Muß ein Vorerbe noch ein Testament machen, um Nacherben zu berechtigen?

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Hatte der Erblasser die Vorerbschaft und Nacherbschaft angeordnet, sind einige Besonderheiten zu beachten.

  1. Aus erbrechtlicher Sicht ist der Nacherbe bei Eintritt des Nacherbfalles (also bei Tod des Vorerben) Erbe des Erblassers (der die Vor- und Nacherbfolge angeordnet hat).

  2. Aus erbschaftssteuerrechtlicher Sicht ist hingegen nur der Vorerbe Erbe des Erblassers. Der Nacherbe gilt als Erbe des Vorerben. Der Nacherbe hat aber die Möglichkeit zu beantragen, dass der Besteuerung des Nacherbes sein Verhältnis zum Erblasser zugrunde gelegt wird. Dies kann für die Steuerklasse und den Steuersatz des Erben günstiger sein.

Beispiel: Herr A setzt seine Tochter zum Vorerben und seinen Sohn zum Nacherben ein. Die Tochter hat keine Kinder. Nachdem die Tochter verstorben ist, erwirbt der Sohn den Nachlass von Herrn A im Wert von 200.000 Euro. Aus steuerrechtlicher Sicht wird der Sohn grundsätzlich so behandelt, als hätte er das Vermögen seines Vaters von seiner Schwester ererbt. Das bedeutet Steuerklasse II mit einem Steuersatz von 20 % unter Berücksichtigung eines Freibetrages von 20.000 Euro. Im Ergebnis müsste der Sohn also 36.000 Euro Erbschaftssteuern zahlen. Deshalb beantragt der Sohn, dass der Besteuerung das Verwandtschaftsverhältnis zum Vater zugrunde zu legen ist. Nun ist er in die Steuerklasse I einzuordnen, in der ein Freibetrag von 400.000 Euro gewährt wird. Der Sohn muss nun gar keine Erbschaftssteuern mehr zahlen.

... weiter unter : http://kuerzer.de/Nacherbe

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