Steuererklärung, Fahrkosten, Entfernungspauschale?

2 Antworten

Erstmal Gratulation für die gute Arbeitsstelle, die meisten Studenten treffen es schlechter.

Fangen wir mit dem Einfachsten an:

Mit der militärischen kann ich schließlich nichts weiter anfangen.

Falsch, in Afrika und Lateinamerika werden immer Söldner gebraucht und die Bezahlung ist auch gut.

Meine Sachbearbeiterin im Finanzamt möchte mir nun die Entfernungspauschale nicht gewähren und sagt, dass bei sämtlichen der Fortbildung betreffenden Fahrten die Grundsätze der Reisekosten anzuwenden sind, wodurch nur die tatsächlichen Kosten (ca. 500€) berücksichtigt werden.

Aus meiner Sicht richtig, man kann nebeneinander keine zwei erste Tätigkeitsstätten haben. Dort die Reisekostenregelung anzuwenden ist nicht zu beanstanden. Hättest Du nicht den Quatsch mit den zwei Tätigkeitsstätten versucht, wäre für die Dienstreisen 30 Cent pro gefahrenem Kilometer rausgekommen.

Die Arbeitsstelle ist natürlich erste Tätigkeitstelle und dafür gibt es die Entfernungspauschlae.

Ebenso für die Studienkosten den Abzug als Werbungskosten, weil spätestens mit dem Masterstudium die zweite Ausbildung/Fortbildung beginnt.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Steuerbevollmächtigtenprüfung 1979, Steuerberaterprüfg .1986

Gerade mit den zwei ersten Tätigkeitsstätten habe ich mich sehr beschäftigt und in meinem Einspruch daher auf § 9 Absatz 2, Satz 1 EStG „Je Dienstverhältnis hat der Arbeitnehmer höchstens eine erste Tätigkeitsstätte" verwiesen.

Ein Dienstverhältnis besteht somit mit der Universität und eins mit meinem Arbeitgeber. Somit habe ich ganz legitim zwei erste Tätigkeitsstätten.

Seit dem 1. Januar 2014 kann eine erste Tätigkeitsstätte auch eine Bildungseinrichtung sein, die laut Bundesfinanzministerium außerhalb eines Dienstverhältnisses zum Zwecke eines Vollzeitstudiums oder einer vollzeitigen Bildungsmaßnahme aufgesucht wird (Siehe § 9 Absatz 4 Satz 8 EStG). 

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@Ben0815

Wenn Du alles so genau weist und Dir Deiner Sache so sicher bist, warum fragst Du dann die hier anwesenden Steuerberater?

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@wfwbinder

Da ich es eben nicht so genau weiß. Ich habe mich nur eingelesen und dabei kann man schnell etwas falsch interpretieren.

Ich habe daher auf eine zweite, dritte, vierte Meinung setzten wollen, die mir evtl. einen Fehler in meiner Denkweise aufzeigt bzw. meinen Gedankengang bestätigt.

Also vielen Dank für Deinen Kommentar!

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@Ben0815

Na gut, das kam so nicht an. Was übrigens für eine Beurteilung, was die beste Lösung ist, noch fehlt, ist die Entfernung zur Arbeitsstelle und wie gefahren wird. Also Daheim - Uni - Daheim + Daheim - Arbeit - Daheim, oder Daheim - Uni - Arbeit - Daheim?

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@wfwbinder

Ah stimmt.
Die erste Variante "Daheim - Uni - Daheim + Daheim - Arbeit - Daheim".

In der Uni war ich immer von ca. 9Uhr/10Uhr bis ca. 13Uhr -> nach Hause, um 16Uhr zur Arbeit bis 22Uhr und wieder nach Hause.

Die Entfernung zur Arbeit beträgt etwa 8Km und wurde mit den Rad durchgeführt.

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@correct

Dienstverhältnis 1: Uni
Erste Tätigkeitstätte die Uni selbst
Zweite, dritte oder vierte Tätigkeitsstätte wäre bspw. während eines Praktikums, einer Exkursion,...,...

Dienstverhältnis 2: Arbeitgeber
Erste Tätigkeitsstätte Arbeitsstelle bei der ich überwiegend bin
Zweite Tätigkeitsstätte wäre bei einem Kunden. (Habe ich aber nicht)

Nur die erste Tätigkeitsstätte wird über die Entfernungspauschale berechnet. Die weiteren Tätigkeitsstätten werden über die Reisekosten berechnet.

Also ja :D zwei erste Tätigkeitsstätten..... vlt. schlecht ausgedrückt....

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@Ben0815

Also im deutschen EStG lauten die Normen wie folgt:

§ 9 Absatz 2, Satz 1 EStG

Durch die Entfernungspauschalen sind sämtliche Aufwendungen abgegolten, die durch die Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte im Sinne des Absatzes 4 und durch die Familienheimfahrten veranlasst sind.

§ 9 Absatz 4 Satz 8 lautet

Wird dem Arbeitnehmer anlässlich oder während einer Tätigkeit außerhalb seiner ersten Tätigkeitsstätte vom Arbeitgeber oder auf dessen Veranlassung von einem Dritten eine Mahlzeit zur Verfügung gestellt, sind die nach den Sätzen 3 und 5 ermittelten Verpflegungspauschalen zu kürzen:
1.für Frühstück um 20 Prozent,
2.für Mittag- und Abendessen um jeweils 40 Prozent,
der nach Satz 3 Nummer 1 gegebenenfalls in Verbindung mit Satz 5 maßgebenden Verpflegungspauschale für einen vollen Kalendertag; die Kürzung darf die ermittelte Verpflegungspauschale nicht übersteigen.

Ja, und nun weiß ich auch nicht weiter. Du meinst jedenfalls irgendwas anderes.

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@EnnoWarMal

Oh das erste hab ich falsch zitiert^^. Das zweite hast Du falsch zitierst.

§ 9 Absatz 4, Satz 5 EStG

Je Dienstverhältnis hat der Arbeitnehmer höchstens eine erste Tätigkeitsstätte.

§ 9 Absatz 4 Satz 8 lautet

Als erste Tätigkeitsstätte gilt auch eine Bildungseinrichtung, die außerhalb eines Dienstverhältnisses zum Zwecke eines Vollzeitstudiums oder einer vollzeitigen Bildungsmaßnahme aufgesucht wird; die Regelungen für Arbeitnehmer nach bsatz 1 Satz 3. Nummer 4 und 5 sowie Absatz 4a sind entsprechend anzuwenden.

§ 9 Absatz 4a Satz 8 lautet

"Wird dem Arbeitnehmer anlässlich oder während einer Tätigkeit außerhalb seiner ersten Tätigkeitsstätte vom Arbeitgeber oder auf dessen Veranlassung von einem Dritten eine Mahlzeit zur Verfügung gestellt..."

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@Ben0815

Bleibt also übrig:

Je Dienstverhältnis hat der Arbeitnehmer höchstens eine erste Tätigkeitsstätte.

Siehst du das Wort "höchstens"? Das bedeutet, man kann entweder 0 oder 1 erste Tätigkeitsstätte haben.

Und da eine zweite erste nicht mehr die erste ist, kann nur eine Tätigkeitsstätte die 1 kriegen, alle anderen kriegen die 0.

Also ist die Universität die erste Tätigkeitsstätte und das wars.

wodurch nur die tatsächlichen Kosten (ca. 500€) berücksichtigt werden.

Das hab ich sowieso nicht verstanden. Wenn ich nach Reisekostengrundsätzen abrechne, kann ich doch viel mehr abrechnen als mit Entfernungspauschale.

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@EnnoWarMal

Also wäre es gar nicht vorteilhaft für den Fragesteller, zwei erste Tätigkeitsstätten zu haben.

Das FA sagt offenbar, dass der Nebenjob die erste Tätigkeitsstätte ist. Das ist doch gut, denn dort hat er nur 8 km Weg (einfach abzurechnen).

Die 40 km zur Uni kann er dann hin und zurück (also 80 km pro Uni-Tag) als Reisekosten abrechnen. Und solange er nicht über 4500,-Euro kommt, muß er die Kosten ja auch nicht nachweisen. Also darf das FA nicht auf die 500,- für das Semesterticket reduzieren oder Nachweise verlangen, und hiergegen sollte er stattdessen Einspruch einlegen, richtig? Kann er den Einspruch denn noch ändern?

Warum gehst Du jetzt von der Uni als erster Tätigkeitsstätte aus? Das wäre doch ungünstiger, da die Strecke viel größer ist.

(Davon abgesehen lese ich den § 9 Abs. 4 Satz 5 auch so, dass ein Arbeitsnehmer je Dienstverhältnis eine erste Tätigkeitsstätte haben kann, also bei zwei Dienstverhältnissen höchstens zwei.)

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@Andri123

Das ist es doch, was @EnnoWarMal und ich gesehen haben. Die erste Tätigkeitsstelle ist mit der Arbeit verbraucht. Da gibt es Kilometerpauschale und das ist gutes Geld für Fahrrad fahren.

Dann die Uni und das sind Reisekosten.

Insgesamt die beste Lösung.

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@Andri123

Richtig. Wenn das FA die Arbeitsstelle als erste Tätigkeitsstätte ansieht, würde ich mich dagegen nicht wehren.

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@EnnoWarMal

Zunächst möchte ich mich kurz für die Diskussion bedanken! Es hilft mir die unterschiedlichen Denkweisen besser zu verstehen.

"Je Dienstverhältnis hat der Arbeitnehmer höchstens eine erste Tätigkeitsstätte.

Siehst du das Wort "höchstens"? Das bedeutet, man kann entweder 0 oder 1 erste Tätigkeitsstätte haben.

Und da eine zweite erste nicht mehr die erste ist, kann nur eine Tätigkeitsstätte die 1 kriegen, alle anderen kriegen die 0."

Das ist richtig, dabei vernachlässigst Du aber die ersten beiden Wörter. "Je Dienstverhältnis" Ich habe ein Dienstverhältnis mit der Universität und ein weiteres mit meinem Arbeitgeber.

Die Berechnung als Reisekosten wäre für mich vorteilhafter, da ich 80Km pro Tag abrechnen könnte. Das stimmt.
Jedoch.... wäre dies nur möglich, wenn ich ein Auto genutzt hätte und ich mich in einem dualen Ausbildungsverhältnis befinden würde.

Bei Reisekosten werden nur die tatsächlichen Kosten berücksichtigt. Wenn man ein Auto genutzt hat, können als Pauschale die 0,30€ pro Km abgerechnet werden, bei einem Motorrad 0,20€ pro Km.

In der Lohnsteuer-Richtlinie 9.5 Fahrtkosten als Reisekosten steht „Fahrtkosten sind die tatsächlichen Aufwendungen, die dem Arbeitnehmer durch die persönliche Benutzung eines Beförderungsmittels entstehen. Bei öffentlichen Verkehrsmitteln ist der entrichtete Fahrpreis einschl. etwaiger Zuschläge anzusetzen. Benutzt der Arbeitnehmer sein Fahrzeug, ist der Teilbetrag der jährlichen Gesamtkosten dieses Fahrzeugs anzusetzen, der dem Anteil der zu berücksichtigenden Fahrten an der Jahresfahrleistung entspricht [...] Abweichend von Satz 3 können die Fahrtkosten auch mit den pauschalen Kilometersätzen gemäß § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4a Satz 2 EStG angesetzt werden. [...]"

Da ich kein Auto genutzt habe, kann ich folglich nur die tatsächlichen Kosten anführen. (Also die ca. 500€)

Daher wäre meine Variante der "zwei ersten Tätigkeitsstätten" für mich besser. Da ich so zumindest die Entfernungspauschale ansetzten kann, die wesentlich höher ist, als meine tatsächlichen Kosten.

Ich werde die Antwort auf meinen Einspruch abwarten und gebe dann nochmal Rückmeldung.

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@Ben0815

Jo, auf Deine Rückmeldung freuen sich die Steuerberater Enno und Wfw bestimmt!

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@Andri123

Ich habe soeben einen Brief vom Finanzamt erhalten.
Nachdem ich meinen Einspruch nicht zurückgenommen und nochmals auf die oben angegebenen Quellen verwiesen habe, möchte meine Sachbearbeiterin nun nur noch eine Kopie meines Arbeitsvertrags sehen, damit eine Tätigkeit unterhalb von 20 Stunden die Woche bestätigt werden kann.

Also noch ist nichts fest, aber ich denke das geht jetzt so durch.

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@Ben0815

Jetzt ist bereits einige Zeit vergangen. Aber ich wollte mich nochmal melden.

Nachdem ich meinen Arbeitsvertrag eingereicht hatte, war meine Sachbearbeiterin der Meinung, es würde sogar eine Verböserung eintreten, da sie sich irgendwas anderes zusammengeschustert hat, wie viele Tage ich wo war, und was nun meine Erste Tätigkeitsstätte war und was als Dienstreise abgerechnet werden muss.
Ich habe ihr dann geschrieben, dass die Verböserung nur eintritt, da sie weiterhin nur eine Erste Tätigkeitsstätte als Grundlage Ihrer Berechnung annimmt, die Wege zu der anderen ersten Tätigkeitsstätten als Reisekosten abrechnet, und bei dieser Berechnung zudem falsche Zeiträume und Tagesanzahlen nutzt.
Da ich bei dieser Frau jedoch nicht weiter gekommen bin, habe ich darum gebeten, dass sie meine Einkommenssteuererklärung samt aller eingereichter Dokumente an die zuständige Rechtsbehelfsstelle weiter leitet.
Gleichzeitig habe ich meinem Brief das BMF-Schreiben zur Reform des steuerlichen Reisekostenrechts ab 1.1.2014 beigelegt und auf die entsprechenden Seiten verwiesen.

Heute (nach ca. 2,5 Monaten) habe ich einen Anruf von der Rechtsbehelfstelle erhalten.
Um es kurz zu machen, mir wurde vollständig Recht gegeben.
Also Universitäten, die in Vollzeit besucht werden, sind erste Tätigkeitstätten, ebenso wie Werkstudententätigkeiten, bei denen unter 20 Stunden pro Woche gearbeitet wird. Das bedeutet auch, dass man mehrere erste Tätigkeitsstätten haben kann und entsprechend die Entfernungspauschale berücksichtigt werden muss.

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