Neuer Steuersatz, was passiert mit den Rechnungen die nicht komplett bezahlt wurden?

2 Antworten

Es ist eigentlich nicht Deine Aufgabe, die neuen und die alten MwSt.-Sätze in den Restbeträgen auseinander zu friemeln, das machen die beauftragten Dienstleister mal bitteschön selbst. Es ist ihr Job!

https://www.haufe.de/steuern/gesetzgebung-politik/absenkung-des-mehrwertsteuersatzes-2020-probleme-in-der-praxis_168_517790.html

Überraschend hat die Regierungskoalition im Rahmen ihres Konjunktur- und Krisenbewältigungspakets am 3.6.2020 verkündet, den Umsatzsteuersatz vom 1.7.2020 bis 31.12.2020 von 19 % auf 16 % bzw. von 7 % auf 5 % abzusenken. Diese auf den ersten Blick für die Wirtschaft erfreuliche Maßnahme wirft aber in vielen Bereichen Fragen auf und macht umfassende und rechtzeitige Beratung notwendig.

  • A N Z A H L U N G E N

Besonders zu beachten ist bei einer Steuersatzänderung die korrekte Ermittlung der geschuldeten Umsatzsteuer, wenn der Unternehmer für seine Leistungen Anzahlungen oder Vorauszahlungen vereinnahmt hat. Dabei sind grundsätzlich die folgenden Möglichkeiten denkbar (die Zusammenstellung erfolgt anhand der Annahme, dass die Absenkung des Steuersatzes nicht über den 31.12.2020 hinaus verlängert wird):

1.) Leistung oder Teilleistung erbracht bis 30.6.2020

=> Ob Anzahlungen geleistet worden sind ist unerheblich

=> Die Leistung unterliegt dem Regelsteuersatz mit 19 % bzw. mit dem ermäßigten Steuersatz von 7 %

2.) Leistung oder Teilleistung erbracht nach dem 30.6.2020 und vor dem 1.1.2021

=> Anzahlungen sind vor dem 1.7.2020 nicht geflossen

=> Die Leistung unterliegt dem Regelsteuersatz mit 16 % bzw. mit dem ermäßigten Steuersatz von 5 %

3.) Leistung oder Teilleistung erbracht nach dem 30.6.2020 und vor dem 1.1.2021

=> Anzahlungen sind ganz oder teilweise vor dem 1.7.2020 geflossen

=> Die Anzahlungen vor dem 1.7.2020 waren mit 19 % bzw. 7 % besteuert worden (der leistende Unternehmer könnte aber auch schon in der Anzahlungsrechnung für Leistungen, die in der Zeit ab dem 1.7. bis 31.12.2020 ausgeführt werden - soweit dies sicher ist -, den Regelsteuersatz mit 16 % bzw. 5 % angeben; in diesem Fall entsteht die Umsatzsteuer auch schon bei Zahlungszufluss mit dem entsprechenden Steuersatz), bei Ausführung der Leistung in der Zeit ab dem 1.7. bis 31.12.2020 sind die Leistungen mit 3 % zu entlasten.

4.) Leistung oder Teilleistung erbracht nach dem 31.12.2020

=> Anzahlungen sind vor dem 1.1.2021 nicht geflossen

=> Die Leistung unterliegt dem Regelsteuersatz mit 19 % bzw. dem ermäßigten Steuersatz von 7 %

5.) Leistung oder Teilleistung erbracht nach dem 31.12.2020

=> Anzahlungen sind ganz oder teilweise in der Zeit zwischen dem 1.7. und dem 31.12.2020 geflossen

=> Die Anzahlungen können mit 16 % bzw. 5 % besteuert werden (der leistende Unternehmer kann aber auch schon in der Anzahlungsrechnung für Leistungen, die in 2021 ausgeführt werden, den Regelsteuersatz mit 19 % bzw. 7 % angeben; in diesem Fall entsteht die Umsatzsteuer auch schon bei Zahlungszufluss in 2020 mit 19 % bzw. 7 %), bei Ausführung der Leistung ab 2021 sind die Leistungen mit 3 % bzw. 2 % nachzuversteuern.

Da die Ausführung der Leistungen erst nach dem 01.07.2020 erfolgt, ist der Steuersatz von 16% anzuwenden. Die Rechnungen müssen korrigiert werden.

Also ist hier ausschlaggebend wann die Leistung erfolgt?

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@Andri123

Vielen Dank an alle! Wir sind Privatpersonen. Dann bedeutet das hier, dass die Dienstleister alle die Schlussrechnung mit 16% besteuern müssen. Bis auf die Dame die mein Brautkleid näht sowie die Hochzeitsplanerin. Diese haben ihre Leistung erbracht, zumindest Teilweise. Ich habe noch von keinem eine Schlussrechnung

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Ist wahrscheinlich nur eingeschränkt oder gar nicht korrekt. Denn es wurden Anzahlungen geleistet. Siehe oben, Thema ABGRENZUNG.

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@Maerz2019

Auch bei geleisteter Anzahlung erfolgt die vollendete Leistung erst nach dem 30.06. Was soll da abgegrenzt werden? Spätestens mit der Schlussrechnung müssen die 16% auf die Rechnung für die gesamte Leistung.

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@Wassonst

Spätestens mit der Schlussrechnung müssen die 16% auf die Rechnung für die gesamte Leistung.

Stimmt nicht, steuerliche Abgrenzungsposten zu beachten (Anzahlungen), ich schrieb es bereits ... siehe oben. Lies mal - keine ganz einfache Materie ... Ist nicht mit zwei Sätzen zu beantworten ... .

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@Maerz2019

Ja, das weiß ich und ich kenne das alles bereits. Deswegen hat auch bei bereits geleisteten Anzahlungen mit 19% spätestens bei SR eine Entlastung um 3% zu erfolgen. Steht übrigens genauso in deinem zitierten Text.

Außerdem dürfte es sich hier beim Fragesteller um eine Privatperson handeln.

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@Wassonst

So würde ich es auch sehen ‼️

Durch die Anzahlung sicherte sich der Dienstleister lediglich seinen zukünftigen Auftrag. Die Dienstleistung selbst sowie die daraufhin anschließende Schlußrechnung erfolgt erst ab 01.07. ‼️

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@Wassonst

Ok Fr. Prof. Dr. Steuer-Expertin, :-)) Ich gebe mich in aller Demut geschlagen. Sie haben Recht. Denn es gilt wohl dieser Fall für den Fragesteller, wenn die Leistungen ab dem 01.07. erfolgen. Beim Brautkleid und Co. dürften Leistungen bereits vor dem 30.06.20 erfolgt sein. Das Brautkleid wird auf Maß vielleicht schon längst geschneidert sein, aber noch vielleicht noch nicht ganz bezahlt worden sein ... .

3.) Leistung oder Teilleistung erbracht nach dem 30.6.2020 und vor dem 1.1.2021

=> Anzahlungen sind ganz oder teilweise vor dem 1.7.2020 geflossen

=> Die Anzahlungen vor dem 1.7.2020 waren mit 19 % bzw. 7 % besteuert worden (der leistende Unternehmer könnte aber auch schon in der Anzahlungsrechnung für Leistungen, die in der Zeit ab dem 1.7. bis 31.12.2020 ausgeführt werden - soweit dies sicher ist -, den Regelsteuersatz mit 16 % bzw. 5 % angeben; in diesem Fall entsteht die Umsatzsteuer auch schon bei Zahlungszufluss mit dem entsprechenden Steuersatz), bei Ausführung der Leistung in der Zeit ab dem 1.7. bis 31.12.2020 sind die Leistungen mit 3 % zu entlasten.

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@Maerz2019

Wir haben allerdings keine Rechnung bekommen sondern nur ein „Angebot“ unterschrieben

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@Maerz2019

😉..... lese hier leichte Ironie heraus, grins.... 😁

@Maerz2019.....wir haben uns doch alle lieb, oder 🤔❓

Ich finde es legitim, Meinungen zu hinterfragen oder sie ggf. in eine andere Sichtweise zu lenken....wenn es denn letztlich dem Sachverhalt dient. 🤷‍♀️

Was mir als unnötig schwammig auffällt, ist diese Art Beschreibungen zur praktischen Durchführung.....

..... " der leistende Unternehmer

k ö n n t e

aber auch schon in der Anzahlungsrechnung für Leistungen, die in der Zeit ab dem 1.7. bis 31.12.2020 ausgeführt werden - soweit dies sicher ist -, den Regelsteuersatz mit 16 % bzw. 5 % angeben".....

Was soll das "könnte" in dem Zusammenhang schon wieder, so etwas irritiert den Verbraucher doch nur und wirft unnötig Fragen auf. 😴

Ich wünsche dir einen schönen restlichen 🌤️ Donnerstag 🙋

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