Soll ich lieber doch einen ETF in meine Depotstruktur einfügen?

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4 Antworten

Dafür gibt es keine eindeutige Antwort, denn auch wenn diese Studien regelmäßig im Auftrag der Indexing-Industrie solche Ergebnisse publizieren, ist die logische Konsequenz eben gerade nicht, einfach ETFs zu kaufen. Da ich zu diesem meinem Lieblingsthema gerne Romane schreiben könnte, fasse ich mich mal kurz :-)

1. Den Angaben einer US-zentrischen Agentur, die selbst ETFs und Indices verkauft, sollte man nur bedingt trauen - und dies auch nur bedingt auf den europäischen Markt übertragen wollen. Die Korrelation in den US-Märkten ist höher als in Europa und Asien. Stockpicking wird daher immer wichtiger - eine Eigenschaft, die man nicht bei ETFs findet.

2. Wenn 90% aller Fonds schlechter als irgendein Index laufen, dann bedeutet das doch, daß 10% besser sind. Also geht es doch gar nicht darum, sich über die schlechtere (absolut gesehen mögen diese Fonds ja dennoch gut gelaufen sein) Performances dumm-naiv mit einem Rudel Affen und einer Handvoll Darts ausgewähler Fonds zu beschweren, sondern doch lieber auf die 10% der Guten zu setzen, die nach Erfahrungswerten selektiert werden.

3. Es geht doch gar nicht unbedingt darum, einen Index zu schlagen, denn ein Index bringt auch bestimmte Volatilitäten und Risiken mit sich. Ein Fonds wird vielleicht nicht immer einen passend gewählten Index schlagen, aber ob das der Fall ist, wird häufig durch die Wahl des Betrachtungsintervalls bestimmt. Ein Index kann in schlechten Zeiten sich nicht einem 30% Abwärtsdrang widersetzen. Das ist einfach so. Ein Fonds kann aktiv Gegenmaßnahmen ergreifen. Will man gerade kurz nach einer deutlichen Korrektur Positionen liquidieren, ist das sehr ungünstig.

4. In den letzten paar Jahren wurden z.B. Low-Volatility-ETFs modern. Nun zeigt sich, daß diese in den letzten Monaten underperformen. Das liegt daran, daß durch solche Strategien immer auch ein Branchen-Bias eingeführt wird, der zu einer Underperformance in einer entsprechenden Marktlage führen wird.

5. Marktkapitalisierung ist nicht unbedingt ein Maß für Ertrag. Gerade Aufsteiger in größere Indices zeigen, daß es danach erst mal bergab gehen kann, da man sich mit anderen Unternehmen messen muß. Absteiger aus Indices sind oft interessant, da sie neues Potential entfalten können. Das ist so etwas wie das Peter-Prinzip für Aktien :-)

Harmlose Privatanleger verstehen die Zusammenhänge nicht und reagieren daher auf Marktveränderungen nicht mit Verlagerungen ihrer Portfolio-Schwerpunkte oder Umschichtungen von Assetklassen über ihre ETFs, sondern denken, daß dies ebenso Buy-and-Hold-Instrumente sind. Man kauft nicht in Tiefs nach, sondern ärgert sich über die Minuszeichen in der Performance. Auf Hochs jammert man, daß alles so teuer geworden ist, daß man nicht aufstocken will. ETFs benötigen ein aktives Portfoliomanagement und ein sinnvolles Volumen, um dies durchsetzen zu können, ohne viel Performance zu verlieren. Und das Thema der klaren Allokationsstrategie, das bei einer ETF-Anlage unbedingt zu adressieren ist, wird vernachlässigt bis ignoriert. So kann es nicht gut gehen.

Für harmlose Privatanleger ist daher meiner Meinung nach ein Portfolio aus aktiv verwalteten Fonds die Rundum-Sorglos-Lösung mit einem wählbaren Grad an Selbstentscheidung und Erfordernis, diese Selbstentscheidung auch auszuüben.

Natürlich kann man in größere Portfolios einfach eine ETF-Strategie verwenden, um bestimmte Bereiche abzudecken und um gezielt Einzelaktien oder Fonds mit besonderen Schwerpunkten zu ergänzen. Es ist jedoch so, daß man dies auch sehr aktiv verwalten muß.

Ich persönlich hatte mir nach einigen Verlusten erst so um 1996 eine echte Strategie zugelegt und dann primär mit Indexfonds (und den damals nur in USA gelisteten SPDR ETFs) ein Portfolio aufgebaut. Ein paar herkömmliche Fonds und Aktien ergänzten dies. Allerdings erforderte dies recht viel Arbeit und Zeit - so daß zugunsten einer pflegeleichteren Struktur mehr aktive Fonds beigemischt wurden. Bis um 2008 hatte ich ungefähr 50% ETFs und 50% aktiv verwaltete Fonds. Mit der durch die Finanzkrise veränderten Marktlage erhöhten sich die Korrelationen in den Märkten deutlich und verstärkten sich sogar in Downturns. Daher habe ich damals mein Portfolio auf weniger ETFs umgestellt und liege heute bei ca. 20% ETFs, 80% aktiv verwalteten Fonds. Das kostet zwar 1-2 Stunden Arbeit pro Tag, ist aber besser machbar.

Ich arbeite gerne mit ETFs, wenn man diese nicht mit guten Fonds eindeutig belegen kann - einfach, um eine Exposure in den relevanten Marktsegmenten zu haben. Der primäre Gewinn meines Portfolios kommt jedoch von laufenden Rebalancings/Aufstockungen und der Auswahl geeigneter Fonds/ETFs und anderer Instrumente im Rahmen einer festen Gesamtallokation. Ob es für eine bestimmte Position im Portfolio ein herkömmlicher Fonds oder ein ETF wird, muß sich in der Analyse zeigen, denn Fonds wie auch  ETFs sind ja individuell zu bewerten.

Man muß die Performance und die Kosten im Auge behalten. Das ist auch ein Stück weit ein religiöses Thema :-)

US-zentrischen Agentur, die selbst ETFs und Indices verkauft

S&P verkauft selber ETFs? Welche ISINs können das belegen?

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@LittleArrow

Oops. Da ist etwas vom zuvor getippten Text übriggeblieben. Streiche mal "ETFs und" :-) Gut aufgepasst.

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Kosten sind bei jedem Investment ein Faktor. Die TER bei aktiven Fonds ist natürlich höher, als bei einem ETF. Entscheidend is unter dem Strich die Realrendite, die erwirtschaftet wird.

Jeder Fonds hat eine Benchmark an die er sich messen lässt. Ein ETF, der seine Benchmark abbildet wird bis auf den Tracking Error im Grunde die gleiche Performance haben.

Ein aktiver Fonds wäre für mich nur dann interessant, wenn er diese Benchmark schlagen könnte mit einer Outperformance und das nicht nur einmalig sondern dauerhaft.

Der Blick nach vorne ist bekanntlich immer schwerer als der in den Rückspiegel.

Das ist jedoch schwierig von daher bevorzuge ich mittlerweile für mich selber mehrheitlich eine Anlage in ETF's sofern ich kein Stock-Picking betreibe, was natürlich zeit- und arbeitsaufwendig ist.

Entscheidend ist deine Zielsetzung bei dem Investment.

Auch sehr gut dargestellt,danke!

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ETF, Aktienfonds...

Was spricht gegen Aktien? Ein gut gemischtes Aktiendepot mit dividendenstarken, erstklassigen Weltkonzernen wird auch in Zukunft gute Renditen abliefern. Auch hier muss man nicht jeden Tag draufschauen. Ich verwende Aktienfonds und ETFs nur als Beimischung im Depot, speziell für Bereiche in denen ich mir ein Aktieninvestment weniger zutraue (z.B. Russland, Osteuropa).

Vergiss diese Studie, die vermutlich von irgendwelchen Leuten gesponsert wurde, die an ETFs eine Menge Geld verdienen. Such dir stattdessen die 10% die besser sind als der Index

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