Rohstoffboom vorbei?

...komplette Frage anzeigen

3 Antworten

Die Rohstoffe, die Du nennst, sind alles Industriemetalle. Meinst Du also mit "Rohstoffboom" im Wirklichkeit "Boom der Industriemetalle"?

Die Entwicklung der Preise für Industriemetalle ist etwas komplex und folgt nicht direkt der Konjunktur. Natürlich spielt die Nachfrage eine Rolle, aber hier kommen auch Lagerbestände, Grenzkosten verschiedener Herstellungsoptionen, saisonale und quartalsorientierte Beschaffungszyklen etc. ins Spiel.

China hat seinen Bedarf an Metallen reduziert, da mehr im Land selbst gefördert wird und die Nachfrage aufgrund der verringerten Wirtschaftswachstumsraten auch geringer ist. Man sieht jetzt wieder langsam einen ansteigenden Bedarf in manchen Bereichen, wenn man die Nachfrage in Australien anschaut.

Eine Rohstoffknappheit im Bereich der Industriemetalle könnte bei Palladium entstehen, aber selbst hier gibt es inzwischen Lösungen durch Recycling und zusätzliche Förderländer, so daß die Abhängigkeiten von vor 10 Jahren nicht mehr so bestehen.

Rohstoffe sind kein Investment wie Aktien oder Anleihen, da sie per se keine Zinsen und Dividenden abwerfen. Erträge können nur durch Kursvolatilitäten erreicht werden. Aus diesem Grund halte ich Rohstoffe (egal ob Agrar, Energie, Edelmetalle oder Industriemetalle) als Investment für harmlose Privatanleger für recht unsinnig in den meisten Wirtschaftsphasen. Zeichnet sich eine starke Inflation ab, könnte man auf Edelmetalle setzen, aber selbst das ist eine große Spekulation, da man sehr wahrscheinlich nicht der erste mit dieser genialen Idee sein wird. Rohstoffe erfordern ein Verständnis der Nachfragezyklen oder -phasen, sowie der Angebotsstrukturen. Beispielsweise werden viele Metalle inzwischen auch über Recycling gewonnen. Neue Länder weisen Funde stark nachgefragter Metalle aus und sorgen damit für Preisbewegungen. Streiks in irgendwelchen Minen können für eine kurzfristige Knappheit sorgen, wenn Lagerbestände nicht hoch genug sind.

Auf Rohstoffe kann man mit Hebelprodukten (kurz- bis mittelfristig) oder mit ETCs (mittelfristig) setzen. Man muß dabei neben den genannten, rohstoffbezogenen Einflüsse auch Rolleffekte und ggf. auch Wechselkursauswirkungen beachten. Man muß ein sehr aktives Management dieser Instrumente beherzigen, da nämlich Rohstoffe nicht das Merkmal für klassische Fondsinvestments per Sparplan haben: sie weisen kaufkraftbezogen keine langfristigen Aufwärtstrends aus.

Investments in Aktien rohstofforientierter Unternehmen (z.B. Exploration, Minen, Ausrüster, Gießereien, Recycling, Metallaufbereitung, Händler) bilden nicht notwendigerweise die Preisentwicklungen von Rohstoffen ab. Man kann also nicht einfach Rohstoffe durch entsprechende Aktien ersetzen. Werden Unternehmen durch hohe Marktpreise bei starker Nachfrage gezwungen, auch weniger rentable Geschäfte aufzunehmen, wirkt sich das nicht positiv auf den Aktienkurs und die Ertragslage aus. Vergleiche mal den Goldpreis mit dem Goldbugs-Index.

Daher könntest Du durchaus auf einzelne Rohstoffe oder Rohstoffsubindices für Industriemetalle per ETC oder Hebelprodukte setzen bzw. Kombinationen wie im LU0820952413 nutzen. Das sind jedoch keine Buy-and-Hold-Instrumente. Man wird vielleicht alle paar Monate handeln müssen, um aufzustocken oder zu verkaufen.

Also ist mein Rat eher, nicht das Rohstoffthema zu sehr zu verfolgen, sondern lieber auf ertragsstarke Unternehmen in diesem Bereich über Fonds zu investieren. Da gibt es Durststrecken, wie ein BGF World Mining oder Allianz Rohstofffonds zeigen, aber letztendlich ist Basis solcher Fonds ein Set an Unternehmen, die reale Gewinne erwirtschaften. Tiefstkurse sind eine Kaufgelegenheit.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Nichts wird knapp. Es wird höchstens teuer. Bei allem, das an Börsen gehandelt wird funktioniert der Markt und im Markt geht nichts aus. Es wird - schlimmstenfalls - so teuer, dass es ewig hält oder durch irgendwas ersetzt, so dass es keiner mehr braucht.

Teuer werden Güter, wenn die Nachfrage über dem Angebot liegt und 2007/2008 sah es so aus.

Was ist passiert? Die von der letzten Krise noch geringen Produktionskapazitäten wurden erweitert und weil gleichzeitig die Nachfrage in den Keller ging, sank der Preis.

Nun hat die Weltwirtschaft leicht angezogen aber die Nachfrage aus China lag unter den Erwartungen und dummerweise wurden die Kapazitäten noch kaum zurück gefahren.. Also steigen die Preise nicht.

Wenn du in google mal Schweinezyklus eingibst ist das genau das, was Rohstoffanleger erlebt haben.

Die Preise erholen sich auch wieder und ich finde das Thema für Sparplananleger interessant. Im Vergleich zu Aktien sind Rohstoffe, die Geld kosten und keine Dividende bringen, relativ uninteressant.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von LittleArrow
28.05.2014, 18:51
Thema für Sparplananleger interessant

interessant oder uninteressant?

0

Eines ist doch mal ganz sicher. Ohne Rohstoffe kann die Welt nicht überleben. D.h. die Rohstoffe sind immer noch knappe Güter und die Preise werden deshalb auch wieder steigen. Deshalb antizyklisch investieren, am besten mit einem Aktienfondssparplan. Da mit partizipiert man auch noch vom, Cost-Average-Effect.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von hose66
28.05.2014, 11:24

dass die Rohstoffe knapp werden, liegt auf der Hand. Und daher verwundert mich, dass der Anstieg gestoppt ist.

Danke für die Einschätzung.

0
Kommentar von LittleArrow
28.05.2014, 13:13

Inwiefern hilft ein Aktienfonds, um am kommenden Rohstoffboom zu partizipieren? Und wenn ja, welcher Aktienfonds wäre empfehlenswert?

Wäre für eine Anlage in Rohstoffen nicht ein ETC passender?

ETC = Exchange Traded Commodities (Infos auch unter http://de.wikipedia.org/wiki/Exchange_Traded_Commodities)

0

Was möchtest Du wissen?