Sind Aktienfonds Sachwerte?

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Dass Aktienfonds auf jeden Fall Sachwerte sind, kann man nicht behaupten. Viele sogenannte Aktienfonds bilden Aktien nur ab oder sind sogar in Aktien "short".

Nicht eindeutig ist auch die Frage, ob Aktien Sachwerte sind. Es gibt schließlich auch Bank und Versicherungsaktien. Und wie steht es um den Sachwert einer riesigen Produktionsanlage auf einem eigenen Industriegelände, wenn die Marktumstände eine rentable Produktion an diesem Standort nicht mehr zulassen?

Der kluge Anleger sollte sich von der Vorstellung verabschieden, dass es im Bereich der Kapitalanlage so etwas wie Sicherheit gibt. Sicherheit ist eine Illusion der Dummen!

Wer intelligent ist sucht den Profit und der ist immer mit Risiko verbunden!

Was sind Sachwerte? Wenn man das in die Diskussion stellt wird man wohl die Auffassung hören, das sei alles was man anfassen kann und was einen Wert hat, eben Immobilien, Edelmetalle, Kunstwerke etc. In Wahrheit aber ist die Beziehung zu diesen Gegenständen eine keineswegs greifbare, sondern rechtliche. Man nennt es Eigentum, also die Berechtigung, über etwas verfügen zu können. Diese Berechtigung hat man aber auch als Aktionär und indirekt investiert man sein Geld über diesem Weg auch in körperlich greifbare Gegenstände. Also ist die Aktie auf diesem Weg indirekt auch Sachwert. Dass sie gemeinhin nicht als solcher anerkannt wird, liegt natürlich daran, dass man da nichts greifen kann.

Danke für Deine Antwort!

Ist aber nicht ganz die Antwort auf die Frage "Sind AktienFONDS Sachwerte" (bzw. Seht Ihr Aktienfonds als Sachwerte an.... Aktien sind für mich auf jedenfall Sachwerte....)

LG

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Sachwerte sind gegenständliche, substanzliche Werte. Beispiele: Immobilien, physische Rohstoffe, Kunstobjekte, Wein, Oldtimer. Auch Unternehmen sind Sachwerte.

Geldwerte sind virtuelle Werte, d.h. reine Nominalwerte in Bezug auf eine Währung, die in ihrem Gegenwert von einer Institution garantiert werden. Beispiele: Cash, Kontoguthaben, Tagesgeldguthaben. Rechte aus Verträgen, die zur Zahlung von Geldwerten führen, werden i.a. auch zu den Geldwerten gerechnet. Daher gehören hier auch Anleihen, Darlehen, Mieteinkünfte etc. dazu. Insbesondere gehören hierzu jedoch auch Swaps, Hebelprodukte und alle anderen Zertifikate. Zertifikate = Verbriefungen von Rechten (Securitizations) werden ja nicht als Sachwert, sondern als Geldwert von Emittenten ganz oder zumindest teilweise garantiert.

Nun kommt die Gretchenfrage: sind Aktien geldwertverbriefte Unternehmensanteile oder tatsächlich Sachwerte? :-) Meine Meinung:

Man könnte argumentieren, daß Aktien Verbriefungen sind, die Rechte zum Empfang von Dividendenzahlungen darstellen, sowie eine Vergeldwertung von Unternehmensanteilen darstellen. Das vernächlässigt meiner Meinung nach jedoch den wichtigen Punkt, daß Aktien eigentlich in der Essenz Anteilsrechte an einer Gesellschaft sind und insbesondere Stimmrechte wie auch Miteigentum an einer Gesellschaft verbriefen. Aktien müssen nicht börsengehandelt sein, sie können auch auf ein privates Unternehmen lauten.

Eine Aktie hat natürlich einen verbundenen Geldwert, da zur Abwicklung von Transaktionen eben Valutierungen erforderlich sind, aber im Grunde ist die Aktie ein Unternehmensanteil, d.h. ein Anteil an einem konkreten Sachwert. Daß dies wirklich so ist, merkt man schnell, wenn man Anteile an einer Gesellschaft hält, die die Haftung der Gesellschafter nicht auf das Einlagekapital beschränkt, sondern Nachschußpflichten beinhaltet.

Das ist ja auch gerade der Streitpunkt bei Xetra Gold und anderen, physisch besicherten Produkten, die eigentlich Verbriefungen von Anteilen eines physischen Sachwertsbestands sind. Der Fiskus interpretiert diese als Geldwerte, während Emittenten und großteils auch Anleger diese als Sachwerte betrachten.

Nun kommt der zweite Punkt: sind Fonds Sachwerte, wenn sie Sachwerte enthalten?

Aus Investmentsicht ist ein Fonds eine Aggregation verschiedener Vermögenspositionen, die von einem Verwalter betreut werden. Sieht man von einem gewissen Anteil an Liquidität ab, der sicher den Geldwerten zuzurechnen sein wird, ist der Rest in einem typischen Aktienfonds nun mal eine Sammlung von Aktien, d.h. von Sachwerten (entlang der obigen Definition). Der Aktienfonds wäre damit größtenteils (je nach Cashposition) ein Sachwert.

UCITS-konforme Fonds haben Sondervermögen, d.h. durch die Art der Konstruktion einer Fondsgesellschaft ist gewährleistet, daß die Bestandspositionen eines Fonds nur treuhänderisch verwaltetes Eigentum der Fondsanteilsinhaber sind. Also wären, dem Wunsch des Gesetzgebers folgend, auch UCITS-konforme Aktien- oder Immobilienfonds größtenteils Sachwerte.

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Letztendlich halte ich die Diskussion um Sach- oder Geldwerte für recht überzogen. Manche Leute argumentieren gerne mit Feindbildern, die einfach zu vermitteln sind.

Sagt jemand, daß er in Emerging Markets Anleihen investieren will, kann man einfach hinwerfen "Aber das sind doch Geldwerte! Bist Du noch bei Sinnen?" und schon weiß der vor fünf Minuten noch potentielle, nun nicht mehr so potentielle Investor nicht mehr, was er jetzt erwidern sollte. Hübsch, um Laien zu beeindrucken und zu suggerieren "das macht man einfach nicht, weißt Du das denn nicht selbst?".

Feindbilder sind Teil des Marketings und haben mit Investmentstrategie nichts zu tun. Investments haben primär etwas mit Risikomanagement zu tun. Man darf nicht überlegen, ob es nun opportun ist, Anlageklasse X, Aktie Y oder Anleihe Z zu kaufen. Man muß überlegen, welche Risiken damit einhergehen, welche Chancen bestehen und wie das in Zusammenwirkung mit einem restlichen Portfolio laufen könnte. Man muß überlegen, welche Kriterien für eine Reduktion, Aufstockung oder Liquidation der Position in Frage kommen.

Antizyklisches Handeln setzt nun mal voraus, daß man sich nicht "Kauft Gold" und "Meidet Anleihen" zu eigen macht, wenn die Bildzeitung das schreibt, sondern genau dann Gold verkauft und in Anleihen einsteigt. Daher wende ich mich hier gerne immer wieder gegen generelle Verteufelungen und dogmatistische Lobhymnen - ob nun zu ETFs, Zertifikaten, Immobilien, Gold oder was auch immer. Es gibt keine Schwarz-Weiß-Welt, sondern jeder muß finden, was er beherrschen kann und die gewünschten Ergebnisse liefert.

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