Sind Kosten für Adoption eines Kindes steuerlich absetzbar?

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Bisher ist die Rechtsprechung der Meinung, dass das keine außergewöhnlichen Belastungen sein können. So z.B.

  • Niedersächsisches FG Urteil vom 08.12.2004 - 3 K 635/03
  • FG Rheinland-Pfalz Urteil vom 15.09.2009 - 3 K 1841/06
  • BFH Urteil vom 13.03.1987 - III R 301/84
  • BFH Urteil vom 03.06.1987 - III R 6/87
  • BFH Urteil vom 20.03.1987 - III R 150/86

Aber Vorsicht! Diese ablehnende Haltung hat die Rechtsprechung auch jahrzehntelang gegenüber der künstlichen Befruchtung mit Fremdsamen eingenommen. Aber dann gab der BFH sie plötzlich auf und sagte:

"Die künstliche Befruchtung der (gesunden) Ehefrau mit Fremdsamen bezweckt ... zwar nicht die Beseitigung oder Linderung von Schmerzen oder Beschwerden als Symptomen der Unfruchtbarkeit des Ehemannes. Sie zielt aber ―wie auch eine homologe künstliche Befruchtung wegen der Sterilität des Mannes― auf die Beseitigung der Kinderlosigkeit eines Paares. Dieser kommt zwar nicht selbst Krankheitswert zu ... Sie ist aber vorliegend unmittelbare Folge der Erkrankung des Klägers. Damit wird auch bei einer heterologen Insemination die durch Krankheit behinderte Körperfunktion beim Kläger ―die Zeugung eines Kindes auf natürlichem Wege―, entgegen der Auffassung im BFH-Urteil in BFHE 188, 566, BStBl II 1999, 761, durch eine medizinische Maßnahme ersetzt... Da die streitige Heilbehandlung im Streitfall...entsprechend den Richtlinien der Berufsordnung der zuständigen Ärztekammer durchgeführt worden ist, hat das FG zu Recht die von der Klägerin geltend gemachten Kosten für die heterologe künstliche Befruchtung als außergewöhnliche Belastung berücksichtigt." BFH Urteil vom 16.12.2010 - VI R 43/10

Wenn man diesen Gedanken mal fortspinnt, könnte es dann evtl. sein, dass man auch bei zeugungsunfähigen Paaren in der Adoption eines Tages eine (kostengünstige, risikoarme und schmerzlose) Behandlung zur Beseitigung der Kinderlosigkeit sieht? Vielleicht muss nur mal einer die Eier haben, das bis vor den BFH zu klagen, damit in dieser Frage Gewissheit herrscht, ob wir noch beim Rechtsstand von 1987 sind oder ob sich - wie bei der Homo-Ehe - die Zeiten geändert haben.

Eine Adoption selbst ist Privatvergnügen und damit nicht steuerlich geltend zu machen. Sollten allerdings umfangreiche medizinische Behandlungen für das adoptierte Kind erforderlich sein, so können diese natürlich steuerlich angesetzt werden... ebenso alle anderen Punkte, die auch für nicht adoptierte, leibliche Kinder gelten.

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