Nimmt man bei einem Rohstoff ETF auch daran Teil, dass Grundnahrungsmittel teurer werden?

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3 Antworten

Es gibt ETP, die einzelne Rohstoffe abbilden, und solche, die Rohstoffindices oder -baskets abbilden. Die Rohstoffindices wie CRB, RICI, DJUBS CI, GSCI oder auch der DBLCI enthalten in verschiedenen Anteilen die Rohstoffbereiche Energie, Edelmetalle, Industriemetalle, Agrarrohstoffe und Lebendvieh. Sie investieren in Futures bzw. Optionen auf Rohstoffe und müssen die Kontrakte jeweils vor Auslaufen verkaufen, um sie in neue Kontrakte zu rollen. Man nimmt also am Futuresmarkt der Grundnahrungsmittel Weizen, Mais, Soja etc. teil.

Nun geistern seit einiger Zeit die Gespenster von Rohstoffspekulanten durch die Gegend, die alle Nahrungsmittel teurer machen und damit für viele Menschen in Entwicklungsländern unbezahlbar. Klingt gut und man hat schon wieder ein neues Feindbild: die Nahrungsspekulanten.

Weit gefehlt. Es gibt u.a. eine Studie der OECD von 2010, in der diese Einflüsse untersucht wurden. In der Tat haben Wetter, die Produktion von Biokraftstoffen und vor allem auch der steigende Fleischkonsum in Emerging Markets einen deutlichen Einfluss auf Nahrungsmittelpreise, während der Einfluss von Spekulationen in nur geringem Umfang und mit höchstens kurzfristiger Auswirkung erfolgt. Da Spekulanten die Futures nicht zum Kauf von Schweinehälften oder Mais nutzen wollen, werden sie wieder vor Fälligkeit verkauft. Das drückt zwar nicht den Preis der späteren Futures, wohl aber den der kurzfristig fälligen. Damit ist der Einfluss von Swaps und Futures am Rohstoffmarkt nur begrenzt und nicht langfristig, d.h. nicht preistreibend.

Studie: http://www.oecd.org/trade/agriculturaltrade/assessingagriculturalmarkets/45534528.pdf

Es gibt noch weitere Untersuchungen, die vor allem Effekte wie die Kakao-Spekulation (Link siehe unten), die immer spektakulär durch die Presse gehen, aber letztendlich nur Spekulationen über Spekulationen sind, denn die Absicht einer physischen Lieferung besteht nicht, d.h. man muss einfach nur bis kurz vor Fälligkeit warten. Schafft ein Spekulant es nicht, seine Kontrakte alle loszuwerden, wird er einen deutlichen Verlust einfahren, d.h. der Verkauf erfolgt nicht erst Minuten vor Verfall, sondern deutlich früher.

Abgesehen davon sind in vielen Ländern die lokalen Agrarprodukte nicht durch den Weltmarktpreis, sondern durch lokale Preise bestimmt. Sie sind überhaupt nicht von Spotpreisen oder Terminkontrakten abhängig.

Insgesamt sollen Rohstoffinvestments in einem Portfolio gegen Inflation schützen, d.h. da Rohstoffpreise Inflation mit bedingen, werden sie mit dieser auch ungefähr mitlaufen. Jede Rohstoffklasse hat jedoch ihre eigenen Besonderheiten und jeder Rohstoff ist anderen Einflüssen für die Preisbildung ausgesetzt. Selbst Weizen und Soja unterschieden sich beispielsweise deutlich in der Wettersensitivität.

Man muss solche Indexprodukte klar von aktiven, hochriskanten Spekulationen mit hohem Hebel auf Rohstoffe unterscheiden, die darauf abzielen, einen Großteil von Kontrakten unter Kontrolle zu bekommen, um den Preis zu treiben... bis zu einem gewissen Punkt... und dann schnell zu verkaufen. Diese Hedgefonds spielen mit dem Feuer, denn solche Trades können schnell nach hinten losgehen. Manche Rohstoffe sind nur zu einem Teil am Weltmarkt über Futures gehandelt.

Fühlst Du Dich nicht wohl damit, überhaupt mit steigenden Rohstoffpreisen zu verdienen, solltest Du überhaupt nicht in die Assetklasse Rohstoffe investieren.

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franz1989 02.09.2012, 09:06

Dann trage ich nicht dazu bei dass die Preise steigen? Da der ETF den Index mit Swap darstellt... D.h dass der Etf nur die Perfomance abkauft... Denn sonst besitzt der Swap Etf nur Anleihen... Habe ich das Richtig verstanden?

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gandalf94305 02.09.2012, 09:40
@franz1989

Egal ob der ETF/ETP in Rohstoff-Futures selbst direkt oder indirekt über Swaps investiert - irgendwo am Ende der Kette steht ein Rohstoff-Future, d.h. Du partizipierst an steigenden Rohstoffpreisen. Man kann dies schön in den letzten Monaten sehen, in denen die Preise für Weizen, Mais und Soja aufgrund der Dürre in USA stark gestiegen sind. Gleiches gilt natürlich für die anderen Rohstoffklassen wie Energie, Edelmetalle, Industriemetalle und Vieh. Ob also swap-basiert oder direkt spielt hier keine Rolle. Der Effekt ist der gleiche.

Wesentlich ist die Frage, ob jemand durch künstliche Verknappung von Futures spekulativ und preistreibend in den Markt für einzelne Rohstoffe eingreift, oder ob jemand nur partizipiert. Ersteres ist moralisch oder ethisch eher verwerflich, während letzteres meiner Meinung nach durchaus legitim ist. Selbst die massiven Eingriffe in einzelne Rohstoffmärkte durch den breiten Aufkauf von Futures sorgen jedoch Studien zufolge nicht für nachhaltige Effekte - höchstens für mehr Volatilität.

Preistreiber sind vielmehr Wetter, Nachfrage durch Biokraftstoffe, erhöhter Fleischkonsum, Energiepreise, Krankheiten und ein paar weitere Faktoren.

Damit ist es sehr zweifelhaft, ob ein Verzicht auf Agrarrohstoffinvestments wirklich "armen Ländern" etwas bringen wird.

Lesestoff: http://www.20min.ch/finance/news/story/Kein-Verzicht-auf-Weizen-Spekulation-24137510

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franz1989 02.09.2012, 11:36
@gandalf94305

Also wenn man dann durch künstliche verknappung von Futures in den Markt eingreift ist das Preistreibend (also wenn ich z.b einzelne Futures auf Mais kaufe ist das ethisch verwerflich).

Und wenn man sich nur daran beteiligt dass Rohstoffpreise steigen werden ist das Legitm, und führt zu keiner Preissteigerung...

Aber irgendwie ist man immer mit dabei wenn man in Rohstoffe (Nahrungsmittel investiert)

Mhh so ganz wohl ist mir nicht dabei. Denn ich will mit meinen Investment ja genau Wissen wie das funktioniert. Und will nicht Leute damit schädigen...

Und das mit der Studie weiss ich nicht genau ob das Stimmt (Studie der OECD von 2010)... Denn selbst Dirk Müller sagt dass Wetter Dürre und z.b Herstellung von Bio-Sprit nicht so einen hohen Einfluss auf den Preis hat. Sondern nur die Spekulanten...

Bin am überlegen ob ich zur Stabilisation von meinem Portofolio eher den Rohstoff ETF verkaufen werde und in REITS investieren werde...

Danke dir für deine Hilfe... Denn so ganz einfach zu verstehen ist diese Sache ja nicht...:)

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franz1989 02.09.2012, 12:57
@franz1989

Oder wenn man z.b diesen ETF nehmen würde: LU0419741177

Deiser invesitert nicht in Agrarprodukte... Ist das moralisch un ethisch vertretbar?

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gandalf94305 02.09.2012, 14:01
@franz1989

Dirk Müller ist eine Plaudertasche. Und Feindbilder verkaufen sich nun mal besser als irgendetwas anderes. Hast Du mal den Maispreis entlang der Dürre in den USA verfolgt? Das sind nicht Preise von Spekulanten getrieben, sondern davon, daß die USA wohl nur 30-40% ihrer geplanten Ernte einbringen werden.

Wenn Du derartige Bedenken hast, dann solltest Du überhaupt nicht in Rohstoffe investieren. Die Investition in Industriemetalle und Energie führt nämlich zu dem genau gleichen Effekt in diesen Anlageklassen. Treibt also Deiner Ansicht nach ein Investment in Agrar-Futures den Preis, ist dies bei Erdöl- oder Erdgas-Futures auch nicht anders. Du beteiligst Dich damit an der Spekulation auf höhere Energiepreise, d.h. die armen Leute in den armen Ländern können sich dann nicht mehr ihr Auto leisten. Natürlich können sie sich das ohnehin nicht mehr leisten, da die Industriemetalle ja durch den ETF auch getrieben werden und damit den Autopreis erhöhen.

Sorry, dann investierst Du besser nicht in Rohstoffe.

Ach übrigens: in REITs und auch andere Aktien solltest Du dann auch nicht investieren, da Du Dich ja an der Preistreiberei beteiligst. Bei Unibail Rodamco werden die Mieten für Einkaufszentren teurer, bei Apple wird das iPhone teurer, bei Nestlé die Müsliriegel und Knusperchips, bei Danone das Joghurt und bei K+S die Düngemittel, womit wir wieder bei der Agrarlandschaft wären.

Was Du letztendlich für Dich als "Wahrheit" anerkennst, ist egal. Ich kann nicht sagen, was für Dich moralisch vertretbar ist. Du musst mit Deinen Geldanlagen leben können.

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franz1989 02.09.2012, 16:16
@gandalf94305

Ich finde dass man nur bei Agrarstoffe nicht spekulieren sollte... Denn z.b auf Autos kann man ja verzichten. Aber auf Grundnahrungstoffe nicht.

Wenn ich einen Roshtoff ETF kaufe der nur in Edelmetalle Energie und Industriemetalle investiert, kann ich damit Leben. Da hier z.b ja keine Leute verhungern...

Und wieso sollte ein Produkt teurer werden wenn eine Aktie steigt? Ein Aktienkurs hat ja nichts mit einem Produktpreis zu tun... Oder verstehe ich da was falsch? Oder wenn der Kurs bei Nestle steigt, dann steigt ja nicht automatisch der Preis für ein Nestle Produkt...

Aktien sind ja Sachwerte. Da beteiligt man sich ja an einer Firma. Firma kann expandiern, Arbeitsplätze werden geschaffen usw... Das ist ja was föllig anders als wie wenn man Futures auf z.b Mais kauft...

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Das kommt darauf an, an welche Rohstoffen der ETF partizipiert. Da gibt es unterschiedliche. Lies doch einfach den Fondsprospekt, da steht das drin.

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