Schafkopfspiel wo man 1000 Euro verliert, ist das nicht unerlaubtes Glückspiel, was meint Ihr?

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5 Antworten

Als alter Schafkopfer kann ich nur eindeutig klar stellen:

Es handelt sich nicht um ein Glücksspiel.

Beim Schafkopfen werden alle 32 Karten ausgegeben. Jede Karte die gespielt wird ist von Bedeutung und jeder, der es spielt, sollte das wissen. Wer besser spielt, gewinnt langfristig, auch wenn fünf Jahre nicht unbedingt langfristig sein müssen. Auch kann man fast jedes Spiel verlieren und manche gewinnen fast jedes Spiel. Erfahrung und Können sind wesentlich wichtiger als die bei anderen Spielen allein entscheidende Karte.

Es wäre also auch dann in der Öffentlichkeit oder in Kneipen erlaubt, wenn 100.000 € oder mehr über den Tisch gehen oder wenn man mit Chips arbeitet. Es gibt Menschen, die beim Schafkopf buchstäblich Haus und Hof verloren haben. Sie hatten aber sicher kein Pech sondern die falschen Mitspieler.

Nun könnte man überlegen, wie es wäre, wenn Schafkopf einmalig gespielt wird, also dem Spiel, das - per Definition - kein Glücksspiel ist eine Glückskomponente eingeimpft wird. Dazu muss ich anmerken, dass ich jede Menge Varinaten kenne. Es werden aber immer alle Karten ausgegeben und damit ist es wieder kein Glücksspiel, auch wenn man die Glückskomponente erhöht.

Danke Rat, ich kenn Schafkopf nicht so genau, aber der Spiele erzählte mir, daß er an beinem Abend 1000 Euro verloren habe, die spielen wohl mit hohen Einsätzen, das kam mir ganz schön hoch vor.

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Die ganzen Kartenspiele (egal ob Schafkopf, Binokel oder Poker) sind Glücksspiele, und Glücksspiele sind in Deutschland strafbar, wenn sie um Geld gespielt werden und öffentlich statt finden. Wobei öffentlich nur bedeutet, dass sie einem regelmässig wechselnden Personenkreis offen stehen.

Gerade für Poker wurde es 2010 oder 2009 höchstrichterlich entschieden, dass trotz einer Taktikkomponente der Glückspielcharakter überwiegt.

Ich hab mich mit einem befreundeten Richter unterhalten, und er war der Meinung, dass nach der Definition des BGH auch Binokel unter Glückspiel fällt, da das Reizen auf den "Dap" und der Dap selbst bereits eine Art Glückselement darstellt.

Schafkopf dürfte damit in der Schwebe hängen. Wenn die Sache angezeigt würde (wegen illegalem Glücksspiel wohlgemerkt), würde die Sache wohl geklärt werden. Ist der Richter Schafkopfer ist es wohl kein Glücksspiel :-).

Danke Meandor, ich denke die Kartenfreunde spielten privat Daheim, da die so viel verlieren, halte ich das auch für Glücksspiel.

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@Rentenfrau

Wenn Sie in geschlossener Runde daheim spielen, dürfen sie auch ihre Häuser verspielen. Sie dürfen es nur nicht öffentlich machen.

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Dies unten Gesagte gilt im wesentlichen für Poker - das Spiel, das hier angesprochen wird, kenne ich nicht. Ich habe auch keine Vorstellung, wie das Spiel abläuft, und wie hoch der Einsatz ist - zumindest aus den USA kenne ich das Spiel nicht, dort ist es völlig unbekannt.

Wenn es nun doch ein Glücksspiel sein sollte, kann man es vielleicht mit Poker vergleichen.

Zum Strafrecht folgender Link:

http://www.strafrecht-bundesweit.de/strafrecht/beteiligung-am-unerlaubten-gluecksspiel-285-stgb/

Kommentar: Damit sich die Staatsanwaltschaft dafür interessiert, muss natürlich eine Strafanzeige vorliegen, möglichst mit Ort und Namen der Teilnehmer. Nur einer der Beteiligten sollte auch aussagen - das ist zumeist das Problem, nämlich den Nachweis zu führen.

Da die Pokerszene zumeist hochkriminell und gewaltätig ist, kann man Unbeteiligten nur empfehlen, viel Vorsicht und Diskretion walten zu lassen. Vermutlich gilt das hier auch.

Danke gtbasket, mir wurde eben berichtet, daß der Schafkopf-Spieler an einem Abend so viel verloren hat, die spielen dann doch hohe Einsätze, mir kam das sehr suspekt vor.

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So eine Frage gabs schon mal hier:Den Ausgleich einer Spielschuld eigens auf Zettel von Verlierer zugesagt- muss er zahlen? gefragt von guenter68 am 02.09.2010 um 15:39 Uhr Gstern am Stammtisch wurde ich Zeuge, wie mein Freund bei einem Kartenspiel sein ganzes Bargeld verlor. Er war aber so hingerissen, dass er noch einmal um einen hohen Betrag weiter spielte, dann aber wieder verlor und dafür dem Gewinner, weil er kein Bares mehr hatte, auf einem Zettel seine Spielschuld zu zahlen versprach und den Zettel unterschrieb. Kann der Gewinner aus diesem Schuldversprechen gegen meinen Stammtischfreund vorgehen?

beantwortet von Guppy194 am 2. September 2010 18:59 2x schau mal da nach:

§ 762 BGB

Spiel, Wette

(1) Durch Spiel oder durch Wette wird eine Verbindlichkeit nicht begründet. Das auf Grund des Spieles oder der Wette Geleistete kann nicht deshalb zurückgefordert werden, weil eine Verbindlichkeit nicht bestanden hat.

(2) Diese Vorschriften gelten auch für eine Vereinbarung, durch die der verlierende Teil zum Zwecke der Erfüllung einer Spiel- oder einer Wettschuld dem gewinnenden Teil gegenüber eine Verbindlichkeit eingeht, insbesondere für ein Schuldanerkenntnis.

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beantwortet von Rentenfrau am 3. September 2010 02:52 1x Spielschulden - so heißt es, sind zwar Ehrenschulden, aber ich denke aufgrund des Zettels können sie nicht vom Verlierer (Schuldner) eingefordert werden.

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beantwortet von billy am 2. September 2010 19:39 1x Nein kann er nicht weil die ganze Sache Illegal ist. Das Problem für den Gewinner ist, daß er keinerlei Handhabe hat, einen Gewinn ggfs. einzuklagen ohne sich selbst zu belasten.

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beantwortet von Bibax am 2. September 2010 16:40 1x So viel ich weiß, ist selbst ein schriftliches Versprechen der Erfüllung einer Spielschuld unwirksam. Dein Stammtischfreund braucht also sicherlich keinen Anwalt oder Gericht zu fürchten. Es besteht kein Anspruch. Möglicherweise werden aber die anderen Freunde mit ihnen nicht mehr spielen, wenn das Spiel nicht eh verboten ist.

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beantwortet von Manze am 2. September 2010 16:01 1x Rechtlich gesehen sind Verabredungen über die Zurückzahlung von Schulden bindend, egal ob in einem hübschen formellen Vertrag, mündlich oder auf einem Bierdeckel.

Allerdings dürfte das bei den Spielschulden anders aussehen, die hätten rechtlich gar nicht entstehen dürfen, da Glücksspiel um Geld verboten ist, also könnte der Gewinner wohl auch nichts vor Gericht einfordern.

Abgesehen davon, war dein Kumpel nüchtern oder stark betrunken und daher nicht mehr geschäftstüchtig, dann wäre dieser "Vertrag" sowieso hinfällig :-)

Zu den anderen Antworten hier: Nicht jeder sucht sich gleich Schläger, die Schulden für ihn eintreiben. Von einem Kumpel sollte der Verlier jedenfalls keinen Besuch von Inkasso Moskau erwarten.

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beantwortet von qtbasket am 2. September 2010 15:48 1x Wenn der Gewinner seine Spielschulden gerichtlich eintreiben möchte, muss er womöglich Zeugen benennen und zugeben an einem illegalen Glückspiel teilgenommen zu haben. Eigentlich kaum vorstellbar.

Ob der Freund nun aber seine Spielschulden nicht bezahlen muss ? Wohl kaum.

Das Verfahren heisst im Jargon Moskau Inkasso. Nicht bezahlen würde bedeuten seine Gesundheit zu riskieren, um es ein wenig vorsichtig zu formulieren.

Wer bei illegalem Glückspiel mitmacht, sollte das eigentlich wissen.

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beantwortet von mig112 am 2. September 2010 15:46 1x Rechtlich natürlich nicht, da es sich um illegales Glücksspiel handelt.

Mit Moskau-Inkasso wird es wohl klappen... dann bekommt der Gläubiger sein Geld und schätzungsweise 2 Jahre auf Bewährung!

@festung = K.-T. Frh. zu Googleberg ;-)))

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Wie will man diese Summe bei dem Spiel verlieren, wenn man sich an die Regeln hält? Dann müßten alle unsere guten alten Kartenspiele auch zum Glückspiel werden.

Lies mal: http://www.schafkopf-spiel.de/regeln/preisberechnung

Schafkopfen ist wie manche aber nicht alle anderen kein Glücksspiel, worüber wir uns - denke ich - einig sind.

Wie hoch der Umsatz ist, hängt allerdings vom Tarif ab und manchen ist es wichtig, dass die Mitspieler konzentriert sind oder bezahlen, nicht konzentriert zu sein, was sich durch den Tarif steuern lässt.

Wenn also bei einem Tarif 10/50 Cent vielleicht 20 oder 30 Euro den Besitzer wechseln, sind es bei 5/25 Euro maximal 1.000 bis 1.500 Euro. Man kann aber auch mal extrem teure Spiele dabei haben, was passiert, wenn erfahrener Spieler mit allen Trümpfen in zwei Händen aufeinander treffen.

Dazu möchte ich anmerken, dass auch die oft über Jahre und Jahrzehnte gegeneinander spielen und langfristig (idealerweise) unter dem Strich wenig Geld den Besitzer wechselt. Dass einer lange Lehrgeld zahlt kommt aber vor.

Wer es braucht, sollte es sich auch leisten können und das ist der Normalfall. Klare Regeln und Spiele zu "deckeln" bewahrt vor Streitereien.

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@Rat2010

Rat2010: Danke für die Aufklärung. Ich bin immer davon ausgegangen, dass es ein normales Kartenspiel ist und als ich dann in dem Link die Cent-Angaben las, war ich immer noch davon überzeugt. Aber man lernt nie aus.

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