Wie gehe ich vor, wenn ich das abgeschlossene Forwarddarlehen doch nicht abnehmen will?

...komplette Frage anzeigen

6 Antworten

Sehr geehrte/r herri,

für die Nichtabnahme eines Forwarddarlehens wird typischerweise eine Nichtabnahmeentschädigung geschuldet. Es gibt nur wenige Ausnahmen, unter denen die Darlehensgeberin bei der Vertragsgestaltung Fehler machte, die zu einer entschädigungsfreien Rückzahlungsmöglichkeit führen.

Es ist in der Tat eine Rechenaufgabe zu entscheiden, ob der Neuabschluss eines Darlehens kombiniert mit der Zahlung der Nichtabnahmeentschädigung für das Forwarddarlehen günstiger ist oder die Inanspruchnahme des Forwarddarlehens zu den vereinbarten Konditionen. Das Aufsummieren aller Zahlungen über die künftigen Laufzeitjahre liefert dabei ein fehlerhaftes Bild, denn die Nichtabnahmeentschädigung ist sogleich zu zahlen, die Raten des Forwarddarlehens dagegen erst im Laufe der Zukunft. Die korrekte Antwort kann nur eine finanzmathematische Analyse unter Benutzung von Zins und Zinseszinsrechnung geben. Das wird von vielen Gutachtern angeboten.

Auch wenn der Vertrag die Wahrnehmung von Sondertilgungsrechten bei einer vorzeitigen Rückzahlung ausschließt, bin ich rechtlich ziemlich sicher, dass diese gleichwohl zu berücksichtigen sind. Der Hintergrund: Vereinbart ein Darlehensnehmer ein Darlehen mit Sondertilgungsrechten, so trägt dieses einen höheren Darlehenszinssatz als ein Darlehen ohne Sondertilgungsrechte. Löst der Darlehensnehmer dieses Darlehen vorzeitig ab, so würde er ohne die Berücksichtigung seiner Sondertilgungsrechte eine höhere Zinsentschädigung zahlen als er zahlen müsste, wenn er überhaupt keine Sondertilgungsrechte vereinbart hätte. Das ist schwer nachzuvollziehen.

Die verweigerten Sondertilgungsrechte bei vorzeitiger Ablösung stellen den Darlehensnehmer schlechter als er stehen würde, wenn er den Vertrag ordnungsgemäß bedient hätte, denn in diesem Fall hätte er seine Zinslast durch die Sondertilgungen reduzieren können. Eine Allgemeine Geschäftsbedingung, welche dem Darlehensgeber aber mehr bei einer Vertragsstörung verspricht als er bei einer ordnungsgemäßen Vertragserfüllung erhalten hätte, stellt eine Vertragsstrafe dar und ist somit höchstwahrscheinlich unwirksam, weil Vertragsstrafen in AGB nicht zulässig sind.

Wie geht man vor? Der erste Schritt ist zu prüfen, ob das neue Angebot kombiniert mit einer Nichtabnahmeentschädigung, die nach den rechtlichen Vorgaben zu ermitteln ist, günstiger ist als das Forwarddarlehen in Anspruch zu nehmen. Das können typischerweise Finanzgutachter übernehmen. Sie können die Höhe der Forwarddarlehensentschädigung sicher kalkulieren und kombinieren diese Berechnung mit dem angebotenen Neudarlehen. Das vergleichen sie sodann mit dem Forwarddarlehen und berechnen die Vorteilahftigkeit der einen oder anderen Variante. Sollte sich die Ablösung als vorteilhaft erweisen, wird der Forwarddarlehensgeberin die Nichtabnahme erklärt - nichts weiter. Nur nichts unterschreiben, denn mit einer Aufhebungsvereinbarung wird der Fall vom Schadensersatzrecht in das Vertragsrecht verlagert. Dann wäre die Höhe des gezahlten Forwardaufhebungsentgelts (nicht mehr Nichtabnahmeentschädigung) nicht mehr überprüfbar.

Ich hoffe, diese Informationen helfen weiter.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. rer. pol. habil. Klaus Wehrt

Diplom-Volkswirt

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von herri
16.03.2013, 16:32

Hallo Herr Wehrt, danke für die umfangreichen Ausführungen. Gut, ihren Vorschlag habe ich verstanden, die Bank nennt mir einen Zinssatz und ich lasse das Ganze von einem Gutachter überprüfen. Ich hatte meine jetzige Bank gebeten, mir mitzuteilen, welchen Zinssatz sie mir momentan bieten würde. Daraufhin bekam ich zur Antwort, dass ich ihnen die Daten des Forwarddarlehens zukommen lassen sollte, und die Höhe der verlangten Vorfälligkeitsentschädigung, man würde dann ein individuelles Angebot erstellen, was ja wohl nur innerhalb gewisser Grenzen geht. Nur wie erfahre ich diese Entschädigung. Erkläre ich nun dem Forwarddarlehensgeber definitiv, dass ich das Darlehen nicht abnehme, obwohl ich nicht weiß, ob es sich lohnt. Kann ich diese Erklärung dann später wieder zurücknehmen, falls die Entschädigung zu hoch ausfallen sollte, oder kann man sowas im Vorfeld erfahren und überprüfen lassen. Da beißt sich die Katze in den Schwanz, auf der einen Seite, weiß ich momentan den Zinssatz nicht, auf der anderen Seite nicht die Höhe der verlangten Entschädigung.

Eine Klausel beim Forwarddarlehen ist mir auch noch nicht so ganz klar: Ist die Darlehensgeberin ohne Bestehen einer Rechtspflicht auf Wunsch des Darlehensnehmers ausnahmsweise bereit, Tilgungsleistungen vorzeitig entgegenzunehmen, schuldet der Darlehensnehmer ein freier Vereinbarung unterliegendes Vorfälligkeitsentgelt.

Gruß Herri

0

Sehr geehrte/r herri,

für Ihre jetzige Darlehensgeberin ist es unbedeutend, welche Konditionen das Forwarddarlehen hat. Es entsteht der Eindruck, als möchte Ihre derzeitige Darlehensgeberin Sie mit einem Zinssatz segnen, der es für Sie gerade noch vorteilhaft sein lässt, das Forwarddarlehen abzulehnen.

Auch ohne die neu angebotenen Konditionen Ihrer jetzigen Darlehensgeberin zu kennen, kann Ihnen jeder auf Bank- und Kapitalmarktanalysen spezialisierte Sachverständige die Höhe der Nichtabnahmeentschädigung ausrechnen. Es stellt also kein Problem dar, auch ohne die Mitwirkung Ihrer Forwarddarlehensgeberin die Höhe der Entschädigung zu kalkulieren.

Beachten Sie bitte, Berechnungen zu den typischen Vorfälligkeits- und Nichtabnahmeentschädigungen fallen höher aus als Berechnungen zu Forwarddarlehensentschädigungen, da bei letzteren eine zinsfreie Vorlaufzeit enthalten ist, die von typischen Programmen zu Vorfälligkeit und Nichtabnahme nicht abgebildet wird. Das ist vom beauftragten Sachverständigen unbedingt zu beachten.

Mit freundlicdhen Grüßen

Prof. Dr. rer. pol. habil. Klaus Wehrt

Diplom-Volkswirt

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von herri
16.03.2013, 17:32

Hallo Herr Wehrt, danke für die weiteren Ausführungen, den gleichen Verdacht habe ich auch bei meiner jetzigen Bank. Eine letzte Frage hätte ich noch, weil Sie oben etwas zu den AGB schreiben:

In meinem Vertrag steht (nicht unter dem Punkt Allgemeine Darlehensbedingungen) Für diesen Vertrag bieten wir Ihnen folgende Kulanzregelung an: Das Sondertilgungsrecht kann ab dem 2. Jahr nach Vollauszahlung einmal im Kalenderjahr i.H. von 2500 Eur bis 10000 Euro in Anspruch genommen werden...... Sondertilgungsrecht findet keine Anwendung bei Berechnung einer Vorfälligkeitsentschädigung Gehört diese Klausel dann zu den AGB, oder ist sie dann nicht anfechtbar?

Gruß Herri

0

herri:

Du als Verbraucher möchtest selbstverständlich alle Vorteile eines Vertrags nutzen dürfen, Vertragsbestandteile wiederum, die dir nicht gefallen und sogar belasten, möchtest du am liebsten nachträglich für unwirksam erklären.

Die vom Darlehensgeber dem Darlehensnehmer vertraglich eingeräumte Möglichkeit, ausnahmsweise Sondertilgungen in bestimmter Höhe p.a. vorfälligkeitsentschädigungsfrei leisten zu dürfen, kann im Rahmen der Vertragsfreiheit an die bekannte Bedingung geknüpft werden. Daran ist nichts auszusetzen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Sehr geehrte/r herri,

es ist so wie mit dem Autokauf. Nachdem Sie den Kaufvertrag unterschrieben haben, ist er für Sie verbindlich. Sie kommen nicht mehr heraus. Doch wenn Sie sich partout weigern, das Auto abzunehmen, dann wird der Verkäufer sie nur auf Schadensersatz verklagen können. Beim Darlehen ist das die Nichtabnahmeentschädigung.

Kein Vertragspartner eines Kaufvertrags kann den anderen auf Durchführung des Vertrags verklagen. Er kann aber seine Rechte auf Schadensersatz geltend machen, was mit der Forderung nach einer Nichtabnahmeentschädigung ja auch passiert.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. rer. pol. habil. Klaus Wehrt

Diplom-Volkswirt

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

@HilfeHilfe und Franzl0503 Natürlich ist das Sondertilgungsrecht ursprünglicher Vertragsbestandteil. Ich hab doch oben geschrieben, dass es im Vertrag steht. Warum soll es nicht legitim sein, dem Darlehensgeber eine angemessene Nichtabnahmeentschädigung zu zahlen und dann auf ein evtl heute billigeres Darlehen zurückzugreifen. Und natürlich würde ich's nicht machen, wenn es zu meinen Ungunsten wäre, deshalb will ich's ja ausrechnen und frage hier. Wird auch von der Verbraucherzentrale so gesehen: http://www.verbraucherzentrale-bremen.de/forward-darlehen-zu-teuer-vereinbart- Und mein Hauptanliegen ist eigentlich das Folgende: Wie geht man nun vor. Erklärt man jetzt beim Forwarddarlehensgeber einfach die Nichtabnahme oder erkundigt man sich im Vorfeld, wie hoch die Nichtabnahmeentschädigung sein würde. Wenn diese zu hoch ist, lohnt sich die Nichtabnahme ja nicht.
Und solche Antworten, wie die beiden bisherigen, sind völlig nutzlos und sinnfrei.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Franzl0503
14.03.2013, 11:11

herri: Es bedarf nur klein wenig Logik um zu erkennen, dass ohne Kenntnis der Höhe der Entschädigung ein Vergleich mit dem Zinsvorteil nicht möglich ist. Und die eigentliche Frage nach der Wirksamkeit der Klausel wurde doch hoffentlich "nutz-und sinnvoll" beantwortet.

0

Hallo,

war das Sondertilgungsrecht ursprünglich im Vertrag inkludiert ?

Falls nein was ich vermute ( Kulanzregelung) finde ich es mehr als ein super entgegenkommen seiten der Bank ! Da es nicht ein Vertragsbestandteil ist wird die Bank dieses Soti-Recht nicht in die Berechnung der VVE einfließen lassen !

Im übrigen folge ich Franzl. Immer schön die Rosinen rauspicken. Ein Forwarddarlehen ist nicht anderes als eine Option die aufgehen kann. Ich nehme an du hast so oder so einen immenesen Zinsvorteil zur alten Finanzierung.

Eine abschließende Frage. Wenn wir jetzt ein Zinsniveau von 5 % hätten. Würdest du der Bank entgegenkommen und deinen Vertrag zu deinen ungunsten ändern ???

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was möchtest Du wissen?