Quelle der Einkünfte (Betriebsstätte + Ansässigkeit des Auftraggebers?) 

Angenommen ich müsste die aus meinem Home-Office in Belgien geleistete Arbeit in Belgien und die in meiner Betriebsstätte in DE geleisteten Arbeiten in den jeweiligen Ländern beziffern (in Programmierstunden) und die Einkünfte aus dieser Arbeit in den jeweiligen Ländern gesondert versteuern... Ist dies überhaupt zumutbar bzw. wird es so praktiziert? Wenn ich eine Besteuerung in Belgien vermeiden möchte dürfte ich ja gar nicht mehr in meinem Homeoffice arbeiten. Strenggenommen wäre selbst ein Telefonat mit dem Kunden verboten.... Es wird in den DBA's überwiegend über Einkünfte aus unselbständiger Arbeit gesprochen... Wie machen es denn all die Unternehmer im Grenzgebiet?

Ich tendierte dazu Dinge zu ernst zu nehmen (Mücke --> Elefant) Sehen Sie das auch so, dass ich meine Arbeit weiterhin problemlos aus meinem Homeoffice in Belgien machen kann?

Vielen Dank für Ihre Hilfe!

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wfwbinder 02.08.2017, 13:37
@lynx20

  Was ist genau mit "in Deutschland erzielt" gemeint.

Damit ist gemein, dass die erzielten Einkünfte (Du könntest ja auch noch andere Einkunftsquellen haben wie Renten, Vermietungsüberschüsse usw.) alle aus Quellen sind, die in Deutschland entstehen.

Hätte Dein Betrieb einen Gewinn von 60.000,- Euro und Du hättest noch ein Mehrfamilienhaus in Maastricht, mit einem Überschuss von 20.000,- Euro, so wären nur noch 75 % Deines Einkommens aus Deutschland und der Antrag gem. § 1, Abs 3 EStG wäre nicht zulässig.

 Mir war nicht bekannt, dass man auch als Freiberufler diesen Antrag stellen kann. Ist das korrekt? 

Ja, aus 3 Gründen. 1. Weil im Gesetz nicht gesagt ist, das es nur für bestimmte Einkünfte gilt. 2. Weil ich Dir das so bestätigt habe und 3. Weil Dein StB keinen unzulässigen Antrag stellen würde.

 Angenommen ich müsste die aus meinem Home-Office in Belgien geleistete Arbeit in Belgien und die in meiner Betriebsstätte in DE geleisteten Arbeiten in den jeweiligen Ländern beziffern (in Programmierstunden) und die Einkünfte aus dieser Arbeit in den jeweiligen Ländern gesondert versteuern... Ist dies überhaupt zumutbar bzw. wird es so praktiziert?

Das ist so abstrus, dass es nichteinhaltung einem Deutschen Beamten im Finanzministerium einfallen würde.

Aber wozu diese Frage?

Du hast einen StB der wie es aussieht alles richtig macht.

Du hast von mir eine klare und begründete Antwort. (Für die ich sogar von einem anderen, als sehr kritisch bekanntem Mitglied sowohl eine positive Bewertung, wie auch noch zusätzlich ein Kompliment bekommen habe.

Und ausserdem habe ich Dir noch dazu geschrieben, was Du vermeiden sollst, nämlich eine Betriebsstätte in Belgien zu gründen.

Mehr können wir hier nicht machen, da enden die Möglichkeiten von freiwilligen, sachkundigen Helfern.

Falls Du noch einen Sachkundenachweis brauchst, ich habe in den über 45 Jahren Steuerberatung Mandanten aus über 25 Ländern mit Einkünften in mehr als 30 Ländern beraten.

Glaube einfach Deinem StB und fertig.

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