Pool für Zweifamilienhaus steuerlich absetzbar?

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1 Antwort

Die Idee mit der Tiefbau-Handwerkerleistung klingt zwar interessant, funktioniert aber nicht. Die Steuerermäßigung nach § 35a Abs. 3 Satz 1 EStG gibt es nur für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen. Im Fall deines Pools handelt es sich aber um Herstellungsmaßnahmen, denn da war vorher ja nichts Pooliges, das erhalten hätte werden können oder zu modernisieren gewesen wäre.

Dir bleibt also nur, Tiefbau und Material zusammenzufassen zu den Gesamt-Herstellungskosten des Pools. Und die sind - da der Pool, so Gott will, länger als 1 Jahr nutzbar ist - über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer eines Pools abzuschreiben (§ 7 Abs. 1 EStG) - allerdings nur in dem Umfang, wie sie auch der Erzielung von Einnahmen dienen. Du hast zwar von Mietern in einem Zweifamilienhaus gesprochen, aber nicht erwähnt, ob nur eine von zwei Wohnungen vermietet ist oder beide oder was sonst. Deswegen unterstelle ich jetzt einfach mal, dass 1 von 2 Wohnungen vermietet ist und dass beide auch noch exakt gleich groß sind. Dann würde die Bemessungsgrundlage der Absetzungen für Abnutzung des Pools genau die Hälfte seiner Herstellungskosten betragen.

Wir stehen also noch vor der Frage: Welche betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer hat ein Swimmingpool? An dem Wort betriebsgewöhnlich siehst du bereits, dass hier auf den durchschnittlichen Umgang der Poolbesitzer mit ihrem Bassin abgestellt wird, z.B. das durchschnittliche Im-Winter-das-Wasser-Ablassen, das durchschnittliche Im-Sommer-Reinpinkeln, Im-Herbst-Blätter-Rausfischen, Im-Frühling-Pool-Putzen usw. Leider gibt es in den amtlichen AfA-Tabellen (soweit für mich erreichbar) keine Position "Swimmingpool", an der man die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer ablesen könnte. Wir müssen uns also mit Analogien und Schätzungen behelfen. Eine Tennishalle schreibt man über 20 Jahre ab, eine Traglufthalle 10 Jahre. Für Uferbefestigungen und Brunnen sind 20 Jahre vorgesehen, für Löschwasserteiche und Wasserspeicher ebenfalls. Mit 20 Jahren bist du also wesentlich näher an dem, was der Fiskus sich vorstellt, als mit den von dir gefühlten 10 Jahren (Es sei denn, es handelt sich um einen Tragluft-Pool; aber wozu braucht man für einen solchen einen Tiefbauer?).

Und noch was: Sei nicht überrascht, wenn du bald Post von der Bewertungsstelle des Finanzamts bekommst und eine neue Einheitswerterklärung für dein Grundstück abgeben musst. Dein Pool erhöht die Grundsteuer.

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Kommentar von Remmi
16.09.2012, 12:10

Vielen Dank für die superschnelle und fundierte Antwort.

Der letzte Abschnitt war hilfreich für meine (eben getroffene) Entscheidung den Pool nicht in der Steuer anzugeben. Die Abschreibung über 20 Jahre würde sich vermutlich mit den Mehrkosten der Grundsteuer decken.

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