Sparen mit 50 für das "Alter"?

5 Antworten

Ich halte die Sondertilgungen für den besten Weg weil damit der Tilgungsanteil steigt und damit auch das Haus schneller abbezahlt ist. Bei der Anschlussfinanzierung kannst du dann die niedrigeren Zinsen ebenfalls für eine höhere Tilgung einsetzen. Vielleicht schaffst du es so dass du im Alter keine Kosten mehr fürs Haus hast.

Beim anderen Weg ist der Ertrag unsicher. Würdest du dennoch durch einen invest, z.B. in einen etf, 4% Zinsen erzielen dann wären das bei einem Invest von 2000 Euro 80 Euro pro Jahr, die du dann noch versteuern müsstest. Lohnt sich das?

Das wirklich allerblödeste, das man in deiner Situation mit übrigem Geld machen kann, sind Sondertilgungen. Sie führen logischerweise dazu, dass du dich dann mit dem Thema "wer will ich im Alter sein" in einem Alter beschäftigst, in dem es zu spät ist, noch zu lernen, wie das mit der Rendite funktioniert. Vielleicht macht es dann auch gar keinen Sinn mehr und du lässt es einfach auf einem unverzinsten Tagesgeldkonto, bis du es zur Abfindung deiner Frau, Reparaturen am Haus oder die eigene Pflege brauchst. Zum ein paar Jahre früher in Rente gehen, Weltreise machen, ein Sabatical oder anderes, um das sich die kümmern, die es anders gemacht haben, reicht es dann nicht mehr.

Was genau und wie viel in was? Dafür gibt es Experten (ich bin einer von denen) und leider dürfen und können ausgerechnet die keine Meinung abgeben, ohne dich und deine Verhältnisse genau zu kennen.

Woher ich das weiß:Berufserfahrung

Der letzte Absatz gilt nicht nur für "Experten". Auch "Nichtexperten" sollten besser keine Meinung abgeben, ohne ausreichend Details über FS und deren Verhältnisse zu kennen.

Ich gebe aber mal als "Halbexperte" meine etwas andere Meinung zu den Sondertilgungen ab, ohne genauere Details zu kennen. Sollten bei dem FS keine besonders ungewöhnlichen Voraussetzungen vorliegen, sind m.E. Sondertilgungen das beste, was er machen kann. Diese entsprächen einer absolut sicheren Geldanlage mit einer steuerfreien Verzinsung von 3% und vergleichbares gibt es heute nicht mehr.

Ein möglicherweise vollständig abbezahltes Haus ist immer noch die beste Grundlage für die Alterssicherung.

Dass der FS sich erst jetzt um eine weitere zusätzliche Altersvorsorge Gedanken macht/machen kann, dafür kann er nichts. Auch jetzt wäre ist es nicht zu spät, sich Gedanken darüber zu machen, aber die beste Anlage ist zunächst, seine Schulden abzuzahlen. Wie Du selbst schreibst, ist es nach Tilgung seiner Kredite sicher "zu spät, noch zu lernen, wie das mit der Rendite funktioniert". Das ist es im Grunde aber auch jetzt schon. Mit 50 Jahren und €100/200 pro Monat ist selbst mit größerer Riskobereitschaft bis zur Rente nichts Spektakuläres mehr zu erreichen.

Fazit: Kredite schnellstmöglich tilgen und evtl. weitere freie Mittel zurücklegen, auch "auf einem unverzinsten Tagesgeldkonto, bis du es zur Abfindung deiner Frau, Reparaturen am Haus oder die eigene Pflege brauchst". Du schreibst das abwertend, ich fände das durchaus angebracht und sinnvoll. Und ein wenig besser ginge es auch noch mit Festgeld und ggf. bei etwas Risikobereitschaft sogar noch mit einem ETF-Sparplan.

Mit einer akzeptablen Rente, einem abgezahlten Haus und einer einfach angesparten Reserve von möglichen €30.000+ ließe sich schon einigermaßen sorgenfrei auf das Alter blicken.

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@Zappzappzapp

Es ist mir bewusst, dass es die Meinung gibt, dass man zuerst seine Darlehen zurück zahlen soll. Sie stammt aus einer Zeit, in der man für Darlehen 9 % Zinsen zahlte und es außer einem Sparbuch, das vor Steuer maximal 2 % Rendite brachte, für fast alle keine Alternative gab.

Heute würden zwar scheinbar immer noch alle am liebsten ihr Geld in ein Sparbuch einzahlen, nur gibt es auch Fonds aller Art und aller Risikoklassen und es hat sich rumgesprochen, dass die für jeden die bessere Alternative zum unverzinsten Sparbuch sind.

Der FS ist Ende 40. Also kurz vor der "Kinder-aus dem Haus-Scheidungs-Zeit". Wenn er das Haus noch fünf Jahre abzahlt, kann er getrost auf etwas im Haus sparen, das zu reparieren ist. Im Alter fehlen ihm neben dem, was man so "Leben" nennt, auch das Geld für Reparaturen.

Mit dem Abbezahlen des Hauses fehlt ihm die zu erwartende Rendite auf das Geld, das er (idealerweise vernünftig) anlegt oder ihm feht die (beachtliche) Zulage/Steuervorteil auf eine eigene Altersvorsorge. Dazu kann ihm auch fehlen, dass eine steigende Inflation nur Menschen begünstigt, die Schulden haben.

Zappzappzapp: Welche Risiken siehst du darin, das Darlehen langsamer abzubezahlen und statt dessen via Sparplan ein liquides Vermögen oder eine Riester-geförderte Altersvorsorge aufzubauen? Welches Risiko steht also aus deiner Sicht dem vermutlich unstrittigen Vorteil, jetzt und im Alter mehr Geld liquide zu haben, wenn etwas passiert (Arbeitslosigkeit, Krankheit und so weiter), gegenüber? Warum nicht jetzt anfangen?

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@Rat2010

Mir ist bewusst, das es verschiedene Meinungen gibt. Der Kommentar ist meine.

Die Empfehlung, zuerst Schulden zu tilgen, ist m.E. zeitunabhängig, da die Höhe von Darlehenszinsen und der Zinsen für verzinsliche Anlagen in einem unmittelbaren Zusammenhang stehen. Die Differenz ist heute zugegeben kleiner, aber der von Dir genannte Vergleich aus "alter Zeit" von 9% (beim FS geht es um ein Bauspardarlehen, wann zahlte man dafür jemals 9%?) mit einem Sparbuch zu 2% (ein Sparbuch war noch nie zu empfehlen) ist unrealistisch. Meine Begründung gebe ich im 2. Absatz meines Kommentars.

Ich habe natürlich sowohl gestern als auch heute niemals ein Sparbuch in Erwägung gezogen, sondern würde allenfalls situationsbezogen (nach Darlehenstilgung) Tages-/Festgeld oder auch einen Fondssparplan empfehlen. Davon wiederum sehe ich keins als "bessere" Empfehlung an, da sich das Risiko grundsätzlich unterscheidet und die Empfehlung sich an den Vorstellungen des FS orientieren sollte, die wir nicht kennen.

Der FS hat sein Darlehen im Übrigen nicht in 5 Jahren regulär abbezahlt, sondern benötigte ("ab 2025 Anschlussdarl. mit vermutl. günstigeren Zinsen") dann ein Anschlussdarlehen.

Welche Risiken siehst du darin, das Darlehen langsamer abzubezahlen und statt dessen via Sparplan ein liquides Vermögen oder eine Riester-geförderte Altersvorsorge aufzubauen?

Ich habe nicht geschrieben, dass ich ein besonderes Risiko darin sehe, sondern dass ich keine besonderen Vorteile sehe.

Mit 50 Jahren und €100/200 pro Monat ist selbst mit größerer Riskobereitschaft bis zur Rente nichts Spektakuläres mehr zu erreichen.

Betreffend die Anmerkung

... unstrittigen Vorteil, jetzt und im Alter mehr Geld liquide zu haben, wenn etwas passiert (Arbeitslosigkeit, Krankheit und so weiter) ...

sehe ich das Risiko nicht. Der kurzfristige Liquiditätsvorteil reduziert sich kontinuierlich bis zur regulären Tilgung auf null und in einer wirklichen Notlage könnte man auch auf einen Sparplan oder eine Altersvorsorge nicht so einfach zugreifen. Sollte eine wirkliche Notlage eintreten, bestünde bei einer weitgehend abbezahlten Immobilie jederzeit die Möglichkeit einer kleinen Hypothek zu einem sogar günstigeren Zinssatz als die heutigen 3%.

Sollte man sich nicht für eine Sondertilgung entscheiden und den Aufwand nicht scheuen, könnte man sich sogar noch über eine Umschuldung Gedanken machen, da heute 1-2% möglich sind.

Ich will mich nicht wiederholen, in den beiden letzten Absätzen meines Kommentars habe mein Fazit erläutert.

Ich sehe das alles nicht dogmatisch, ich habe nur meine Meinung beigetragen, jeder muss für sich selbst entscheiden, was für ihn das Beste ist.

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Ich kann dir nur raten, erst das Darlehen abzubezahlen und mir danach Gedanken zu machen, wie ich das dann danach zur Verfügung stehende Geld anlege.

Das Darlehen abzubezahlen ist die beste und sicherste Geldanlage fürs Alter.

Bevor du dir Gedanken über alternative Investitionsmöglichkeiten machst, solltest du erstmal versuchen, den relativ hohen Zinssatz zu senken. Das hängt natürlich von den Konditionen ab. Wenn die Laufzeit noch lange geht, kannst du den Kredit nicht einfach umschulden. Nach 10 Jahren kannst du jeden Kredit kündigen, egal wie lange die Laufzeit vereinbart wurde.

Dann ist es zunächst eine Frage deiner Ziele, ob eine Investition in eine risikoreiche Anlage mit höherer Renditeerwartung wirklich notwendig ist. Die Frage ist allerdings nicht ganz trivial. Da kann dir wahrscheinlich nur ein guter Finanzplaner weiter helfen ;)

Dann ist es noch entscheidend, was zu deiner Risikoneigung passt, damit du keine emotionalen Fehlentscheidungen machst bei soviel Risiko.

Alternativ zur Kredittilgung käme risikoreiche Anlageklassen wie Aktien Small-Caps und Aktien Value-Caps infrage, die mit mehr Risiko als der normale Aktienmarkt verbunden sind. Small-Caps haben eine Renditeerwartung von ca. 12% p.a., nach Fondskosten ca. 9% p.a. und nach Steuern von ca. 6,75% p.a..

Damit hast du hast du zwei Varianten:

  1. aktuell 3% bei 0% Risiko
  2. durchschnittlich 6,75 % p.a. bei ca. 19 % p.a. Volatilität und ca. 70% maximum Draw Down

Die Zahlen sind aus dem Kopf aber entsprechen in etwa den historischen Renditen der letzten 30 Jahre.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung

Meiner Meinung gibt es für Dich in der momentanen Situation keine bessere Geldanlage als Deine Kredite zu tilgen.

Etwas ausführlicher habe ich mich in meinem Kommentar zur Antwort von @Rat2010 geäußert. Ich will den Text hier nicht wiederholen, Du kannst meine Empfehlung dort direkt lesen.

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