Negative Einlagen-Zinsen - wie genau implementieren?

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4 Antworten

Also wie es technisch abgewickelt würde, so es denn kommt ( wobei die EZB schon so viel Mist gebaut hat, dass sie den Mist wohl auch noch machen wird.... ).

Für die zu haltende Mindestreserve gilt bisher der Zinssatz der Hauptrefinanzierungssatzes. Bisher 0,25 % . Dieser kann theoretisch jeden Wert annehmen, also auch theoretisch negativ. Das wäre dann aber nur eine Buchung linke Tasche , rechte Tasche für die EZB. Die Entscheidende Frage ist ja, wie sich die Geldmarktsätze entwickeln würden, wenn die EZB - voll krass - den Hauptrefisatz um ganze 50 Bps. runter nimmt , auf Minus 0.25 %....

Die Fazilitäten sind ja immer um den Hauptrefisatz herum. Die EZB ließ schon öfters verlautbaren, dass sie u.U. die Abstände vom Hauptrefi zu den Fazilitäten verringen will. Dies wäre eine sehr gute Entscheidung. ( Ich präferiere : 0.00 ; 0,125 ; 0.25 ). Daher wird es aber wohl nicht kommen. Der Worstcase wäre eine Vergrößerung am unteren Ende, also z.B. Hauptrefi "unchanged" und Einlagenfazilität auf Minus 0,25 % und ein "Strafzins" für alle Einlagen über der Mindestreserve auf den laufenden Konten der Banken. Wenn das kommt, könnte der Schuss vollkommen nach hinten losgehen. Da Sicherheit ( also im Zweifel lieber zuviel im Hauptrefi nehmen und die Spitzen dann wieder in die Einlagenfazilität geben ) dann nicht mehr 25 sondern 50 Basispunkte kosten. Dann werden noch mehr Banken nicht mehr auf Sicherheit spielen und die Geldmarktsätze werden u.U. noch weiter ansteigen. Und dann wird die EZB völlig druchdrehen und dann geht es uns dreckig......

Auf eines würde ich gerne hinweisen, weil es in deiner Frage so rüberkommt, aber ein großer, weit verbreiteter Irrtum ist : Banken brauchen Zentralbankgeld nur für die Mindestreserve und den Bargeldumlauf. Für das Kreditgeschäft brauchen sie es nicht. Es wird auch nicht weniger, wenn die Bank Geld verleiht. D.h., der mangel an Krediten hat seine Ursache nicht in einem Mangel an Zentralbankgeld - auch wenn uns die Nullblicker in der Kaiserstrasse 29 in Frankfrut das seit Jahren glauben machen wollen.

Bereits in 2012 wurden die Deposit Facility Zinsen auf Null gesetzt, d.h. es gab unmittelbar danach eine deutliche Reduktion der Einlagen um über 500 Mrd EUR. Zinsen werden von der ECB ohnehin nur auf die erforderlichen Reserven (ca. 100 Mrd. EUR), nicht auf die zusätzlich geparkte Liquidität gezahlt. Während im ersten Halbjahr die Deposit Facilities noch bis zu 800 Mrd EUR Einlagen verzeichneten, liegen diese heute nur noch bei unter 100 Mrd. EUR. Banken parken ihre liquiden Mittel daher nicht mehr primär bei der ECB, sondern in anderen Zentralbanken und Assets.

Negative Einlagezinsen könnten auf die Excess Funds (im Current Account über die Mindestreserve geparkte Liquidität) oder die Deposit Facility angewandt werden, indem beispielsweise Gebühren erhoben würden. Der Vorteil der ECB-Facilities ist ja, daß ein Transfer innerhalb des EUR-Systems sehr schnell möglich ist. Deposits in anderen Zentralbanken oder Assets haben diese Eigenschaft nicht oder nur sehr beschränkt. Daher sind die ECB Facilities weiterhin interessant, aber ihre Attraktivität wird sich zunehmend als Kompromiß darstellen.

Hallo lieber(r) Palumenis:

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Damit ist Deine Frage leider nicht beantwortet, aber meine Antwort beendet.

Garantiert gibt es Beschränkungen für die Umbuchung in die Mindestreserve. Und wenn nicht, dann werden die sich schon was einfallen lassen.

Die Mindestreserve steht gar nicht zur Diskussion.

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