Steuererklärung nach Wegzug eines Freiberufler nach Luxemburg

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1 Antwort

Kannst du dir vorstellen, warum bisher noch niemand geantwortet hat? Der Fragetext birgt viel zu viele Inhalte und ist zudem extrem unübersichtlich.

Du solltest deine Fragen entsprechend aufteilen - inhaltlich wie optisch.

Kurze Antworten:

  1. jein. Hier greift die Wegzugsbesteuerung § 2 (7) Satz 3, § 50 (29 Satz 2 Nr. 3, § 32b (1) Satz 1 Nr. 3. Mit entsprechenden Ausnahmen in § 32b (1) Satz 2. Hier sind also die einzelnen Einkunftsarten zu prüfen.
  2. ja, wobei § 11 (1) EStG gilt.
  3. Kommt auf die Art der Kapitalerträge an. Zinsen sind keine inländischen Einkünfte (§ 49 negativ)
  4. Bei der Ertragsteuer hängt das von der Art der Gewinnermittlung ab. Bei der Umsatzsteuer gilt stets der Zeitpunkt der Leistung.
  5. Kommt auf die Art der Beteiligung an und auf das Ausland.
  6. ja. Ab 2013 im Rahmen der beschränkten Steuerpflicht.
  7. 2012 ganz (soweit überhaupt abzugsfähig), ab 2013 gar nicht.
  8. Spezialformular? Ansonsten korrekt.

Sorry für die unübersichtliche Formatierung, bin neu hier und kenne den Editor noch nicht. Die Komplexität des Wegzugsthemas habe ich ebenfalls deutlich unterschätzt.

Danke jedenfalls das du mir trotzdem geantwortet hast. Ich habe der Zwischenzeit, die von dir genannten Gesetztestexte mehrfach gelesen. Woh, dagegen war ja meine Fragestellung noch richtig übersichtlich. Das EStG sollte mal dringend jemand neu schrieben. Das wäre ein Job für dich.

Ich würde mich freuen wenn du mein Verständnis deiner Antwort und der schwer verdaulichen Gesetzeslage nochmal prüfen könntest. Wir sollten uns dabei auf das Wegzugsjahr 2012 und die zwei wesentlichen Einkunftsarten:

  • Selbständige Tätigkeit
  • Kapitalerträge

beschränken.

Ab 2013 wird es ja wieder deutlich einfacher und dank deiner Hilfe, habe ich das glaube ich ganz gut verstanden.

Mein Verständnis der Situation:

Für 2012 bin ich bis 10.04. unbeschränkte in D steuerpflichtig, für den Rest des Jahres nur beschränkt. Es greift zusätzlich §2 (7) im Wegzugsjahr.

Darauf folgt für mich:

  1. Ich setze im Mantelbogen wie bisher meine Sonderausgaben und Vorsorgeaufwendungen für das gesamte Kalenderjahr an
  2. Mein Einkommen aus Selbständiger Tätigkeit in Deutschland bis zum Wegzugtag gebe ich wie bisher in der Anlage S an.
  3. Wegen §32b gebe ich in Zeilte 99 des Mantelbogens mein Luxemburger Einkommen aus Selbständiger Tätigkeit an (berechnet nach deutschen Regeln). Dieses Einkommen unterliegt dann, da ja bereits in Lux versteuert, nur dem Progressionsvorbehalt. Aufgrund der von mir gewählten Istbesteuerung ist der Zufluss der Kundenzahlung entscheidend für die Zuordnung. Bei der MwSt ist es ja der Zeitpunkt meiner Leistungserbringung der maßgebende..

  4. Jetzt zu den leidigen Kapitalerträgen. Die Zinsen sind ja kein Inländisches Einkommen nach §49 und sind daher gemäß DBA in Lux. zu versteuern. Deine Antwort hinsichtlich Aufteilung der Zinsen habe ich nicht genau verstanden. Ich versuche diese nochmal zu präzisieren:

    A: Werden die Zinsen die mir bis zum Wergzugstag zufliessen in Deutschland versteuert (sind dann ja über die Abgeltungssteuer bereits erledigt), die Zinsen nach dem Wegzugstag erfasse ich dann wegen §32b in Zeile 99 des Mantelbogens.

    oder

    B: Fallen die gesamten Zinsen des Kalenderjahres nach Luxemburg und werden in Deutschland nur beim Progressionsvorbehalt berücksichtigt. Dann würde ich ja die bereits gezahlte Abgeltungssteuer zurück erstattet bekommen. Wenn ja muß ich dafür noch was ausfüllen oder beantragen?.

Schon mal meinen herzlichen Dank im voraus

Hans

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@Luxembourger

1 und 2: Völlig richtig

3.. Immer schön USt und Ertragsteuer auseinanderhalten. Die funktionieren grundverschieden.

Bei der Ist-Besteuerung (Umsatzsteuer) entsteht die Steuer zwar erst mit zahlungseingang, aber die Steuer selbst folgt der zugrunde liegenden Leistung. Da ist es egal, in welchem Land du ansässig bist. Ist der Ort der Leistung = Deutschland, so ist in Deutschland auch die USt zu erklären und abzuführen.

Bei der Einkommensteuer folgt zunächst die Aufgabe des deutschen Betriebes mit der Folge der Abschlussbesteuerung. Je nach Einkunftsart und weiteren Verhältnissen gestattet es das EStG (in der Fassung des SeStEG) aber unter Umständen, den Betrieb zu Buchwerten nach LUX zu überführen.

Außerdem sind bestimmte Einkünfte vom Progressionsvorbehalt ausgeschlossen, hier einfach noch mal § 32b (2) Satz 2 Nummer 1 lesen.

  1. Kapitalerträge
    Hier muss man zwischen Zinsen und Gewinnanteilen unterscheiden. Zinsen folgen (fast) immer dem Wohnsitzprinzip und Dividenden dem Herkunftsprimzip.

Demzufolge halte ich Antwort A für richtig. Aber aufpassen: Auch da gilt das Zuflussprinzip. Die meisten Zinsen fließen ja erst am Ende des Jahres zu.

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@EnnoBecker

Danke nochmals für deine excellente Hilfe. Ich fühle mich jetzt dank deiner Unterstützung gut für die nächste Steeuererklärung gewappnet. Ist zwar noch etwas früh, war mir aber wichtig, da man nur im laufenden Steuerjahr etwas an der Situation ändern kann, ansonsten ist ja zu spät und man muss sich mit den Gegebenheiten abfinden.

Eine Spezialfrage habe ich noch, zu der ich im Internet wirklich rein gar nichts gefunden habe.

Unabhängig von der generellen Diskussion über die Rechtmässigkeit der Besteuerung von Erstattungszinsen im Sinne des § 233a der Abgabenordnung, wie behandelt man deiner Meinung nach Erstattungszinsen bei einem beschränkt steuerpflichtigen Ausländer wie mir?

Laut §20 (1) 7. letzer Satz handelt es sich dabei ja um Erträge aus sonstigen Kapitalforderungen. Diese sind nach §32d mit 25% zu versteuern. Laut §49 (1) 5. sind es aber keinesfalls inländische Einkünfte und m. E. daher in Deutschland nur gemäß §32b beim Progressionsvorbehalt zu berücksichtigen.

Über deine Meinung hierzu würde ich mich sehr freuen.

Gruß

Hans Hoss

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@Luxembourger

Ich bin wirklich beeindruckt. Solche Gesprächspartner kann man sich nur wünschen. Da macht das Antworten richtig Spaß.

Aber nein, wenn Zinsen keine inländischen Einkünfte sind, sind sie im Inland nicht zu versteuern, weder nach § 32d (1) oder nach was anderem. In der Bankenpraxis läuft das so, dass man sich von seinem Finanzamt eine Ansässigkeitsbescheinigung holt und diese der Bank vorlegt. Dann zieht die Bank keine Kapitalertragsteuer ab.

(Fälschlich) abgezogene Kapitalertragsteuer sind nicht anrechenbar, weil sie eben keine KapSt sind, sondern nur so aussehen. Es bleibt nur der Weg über die Erstattung über das Finanzamt der Bank.

Zum Progressionsvorbehalt: Der ist nicht anwendbar, siehe Einleitungssatz zum § 32b(1). Außer im Wegzugsjahr.

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