Sind thesaurierende Fonds genauso übersichtlich wie ausschüttende Fonds?

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Bei thesaurierenden Fonds siehst Du doch den Kurs :-)

Der Gewinn eines Fonds verbirgt sich in zwei Kenngrößen, die zumindest zum Geschäftsjahresende alle sichtbar sind:

  • Der NAV, d.h. der Kurs eines Fondsanteils, gibt den aktuellen Verkaufspreis an

  • Ein etwa vorhandener Zwischengewinn wird börsentäglich ausgewiesen und beim Kauf gezahlt bzw. beim Verkauf erhalten und so steuerlich berücksichtigt

Manche Fonds thesaurieren und weisen als thesaurierten Beträge zu Jahresende eine Null aus. Diese Fonds haben dann nur Kursgewinne, keine Dividenden und Zinsen.

Thesaurierende Fonds weisen im Bundesanzeiger die ausschüttungsgleichen Erträge zum Geschäftsjahresende jeweils aus. Wenn Du eine gute Bank hast, dann schickt Dir Deine Depotbank auch Abrechnungen bzw. Erträgnisaufstellungen, die diese thesaurierten Erträge ausweisen. Diese ausschüttungsgleichen Erträge sind von Dir ja jedes Jahr zu versteuern, damit Du nicht am Ende bei einem Verkauf ggf. eine Doppelbesteuerung bekommst.

Ich persönlich bevorzuge ausschüttende Fonds, da diese steuerlich einfacher zu behandeln sind und insbesondere bei längerlaufenden Investments nicht die relativ hohe Doppelbesteuerung nach sich ziehen. In manchen Fällen sind die besten Fonds jedoch thesaurierend.

Doppelbesteuerung: hierzu noch ein Hinweis.

Verkauft man einen ausländischen, thesaurierenden Fonds, so wird der Gewinn besteuert. Der Gewinn schließt in diesem Fall die Akkumulation aller thesaurierten Erträge der Vorjahre ein. Da diese von Dir aber schon in den Vorjahren in der Einkommensteuererklärung angegeben wurden, erfolgt nun eine Doppelbesteuerung. Diese doppelt gezahlte Steuer kannst Du Dir anschließend im Folgejahr per Einkommensteuererklärung wieder für die Jahre zurückholen, in denen nachweislich die Erträge des Fonds schon versteuert wurden. Denn "Thesaurierung" bedeutet ja, daß Erträge nicht ausgeschüttet, sondern dem Kurswert des Fonds zugeschlagen werden. Es wäre also idealerweise bei einem Verkauf nur der zusätzliche, ausgewiesene Ertrag zwischen dem Geschäftsjahresende im Vorjahr und dem Verkaufszeitpunkt zu versteuern, sowie Kursgewinne.

Hast Du diese jährliche Angabe leichtsinnigerweise nicht vorgenommen, so würden ausschüttungsgleiche Erträge, die in diesen Vorjahren noch in einem offenen Betrag des Freistellungsauftrags oder gegen einen Topf anrechenbarer Quellensteuer hätten verrechnet werden können, nicht (in dem Jahr, in das das Geschäftsjahresende fiel, das diese Erträge auswies) steuerfrei gehandhabt, sondern beim Verkauf nochmals (über die akkumulierten ausschüttungsgleichen Erträge und die Kursgewinn) besteuert, ohne daß Du diese Doppelbesteuerung wieder zurückbekommen könntest.

Das alles gilt für ausländische thesaurierende Fonds. Bei inländischen Fonds wird die relevante Steuer bereits durch die KVG erledigt, bei ausländischen ausschüttenden durch die Depotbank.

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Das Fondsmanagement wird dafür bezahlt die Buchhaltung zu führen und veröffentlicht die Ergebnisse alljährlich. Und im übrigen haben ja wohl auch thesaurierende Fond eine Notiz der Rücknahmepreise. Wo also ist das Problem?

Das Problem dürfte sein, daß bestimmt 80% der Anleger nicht wissen, daß sie ausschüttungsgleiche Erträge jährlich versteuern müssen bzw. wissen das, tun es aber nicht. Das führt zu wesentlichen Nachteilen, die man als naiver Anleger ja erst mal der thesaurierenden Natur eines Fonds zuschreibt, nicht seinem eigenen Fehlverhalten.

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Du hast es schon erkannt: diese Fonds sind für Profis, die sich intensiv mit ihrem Fonds beschäftigen und den Unterschied zwischen Ertragsthesaurierung und Kursentwicklung ermitteln können. Für den Laien hat der thesaurierende Fonds den Vorteil, dass er sich um die Wiederanlage der Fondsausschüttung nicht kümmern muss, oft auch gar nicht will oder braucht.

Zudem gibt es bei einigen Fonds leider gar nicht die Wahlalternative zwischen ausschüttenden und thesaurierenden Fondsanteilen. Und wenn es sie gibt, dann ist die Verwaltungsgebühr der thesaurierenden Variante niedriger als bei der ausschüttenden; vermutlich weil die ganze Organisation der Ausschüttung erheblich Geld kostet.

Soweit die praktischen Aspekte. Einen steuerlichen Nachteil der ausländischen thesaurierenden Fonds hat bereits die Stiftung Warentest vor über 6 Jahren anschaulich dargestellt, weshalb ich diesen nicht noch mal erläutern will: http://www.test.de/Investmentfonds-versteuern-Vorsicht-Steuerfalle-1512209-2512209/

Man kann sich vorstellen, welche Problematik bei den Nachweisen der Offenlegung der erfolgten Besteuerung im Erbfall oder bei der Fondsübertragung an Familienangehörige entstehen kann. Auch deshalb bin ich ebenfalls dazu übergegangen, auf ausländische thesaurierende Fonds zu verzichten.

Noch weiterere praktische Aspekte:

  1. Wenn der Freistellungsauftrag (FSA) noch nicht ausgeschöpft ist, sind zunächst IMMER ausschüttende Fonds zu bevorzugen. Die lfd. Erträge bleiben dann endgültig steuerfrei, da innerhalb der Freibeträge (!) Und bei Verkauf besteht somit geringeres Risiko, dass die kumulierten Beiträge dann zur Überschreitung des FSA führen.

2. Wenn der FSA ausgeschöpft ist, kann es Sinn machen, bewusst auf thesauriende Varianten zu setzen. Mathematisch am besten sogar auf solche, die im Ausland domizilieren und noch gar keine Steuern auf lfd. Erträge abführen, was thesauriende Fonds mit Inlandssitz ja tun. Damit blieben alle Erträge zur automatischen Wiederanlage im Fonds, was die besten Ertragsaussichten bietet. Erst bei Verkauf werden die gesamten Kurssteigerungen korrekt versteuert, das FA kommt also nicht zu kurz.

Nachteil: Eigentlich müßte man bei thes. Fonds mit Auslandssitz lfd. jährlich versteuern, und bei Verkauf dann wiederum die schon gezahlten Steuern gegenrechnen. Das ist ein Aufwand, dem sich sehr viele - entweder aus Unkenntnis oder auch ganz bewusst - gar nicht erst aussetzen.

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