Steuerklassenwechsel nach Heirat? (spezieller Fall)

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7 Antworten

Krankengeld ist steuerfrei aber unterliegt dem Progressionsvorbehalt nach § 32b EStG, heißt es schiebt euer gemeinsames Einkommen in der Steuerprogression nach oben.

Du darfst einmal im Jahr die Steuerklasse wechseln.

Das Brutto-Krankengeld bemisst sich an 90% vom Netto oder 70% vom Brutto des Versicherten (der niedrigere Wert ist ausschlaggebend), womit im Vorfeld des KG-Bezugs die Steuerklasse eine Auswirkung hätte haben können.

Und nochmal ganz allgemein: Die Lohnsteuerklassen haben 0,0 Einfluss auf die Höhe der zu zahlenden Einkommensteuer. Ob 4/4 oder 3/5 bei der Einkommensteuererklärung wird das zu versteuernde Einkommen immer gleich sein und nur dies ist Bemessungsgrundlage zur Höhe der Einkommensteuerschuld.

Zitat:

Die so genannten Lohnersatzleistungen (z.B. das Krankengeld), sind zwar steuerfrei, sie unterliegen aber einem so genannten Progressionsvorbehalt ( § 32b EStG ). Das bedeutet, dass die Lohnersatzleistung zwar weiterhin steuerfrei bleibt, dass sie jedoch die Steuer auf die übrigen steuerpflichtigen Einkünfte erhöht. Welche Lohnersatzleistungen betroffen sind, ist in § 32b EStG aufgeführt. Die Auswirkung auf die Höhe der Lohnsteuer ist in R 32b EStR beispielhaft beschrieben. Man könnte den Progressionsvorbehalt auch als heimliche Besteuerung an sich steuerfreier Einnahmen bezeichnen. Nach § 32b EStG werden nämlich folgende ausdrücklich steuerfreien Einnahmen zur Berechnung des Steuersatzes für die übrigen steuerpflichtigen Einkünfte berücksichtigt:

Lohn- und Einkommensersatzleistungen (z.B. Krankengeld, Arbeitslosengeld I (nicht Arbeitslosengeld II), Mutterschaftsgeld, Aufstockungsbetrag nach dem Altersteilzeitgesetz , Unterhaltsgeld als Zuschuss, aus den Europäischen Sozialfonds finanziertes Unterhaltsgeld u.a.

Zitatende. Quelle: http://www.steuerlinks.de/steuerlexikon/lexikon/progressionsvorbehalt.html

Damit wäre die Frage 2 beantwortet.

Ich rate dringendst davon ab, dass die Steuerklassen gewechselt werden - womöglich nimmt dann die "arbeitende" Person die Klasse 3 und zahlt damit noch weniger Steuern voraus als jetzt mit der Klasse 4.

Damit würde die fällige Steuernachzahlung, die sich mit der Steuererklärung für dieses Jahr ergibt, noch höher ausfallen.

PS: Die Einteilung der Steuerklassen legt bei Arbeitnehmern die Höhe der Einkommensteuer-Vorauszahlungen ( hier: monatlicher Lohnsteuerabzug ) fest. Diese Zahlungen werden vom Arbeitgeber einbehalten und an das Finanzamt geschickt.

Je weniger vorausbezahlt wurde, desto höher könnte die Einkommensteuer-Nachzahlung ausfallen. In eurem Falle hat die krankgeschriebene Person noch KEINE Steuern vorausbezahlt -wohl aber Einkünfte gehabt, die das Einkommen erhöhen.

Zunächst mal solltest Du Dir eins vergegenwärtigen:

Die Einkommensteuern, die für ein Kalenderjahr insgesamt zu zahlen sind, haben nichts aber auch gar nichts mit der oder den Steuerklasse(n) zu tun.

Was Ihr über's Jahr zuviel an Steuern zahlt, bekommt Ihr nach der Steuererklärung zurück, was Ihr zuwenig zahlt (z.B. wenn Ihr jetzt wechselt), müsst Ihr nachzahlen.

Dadurch, dass das Krankengeld niedriger ist als das vorherige Nettogehalt, werdet ihr (wenn ihr es so lasst, wie es ist) Steuern erstattet bekommen.

Bei einem Wechsel in StKl III erhält derjenige ca. 400€ im Monat mehr ausgezahlt, (wohl noch drei mal). davon muss aber ein guter Teil nachgezahlt werden.

Ich könnte mir vorstellen, das es günstiger wäre, wenn der krankgeschriebene Gatte die Steuerklasse 3 nimmt, der erwerbstätige Gatte die Klasse 5.

Die Steuerklasse spielt keine Rolle mehr, wenn das Finanzamt bescheidet. Das Krankengeld dürfte mit Klasse 3 höher sein. Die Steuer am Ende des Tages womöglich auch, aber unterm Strich dürfte mehr herauskommen.

Mikkey 13.10.2013, 18:16

Krankengeld dürfte mit Klasse 3 höher sein

Tatsächlich? Dann hast Du natürlich recht - nützt denn der Wechsel während des Krankengeldbezugs noch etwas?

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Steeler 13.10.2013, 18:26
@Mikkey

Ich bin kein Krankengeldexperte. Wenn es auf der Grundlage der letzten Einkünfte berechnet werden sollte, nützt ein Wechsel vermtl. nichts mehr.

Die arbeitslose Gattin eines Freundes rutschte vor ein paar Jahren nach einem Steuerklassenwechsel auf die 3 mit ihrem Alg hoch.

Ist 'ne Idee von mir, mehr nicht.

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Kevin1905 14.10.2013, 05:05
@Steeler

Im Vorfeld hätte es was bringen können, jetzt während des Bezugs auch nicht mehr.

Bemessungsgrundlage für KG sind 70% vom Brutto oder 90% vom netto (whatever ist niedriger).

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@mikkey

Klasse, schon mal danke soweit!

Noch mal zum Verständnis, dass heißt für uns, Klassen so lassen und dann im nächsten Jahr die Steuererklärung machen?

Ich verstehe das so, dass es keinen Unterschied macht, ob wir jetzt wechseln oder nicht, oder?

Oder sollte man das von einem Steuerfachmann durchrechnen lassen?

Mikkey 13.10.2013, 16:53

Da Ihr seit Januar (zusammen) etwas zuviel gezahlt habt, würde das wohl ungefähr von drei Monaten 3/5 ausgeglichen werden.

Mit dem Einkommen dürfte es Euch aber nicht so sehr kratzen, ob Ihr 1000 Euro ein paar Monate früher oder später bekommt. Wenn aber die Krankheit noch länger andauert, ist der Wechsel schon sinnvoll, zumal Krankengeldbezug ja nicht ewig dauert.

Generell ist gegen einenSteuerfachmann nichts einzuwenden, aber bei der Steuerklassenwahl geht es wirklich nur um den Zeitpunkt der Steuerzahlung, nicht um deren Höhe.

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  • es macht nur noch wenige Wochen Sinn, die Steuerklasse zu wechseln. Wir haben Oktober.
  • ein Wechsel hat nur Auswirkung auf die Zukunft, nicht für die vergangenen Monate. Damit hat ein schneller Wechsel Auswirkungen für max. 2 Monate.
  • ein Wechsel pro Jahr ist möglich

Daher wurden wir vom Finanzamt automatisch jeweils in die Steuerklassen 4 eingeteilt

nein. Wer heiratet, den stuft das FA nicht ein, sondern man bleibt in der I, die identisch mit der IV ist. Der Steuerzahler muss aktiv werden, nicht das Finanzamt.

Ihr habt insofern kein Problem, egal in welcher Lohnsteuerklassenkonstellation ihr seid. Mit der Steuererklärung wird die tatsächliche Steuerbelastung ermittelt. Das zu versteuernde Einkommen für euch ist immer dasselbe, egal ob ihr 4/4, 3/5, 5/3 ... seid.

Gaenseliesel 13.10.2013, 22:12

Wer heiratet, den stuft das FA nicht ein, sondern man bleibt in der I, die identisch mit der IV ist. Der Steuerzahler muss aktiv werden, nicht das Finanzamt.

Nimmt der Arbeitgeber bereits am elektronischen Lohnsteuerabzugsverfahren teil, werden ihm Änderungen in den Steuerabzugsmerkmalen seiner Arbeitnehmer durch monatliche Änderungslisten aus der ELStAM-Datenbank automatisch mitgeteilt.

Möglicherweise ist dies bei dem Fragesteller der Fall. Dadurch wurde mit Tag der Eheschließung die Steuerklassenkombination IV / IV übermittelt.

freelance, dies ist nur als Ergänzung zu verstehen ;-) K.

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freelance 15.10.2013, 21:43
@Gaenseliesel

jep. Und damit ändert sich steuerlich nichts, denn die I ist wie die IV, wenn es um Steuerabzug geht.

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Alles so lassen wie es momentan ist, ist die günstigste Variante.

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