Steuererklärung und Fahrtkosten

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Die Auskunft der Steuerberaterin ist hinsichtlich des Durchschnittssteuersatzes leider falsch. Sie hätte vom (höheren) Grenzsteuersatz sprechen bzw. ausgehen müssen.

Du kannst im Link https://www.abgabenrechner.de/ekst/? selber rechnerisch und graphisch nachvollziehen, was passiert, wenn Du Dein steuerpflichtiges Einkommen um € 4755 reduzierst bzw. erhöhst. Beachte bitte, dass wir in D nur für bestimmte Einkommenshöhen einen progressiven Steuersatztarif haben (siehe Grafik im Link!).

Nun kommt noch hinzu, dass sich von den Fahrtkosten ohnehin € 920 nicht auswirken, (wenn Du keine anderen Werbungskosten geltend gemacht hast), denn dieser jährliche Werbungskostenpauschbetrag muss überschritten werden, ehe sich Werbungskosten überhaupt steuerlich auswirken. D. h. bei Dir wirken sich nur € 3835 einkommensmindernd aus. Die Steuerminderung (ohne Soli und KiSt) beträgt grob: € 3835 mal persönlichem Grenzsteuersatz von ca. 33 % gleich € 1266. Der Grenzsteuersatz von 33 % gilt bei einem zu versteuernden Einkommen bei Zusammenveranlagung von ca. € 66.000.

Beachte bitte, dass Du in dem obigen Link nicht Euer familiäres Bruttogehalt, sondern das niedrigere, zu versteuernde Einkommen eingibst. Ferner dürfen als Fahrtkosten nicht die gefahrenen Kilometer, sondern nur die Entfernungskilometer mit € 0,30/km angesetzt werden.

PS: Warum 33 % Grenzsteuersatz und zu versteuerndes Einkommen von € 66.000?

Wenn die Angabe des Durchschnittssteuersatzes von 20 % der Steuerberaterin richtig ist, dann ergibt sich nach dem Abgabenrechner dieser D-Steuersatz bei einem zu versteuernden Einkommen von € 66.000. Im Prinzip müßtest Du die Fahrtkosten von € 3.835 noch dazurechnen, um zunächst die Steuerbelastung ohne Fahrtkosten zu ermitteln.

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Wir sind getrennt veranlagt wie ich das so sehe und bei mir wären es 33k Brutto. Ich muss gestehen dass ich mich mit der Materie wirklich nicht auskenne und daher nicht wirklich viel von dem nachvollziehen kann was mir hier erzählt wird... Ich hol mir gleub ich mal ein Buch - Lohnsteuererklärung für Dummies! ;)

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@simbim

Bei getrennter Veranlagung funktioniert es wie beim Alleinstehenden. Der gleich passende Link wäre: https://www.abgabenrechner.de/ekst/ekst.jsp?ineinkommen=33000%2C00&inverheiratet=0&in_jahr=2010&berechnen=, also ein zu versteuerndes Einkommen von € 33.000 führt zu einem Durchschnittssteuersatz von ca. 20 % und einem Grenzsteuersatz von 33 %. Meine Berechnungen bleiben also unverändert: "*Die Steuerminderung (ohne Soli und KiSt) beträgt grob: € 3835 mal persönlichem Grenzsteuersatz von ca. 33 % gleich € 1266.*".

Die Veränderungen Deines zu versteuernden Einkommens (z. B. durch Werbungskosten oder durch Gehaltserhöhung) wirken sich immer mit dem Grenzsteuersatz für die spezifische Einkommenshöhe aus (siehe die Grafik im Link!).

Bitte schreibe, wenn und wobei Du etwas nicht nachvollziehen kannst.

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Kann ich die Tätigkeit beim Kunden meines Arbeitgebers, dem Finanzamt als Dienstreise "verkaufen"?

Ich arbeite in der häuslichen Pflege bei einem Behinderten in seiner Wohnung. Meine Dienste dauern immer 24 Stunden. Ich habe ca. 2 Dienste pro Woche. Gerne würde ich Verpflegungsmehraufwand geltend machen. Ob dies anerkannt wird, steht scheinbar in direktem Zusammenhang mit der Frage nach der regelmäßigen Arbeitsstätte. Sollte der Ort meiner Tätigkeit (also beim Kunden) nicht als regelmaßige Arbeitstätte definiert sein, was ich mir nicht 100 prozentig beantworten kann, müsste ich doch jeden meiner Dienste als Dienstreise darstellen können und könnte dann den Verpflegungsmehraufwand geltend machen. Habe ich da Chancen? Das folgende Zitat macht mir Hoffnung:

Reisekosten – Langfristiger Kundeneinsatz führt nicht zu regelmäßiger Arbeitsstätte

Mit Urteil vom 9.7.2009 hat der Bundesfinanzhof entschieden, dass es sich nicht um eine regelmäßige Arbeitsstätte im Sinne des Einkommensteuergesetzes handelt, wenn der Arbeitnehmer beim Kunden seines Arbeitgebers tätig wird. Dies gilt selbst dann, wenn der Arbeitnehmer dort längerfristig eingesetzt wird.

Die Folge ist, dass der Arbeitnehmer die Kosten für die tatsächlich gefahrenen Kilometer zum Kunden steuerfrei erstattet bekommen bzw. als Werbungskosten geltend machen kann und nicht auf die Entfernungspauschale von EUR 0,30 pro Entfernungskilometer beschränkt ist. Der Bundesfinanzhof bestätigt mit diesem Urteil seine jüngere Rechtsprechung, wonach nur eine betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers eine regelmäßige Arbeitsstätte sein kann – nicht aber die betriebliche Einrichtung eines Kunden.

Die Finanzverwaltung hat sich dieser Auffassung inzwischen angeschlossen.

Außerdem steht bei Wikipedia folgendes unter Reisekosten:

„Reise“ ist als gleichzeitige Abwesenheit von der Wohnung und der regelmäßigen Arbeitsstätte definiert. Beruflich oder betrieblich veranlasst ist eine Reise, wenn die private Lebensführung den Zweck der Reise nicht oder nur unwesentlich berührt; Abgrenzungsfragen hierzu behandelt der Artikel Dienstreise.

Reisekosten umfassen Fahrtkosten, Übernachtungskosten, Verpflegungsmehraufwand und Reisenebenkosten. Steuerlich voll anerkannt wurden sie bis Ende 2007 aber nur bis zu einer gewissen Dauer der Reise (deutsches Steuerrecht i. d. R. 3 Monate, österr. teilweise kürzer). Dauerte die Reise länger, nahm das Finanzamt im Regelfall an, dass der Mittelpunkt der Lebensführung an den Ort der Auswärtstätigkeit verlagert wurde. Der Ort der auswärtigen Tätigkeit wurde dann als neue regelmäßige Arbeitsstätte angesehen. Diese Auffassung wurde durch ein Urteil des Bundesfinanzhofs vom 9. Juli 2009 aufgehoben.[1] Damit sind Fahrten zum Kunden immer als Dienstreise anzusehen, egal auf welche Dauer sie angelegt sind.

Vielen Dank im Voraus!!!

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