Frage von Dummbaer, 35

Muss eine Nachforderung für Mietnebenkosten 18 Monate nach Ende des Mietverhältnisses die eindeutige Kontoverbindung des Zahlungsempfängers tragen?

Auf dem Schreiben stand: "Bitte überweisen Sie auf das Ihnen bekannte Konto". Dieses war uns zu dieser Zeit aber nicht mehr bekannt, also wollte ich eine Mahnung abwarten.

Natürlich hätte ich nachfragen können, aber von Präzisa darf man doch wohl auch eine eindeutige Angabe erwarten. Nun kam ohne jegliche Mahnung das Schreiben einer RA-Kanzlei, natürlich mit sattem Aufschlag.

Mietende war Mai 2015, das Schreiben kam (leider) als E-Bf-Einwurf kurz vor Jahresende 2016.

Da der Gesetzgeber strenge Anforderungen an den Inhalt dieser Abrechnungen stellt, habe ich Zweifel, ob eine so allgemeine Formulierung rechtens ist.

Antwort
von Juergen010, 22

Naja, das war sehr dusselig von Dir.

Fangen wir mal anders an:

1. Stimmt denn die NK-Abrechnung 2015 tatsächlich in jedem Punkt? Falls nicht, könntest Du noch in den Widerspruch dazu gehen. Widerspruchsfrist ist ein Jahr.

2. Oder ganz "hinterlistig": Du könntest den Erhalt der NK-Abrechnung bestreiten. Zwar hast Du ein Einwurf-Einschreiben erhalten - da waren aber nur leere Blätter drin. Dein Ex-Vermieter wäre in der Beweispflicht, dass dir die NK-Abrechnung fristgerecht zugegangen ist. Selbst wenn er die NK-Abrechnung dann erneut zustellen würde, wäre sie verfristet.

Handelt es sich beim Ex-Vermieter um eine Immobiliengesellschaft oder Hausverwaltung? Wenn ja, könntest Du zumindest gegen die Mehrkosten durch die Beauftragung des Anwalts vorgehen. Gerichte sehen es nämlich so, dass Vermietungsgesellschaften durchaus in der Lage sind ohne Beauftragung eines Anwalts eine Mahnung zu formulieren. Schlüsselwort: Schadensminderungspflicht.

ODER:

Du zahlst die geforderten Nebenkosten, bestreitest aber explizit die Notwendigkeit der Anwaltseinschaltung. Dann wird der Anwalt wohl versuchen seine Kostennote per Mahnbescheid durchzudrücken. Bedeutet Widerspruch gegen den Mahnbescheid und ggf. ein Klageverfahren durch den Anwalt.

Kommentar von LittleArrow ,

da waren aber nur leere Blätter drin.

Eine sehr unglaubwürdige Behauptung, aber wenigstens das Eingeständnis des Brieferhalts.

Kommentar von Juergen010 ,

Stimmt.

Du würdest dich wundern, wie häufig "leere Blätter" per Einwurfeinschreiben oder gar Einschreiben/Rückschein versendet werden, glaubt man den Empfänger-Behauptungen die heutzutage bei Gericht vorgetragen werden.

Die Unglaubwürdigkeit ändert aber nichts an der Beweispflicht des Versenders - zumindest im Verfahren nicht. Entweder taucht ein Zeuge auf (Sekretärin oder Freund) der definitiv beobachtet hat, dass die Unterlagen im Umschlag gelandet sind und sich auch nicht scheut das unter Eid zu bezeugen - oder der Versender hat das Nachsehen.

Kommentar von Dummbaer ,

Dusselig hin oder her. Die Sache hat eine überraschende Wende genommen. Wegen eines Formfehlers war die Nachforderung ungültig. Da waren also die Profis noch "dusseliger" als ich. Danke für deine Antwort.

Antwort
von Petz1900, 24

Man hätte ja in altern Kontoauszügen blättern können, die man ja eh auch als Pirivatperson einige Jahre aufheben sollte, anstatt die Schuld bei anderen zu suchen.

Ich weiß, dafür gibt es jetzt Anfeindungen, aber so ist es nunmal.

Kommentar von LittleArrow ,

Ich sehe es hinsichtlich der alten Kontoauszüge genauso wie Du.

Wie sollte man denn andernfalls ("Dieses war uns zu dieser Zeit aber nicht mehr bekannt") überhaupt nachweisen, dass man die Miete der letzten Monate überwiesen hat? Und das Gutschriftskonto könnte man tatsächlich bei der eigenen Bank abfragen. Aber wie war noch der Name des Fragestellers?

Mein Mitleid für offensichtliche Zahlungsunwilligkeit hält sich hier in starken Grenzen.

Kommentar von Dummbaer ,

Schlaubär war damals leider schon vergeben. Solche namensbezogenen Vergleiche sind selber äußerst töricht, aber ich sehe ein, mancher mensch mag gern darauf zurückgreifen. Gemessen am vorhandenen Wissen der Menschheit sind wir übrigens alle Dummbären.

Allerdings habe ich bei "Gute Frage" ansonsten meinen Namen schon lange ändern lassen, weil ich die Dummheit, die in manchen Kommentaren steckte, mir nicht unbedingt antun wollte.

Übrigens bekomme ich übers Jahr etliche Dutzende Arztrechnungen. Da kommt es auch mal vor, dass eine Erstattung von der Kk länger braucht, als dass der Aussteller warten möchte. Dann erwarte ich allerdings eine Mahnung und kein Schreiben vom RA.

Auch sollte es einer Hausverwaltung möglich sein, deren Kontoverbindung auf deratigen Schreiben anzugeben. Rein rechtlich sähe ich mich damit zumindest nicht unbedingt auf verlorenem Posten. Allerdings ist mir das Risiko zu hoch, nachdem meine RS Vers dafür nicht mehr besteht.

Kommentar von Juergen010 ,

Anfeindungen? Warum denn?

Schließlich hast Du absolut Recht.

Dem Fragesteller ist hoffentlich nun bewußt geworden, dass "Bauernschläue" und Dummheit sehr nahe beieinander liegen.

Mein Beitrag sollte ihm vor allem klar machen, dass er mit der Berufung auf die in der Abrechnung fehlenden Kontokoordinaten definitiv Schiffbruch erleiden wird.

Die "Flappsichkeit" bei der Erledigung solcher Dinge auch bei Betrachtung der zeitlichen Abläufe, fällt ihm nun (teuer) auf die Füsse.

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