Nießbrauch aufrecht erhalten?

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1 Antwort

Ich fange mit einem Aspekt an, den Ihr anscheinend noch nicht gesehen habt: Der Verzicht auf den Nießbrauch kann die Zahlung von Schenkungsteuer auslösen,

http://blog.handelsblatt.com/steuerboard/2011/02/09/verzicht-auf-vorbehaltsniesbrauch-gegen-abfindung/

"Kann" sage ich deswegen, weil es aufgrund der Sachverhaltsangaben unmöglich ist, darüber ein Urteil abzugeben. Außerdem ist gerade in solchen Fällen der Wert der Schenkung recht kompliziert zu berechnen. Ich rate daher dringend dazu, einen Steuerfachmann zu konsultieren bevor man etwas unternimmt.

Auch bei Eurer ersten Frage ist ein Steueraspekt zu beachten. Wenn Euer Vater in der Vergangenheit das Haus zur Ermöglichung der entstandenen Kosten an Euch vermietet hat und er nun auf einmal dieses Haus in seiner Steuererklärung völlig verschwinden läßt, dann wird es mit großer Wahrscheinlichkeit Nachfragen des Finanzamts geben. Eine Vermietung dauert doch nicht nur solange an, wie es einem steuerlich in den Kram passt, sondern solange, wie die Vertragslage besteht. Mit anderen Worten: Ohne Beendigung des Mietverhältnisses ändert sich an dem status quo nichts. Und eine Kündigung des Mietvertrags bei gleichzeitigen "kostenlosen" Aufenthalt im Haus würde icch mir gut überlegen wegen der möglichen Konsequenzen: Für die Zukunft sind diese klar. Der Vater kann Kosten nicht mehr steuerlich geltend machen. Aber auch für die Vergangenheit könnte es Ärger geben. Ich nenne da mal die Stichworte "Gestaltungsmißbrauch" und "Steuerhinterziehung". In solchen Fällen dürfen auch abgeschlossene Steuerfälle wieder aufgenommen werden. Auch aus diesem Grunde würde ich an der bestehenden Lage erst nach Beratung durch einen Steuerfachmann etwas ändern!

Was die Frage nach Insolvenz und Zwangsvollstreckung betrifft: Auch mit Nießbrauch belastete Grundstücke können zwangsverwertet werden. Nur wird es dann komplizierter. In Eurem Fall dürfte sich angesichts des Miteigentums von zwei Personen im Falle des Falles ohnehin kein Interessent finden, der so ein Haus ersteigerrn will.

Da ist in Abs.2 Zeile 2 was vom Text abhanden gekommen: Es sollte heißen "zur Ermöglichung der steuerlichen Geltendmachung der entstandenen Kosten" !

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@Privatier59

Hallo Privatier erst einmal vielen Dank für Deine ausführlichen Antwort. Ich werde mich also flugs an meinen Steuerberater wenden. Nur einige Erläuterungen um hier keine falschen Gedanken zu forcieren: Das Haus ist seit über 100 Jahren im Besitz der Familie. Mein Vater hat das Haus bereits vor 25 Jahren geerbt. Die Renovierung ist jetzt auch ca. 20 Jahre her und die Überschreibung des Hauses auf meine Schwester und mich mit dem Nießbrauch auch schon 10-15 Jahre. Es ging nie um Steuervorteile für meinen Vater, was eine Einnahmenseite angeht, sondern um den Wunsch meines Vaters uns etwas gutes zu tun. Jetzt hat er eben nur ein Alter erreicht in dem er sich gern aus all diesen Dingen einfach heraushalten möchte. Wir suchen jetzt eigentlich nur einen Weg die Sache sauber, rechtlich und steuerlich einwandfrei und mit so wenig Mühen für unseren Vater wie möglich über die Bühne zu bringen. Also keinerlei düstere Absichten. Noch einmal vielen Dank Bis denn Werner

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@WernerHo

Nicht ich habe die falschen Gedanken, sondern darauf hingewiesen, auf welche dummen Ideen Finanzbeamte kommen könnten. Gerade deshalb sollte man die Sache vorher steuerlich durchleuchten lassen, denn hinterher läßt sich da nichts mehr reparieren. Wenn allerdings die Renovierung schon 20 Jahren her ist, dann sehe ich insofern keine Gefahr! Dann bleibt eben nur noch die Sache mit der Schenkungsteuer.

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