Nach 5 Jahren in Saudi Arabia zurück nach Deutschland. Zuzugsteuer?

2 Antworten

Der Fall ist sehr viel komplexer, als Du denkst.

Leider gibt es zwischen Saudi Arabien und Deutschland nur ein DBA für die Luftfahrtunternehmen und deren Mitarbeitern, daher ist die Besteuerung nach den allgemeinen Vorschriften durchzuführen.

Durch den Zuzug nach Deutschland habt ihr in 2018 hier einen Wohnsitz und seid damit unbeschränkt einkommensteuerpflichtig.

So kommen auch die Einkünfte von Jan.- Juli 2018 ins Spiel. Die sind ja mangels Einkommensteuer in Saudi Arabien nicht besteuert worden womit auch keine anrechenbare Steuer vorhanden ist und eben kein DBA, was diese Einkünfte in Deutschland von der Besteuerung freistellt.

Allerdings eine kleine Entwarnung, der Steuersatz von 43 % ist nahe dem Spitzensteuersatz und gilt natürlich nicht für die gesamten Einkünfte. Die Besteuerung in Deutschland beginnt mit einer steuerfreien Zone von 9.000,- (verheiratete 18.000,-). Danach beginnt es mit 14 % was dann ansteigt, bis ab 250.000,- 45 % gelten.

Ausserdem sollte der Vertrag mit Deinem Arbeitgeber geprüft werden, warum diese 10 % einbehalten wurden.

Eventuell gelten die ja schon als früher zugeflossen und sind nicht mehr zu versteuern.

Wende Dich an einen Steuerberaterkollegen, der sich mit Auslandbeziehungen auskennt.

Vielen Dank fuer Ihre Antwort.

  1. Ist es richtig das 183 Tage Regelung is anwendbar nur wenn DBA zwieschen 2 Laende besteht? Warum kann ich es nicht fuer meinen Fall anwenden?
  2. Was waere fuer mich gute Strategie? Wird es helfen wenn ich in October/November nach D komme? oder 1 January 2019?
  3. Wird es helfen wenn ich nach 15te August (laetze Tag in Saudi) zuerst in Urlaub fahre fuer 2 monaten und abwarte bis Saudi das Geld an Deutsches Konto ueberweist? (In diesen Fall bin ich noch nicht in D)
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@litvina
Ist es richtig das 183 Tage Regelung is anwendbar nur wenn DBA zwieschen 2 Laende besteht? Warum kann ich es nicht fuer meinen Fall anwenden?

Diese 183 Tage Regelung ist eine Art Mythos, der von den meisten Leuten völlig falsch eingeschätzt wird. Und richtig, sie kommt nur in DBAs vor. Hier ohne Bedeutung.

Was waere fuer mich gute Strategie? Wird es helfen wenn ich in October/November nach D komme? oder 1 January 2019?

Wenn es ginge wäre 01. 01. 2019 für Dich tatsächlich die Beste Lösung. alles vor dem 01. 01. wäre damit für den deutschen Fiskus völlig irrelevant. Ich hätte es Dir vorgeschlagen, wenn Dein Sachverhalt die Sache nicht schon so sicher gemacht hätte.Ausserdem, rechtfertigt der Steuervorteil den Verzicht auf 4 Monate Gehalt?

Wird es helfen wenn ich nach 15te August (laetze Tag in Saudi) zuerst in Urlaub fahre fuer 2 monaten und abwarte bis Saudi das Geld an Deutsches Konto ueberweist? (In diesen Fall bin ich noch nicht in D)

Nein, denn Du hättest ja in 2018 trotzdem schon einen Wohnsitz in Deutschland.

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@wfwbinder

Vielen Dank noch Mal.

Ich habe mit Finanzamt telefoniert. Dort wurde mir fast dasselbe gesagt, mit folgende Unterschied:

Ich muss nicht meine Saudische Gehalt von Januar-August'18 versteuern. (Ich ueberweise dieses Monatlichen Einkommen jedes Monat nach D. ) Finanzamt hat es argumentiert mit dem Fakt dass ich in D nicht angemeldet war. Wer hat Recht? Sie oder Finanzamt?

  1. Koennen Sie einen passenden Steuerberater mit Auslandbeziehungen vorschlagen ?
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@litvina
Koennen Sie einen passenden Steuerberater mit Auslandbeziehungen vorschlagen ?

In welcher Gegend von Deutschland? Man muss keine 200 Kilometer fahren.

Wo? Hamburg Hannover, Berlin, Köln, Frankfurt, Nürnberg München, Stuttgart?

Finanzamt hat es argumentiert mit dem Fakt dass ich in D nicht angemeldet war. Wer hat Recht? Sie oder Finanzamt?

Wie schon gesagt, es muss genau geprüft werden. Ich halte die generelle Aussage des Finanzbeamten am Telefon für Bedenklich. Seine aussage hat keine Bindungswirkung, die Entscheidung fällt bei der Veranlagung.

Grundsätzlich gilt erstmal: "Hat man in einem Jahr einen Wohnsitz in einem Land, dann ist man dort unbeschränkt Einkommensteuerpflichtig mit seinem Welteinkommen."

Es ist dann der Einzelfall zu prüfen. WAs auf jeden Fall eintritt (auch bei Steuerfreiheit), ist der Progressionsvorbehalt. Also der Einfluss dieses Einkommens auf den Steuersatz für das steuerpflichtige Einkommen.

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@wfwbinder

Herr WFWBinder:

>Wo? Rostock/Aachen (weiss es nocht nicht )

Zueruck zur Frage:

Besteht die unbeschränkte Steuerpflicht nicht während des gesamten Veranlagungszeitraumes, z.B. wegen Wegzugs aus oder Zuzugs nach Deutschland (zeitweise unbeschränkte Steuerpflicht), so sind die außerhalb der Zeit der unbeschränkten Steuerpflicht erzielten ausländischen Einkünfte für die Ermittlung eines besonderen Steuersatzes zu berücksichtigen (§ 32b Abs. 1 Nr. 2, Abs. 2 Nr. 2 EStG, Progressionsvorbehalt). Dies soll nicht nur dann gelten, wenn außerhalb der Zeit der unbeschränkten Steuerpflicht beschränkt steuerpflichtige Einkünfte erzielt werden, sondern auch dann, wenn nach Ende oder vor Beginn der unbeschränkten Steuerpflicht überhaupt keine Einkünfte in Deutschland erzielt werden und somit in dieser Zeit keine Steuerpflicht besteht. Der BFH hat diese Regelung in zwei neueren Entscheidungen als rechtmäßig angesehen (BFH, Urteil v. 19.12.2001, I R 63/00, BFH/NV 2002 S. 584 und vom 15.05.2002, I R 40/01, BStBl 2002 II S. 660). Das FG Hamburg folgt dieser Linie, wenn auch zum Teil mit abweichender Begründung. Von hier

https://www.haufe.de/steuern/steuer-office-kanzlei-edition/progressionsvorbehalt-bei-zeitweise-unbeschraenkter-einkommensteuerpflicht_idesk_PI5592_HI969037.html

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>Ausserdem, rechtfertigt der Steuervorteil den Verzicht auf 4 Monate Gehalt?

Ich Frage weite um zu wissen dass ich es korrekt verstehe.

Nehmen wir an dass Ersparnisse (2013-2018) sind 80,000. Gehalt in Saudi, 01.01.2018-15.08.2018, 50,000. Gehalt in D. Sept-Dezember, 4x5000=20000 Bruttto. Mach insgesamt 80,000+50,000+20,000=150,000 zu versteurn. Dass macht 45.760 Steuern fuer 2018. Richtig?

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@litvina

Die 80.000,- sehe ich mal vorbehaltilich einer genauen Prüfung als nicht steuerpflichtig, weil alte Jahre.

Meines Erachtens geht es um Idealfall nur das Einkommen in Deutschland ist zu versteuern = Steuer 0,- und schlechtester Fall, das Gehalt aus Arabien + Einkommen Deutschland ist zu versteuern Steuer 14.500,-.

Damit ist die Entscheidung klar, der Verzicht auf 4 Gehälter ist größer, als die Steuer.

Die Nachzahlung betrifft alte Jahre und ist praktisch nur die Auszahlung einer Art Kaution. Aber natürlich müsste man sich den Vertrag ansehen.

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Die Antwort halte ich nicht für richtig, Herr Binder.

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@Petz1900

Darf ich fragen was ist nicht richtig bei Antwort von Herr Binder? Für mich ist wichtig ob Einkommen Januar-August in Spiel kommen oder nicht (ich war in diese Zeit nicht in D., nur in Saudi). Wenn Ja, dann erhöhen die nur Steuersatz (auf 43%) oder muss ich diese komplette Summe besteuern?

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@litvina

Es ist ein Zuzugsfall, da man bis zum Zuzug nicht in D steuerpflichtig war, unterliegen die Einkünfte aus Saudi-Arabien nur dem Progressionsvorbehalt

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@Petz1900

to Petz1900.

Sorry, ich wiederhole mein Post. Ich denke dieses Info verstaerkt Ihre Antwort.

(IMHO: Ich bin nicht unbeschränkte Steuerpflichtig, ich bin zeitweise unbeschränkt steuerpflichtig)

Besteht die unbeschränkte Steuerpflicht nicht während des gesamten Veranlagungszeitraumes, z.B. wegen Wegzugs aus oder Zuzugs nach Deutschland (zeitweise unbeschränkte Steuerpflicht), so sind die außerhalb der Zeit der unbeschränkten Steuerpflicht erzielten ausländischen Einkünfte für die Ermittlung eines besonderen Steuersatzes zu berücksichtigen (§ 32b Abs. 1 Nr. 2, Abs. 2 Nr. 2 EStG, Progressionsvorbehalt). Dies soll nicht nur dann gelten, wenn außerhalb der Zeit der unbeschränkten Steuerpflicht beschränkt steuerpflichtige Einkünfte erzielt werden, sondern auch dann, wenn nach Ende oder vor Beginn der unbeschränkten Steuerpflicht überhaupt keine Einkünfte in Deutschland erzielt werden und somit in dieser Zeit keine Steuerpflicht besteht. Der BFH hat diese Regelung in zwei neueren Entscheidungen als rechtmäßig angesehen (BFH, Urteil v. 19.12.2001, I R 63/00, BFH/NV 2002 S. 584 und vom 15.05.2002, I R 40/01, BStBl 2002 II S. 660). Das FG Hamburg folgt dieser Linie, wenn auch zum Teil mit abweichender Begründung. von hier https://www.haufe.de/steuern/steuer-office-kanzlei-edition/progressionsvorbehalt-bei-zeitweise-unbeschraenkter-einkommensteuerpflicht_idesk_PI5592_HI969037.html

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Herr Binder, ich respektiere Ihre Meinung sehr, ich habe von drei Quellen (meine Deutsche Kollegen die ähnliche Problem haben haben Experten gefragt gegen Gebühr und ich habe selbst ein Finanzamtbehoerde gefragt) Information bekommen, dass Verdienste in Saudi Arabia in Jan-Aug 2018 nur den Steuersatz von Deutsches Gehalt (Sept- Dez) beeinflussen. Also in meinem Fahl werde ich nicht 23% von 20,000 zahlen, aber 43% von 20,000. Und ich muss nicht 50,000 (Saudisches Gehalt in Jan-Aug) in D. besteuern. Ich bin sehr vorsichtige man, deswegen frage ich Wer hat Recht? Sie oder diese Experte?

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@litvina

Ich hatte doch schon geschrieben, dass ich nach nochmaliger Prüfung dem Urteil von Petz anschieße, dass das Einkommen aus Arabien dem Progressionsvorbehalt unterliegt.

Woran ich festhalte, dass ich über die Nachzahlung nur urteilen würde, wenn ich den Anstellungsvertrag kennen würde. Ich bin nicht zwingend der Ansicht, dass dieses Einkommen 2018 betrifft.

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Ja, hier liegt ein Zuzugs- und kein DBA-Fall vor.

Die Einkünfte vor dem Zuzug unterliegen dem Progressionsvorbehalt nach § 32b Abs. 1 Nr. 2 EStG.

Grundsätzlich sind deine Überlegungen also richtig, ohne die Zahlen nachgerechnet zu haben.

From here

https://www.haufe.de/steuern/steuer-office-kanzlei-edition/progressionsvorbehalt-bei-zeitweise-unbeschraenkter-einkommensteuerpflicht_idesk_PI5592_HI969037.html

Besteht die unbeschränkte Steuerpflicht nicht während des gesamten Veranlagungszeitraumes, z.B. wegen Wegzugs aus oder Zuzugs nach Deutschland (zeitweise unbeschränkte Steuerpflicht), so sind die außerhalb der Zeit der unbeschränkten Steuerpflicht erzielten ausländischen Einkünfte für die Ermittlung eines besonderen Steuersatzes zu berücksichtigen (§ 32b Abs. 1 Nr. 2, Abs. 2 Nr. 2 EStG, Progressionsvorbehalt). Dies soll nicht nur dann gelten, wenn außerhalb der Zeit der unbeschränkten Steuerpflicht beschränkt steuerpflichtige Einkünfte erzielt werden, sondern auch dann, wenn nach Ende oder vor Beginn der unbeschränkten Steuerpflicht überhaupt keine Einkünfte in Deutschland erzielt werden und somit in dieser Zeit keine Steuerpflicht besteht. Der BFH hat diese Regelung in zwei neueren Entscheidungen als rechtmäßig angesehen (BFH, Urteil v. 19.12.2001, I R 63/00, BFH/NV 2002 S. 584 und vom 15.05.2002, I R 40/01, BStBl 2002 II S. 660). Das FG Hamburg folgt dieser Linie, wenn auch zum Teil mit abweichender Begründung.

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