Müssten nicht vor allem in D die Löhne stärker steigen, damit auch die Inflation deutlicher steigt und die Minizinspolitik der Notenbank ein Ende hat?

2 Antworten

Wurde die Forderung nach Lohnerhöhungen nicht immer damit begründet, daß die Lebenshaltungskosten ansteigen? Nun sollen Lohnerhöhungen also damit begründet werden, daß die Lebenshaltungskosten nicht ansteigen?

Sorry, aber das ist total bescheuert. Wer soll denn dann die teuer produzierten Produkte kaufen?

Man sollte hier D nicht isoliert betrachten. Auch der Euroraum spielt eine Rolle. Sogar Goldman Sachs als Superkapitalist fordert deutliche höhere Lohnsteigerungen in D. Das EZB-Ziel liegt bei etwas unter 2 %. Man könnte das senken. Im Falle einer guten Deflation. Dagegen spricht derzeit die seit längerem immer noch teilweise schwache Investitionstätigkeit im Euro-Raum und deren Effekt auf die Arbeitsproduktivität.

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Die anhaltend sehr gute Konjunktur mit steigenden Löhnen bei extrem niedriger Inflation sorgt dafür, dass sich Angestellte einen Lebensstandard leisten können, von dem sie vor einigen Jahren nur geträumt haben.

Eigentlich sollten alle zufrieden sein. Dass nicht alle gleichermaßen von der sehr guten Konjunktur profitieren, führt zu einer gewaltigen Zuwanderung vor allem junger Menschen in die Großstädte, was sich viele auch leisten können. Schlecht ausgebildete durch viel Arbeit, gut ausgebildete auch so, wenn sie sich halbwegs gut verkaufen können.

Die Inflation und die Zinsen sind sehr niedrig, was sich allerdings bisher - jedenfalls bei denen, die für die Zukunft des Landes wichtig sind - nicht irgendwie negativ ausgewirkt hat. Vielmehr führte der sehr niedrige Zins zu einer selten dagewesenen Umverteilung von alt nach jung, die mit Blick auf das vorhergehende Jahrzehnt - als Rentner netto im Schnitt mehr verdienten als der erwerbstätige Teil der Bevölkerung und auf ihrem Geld hocken blieben - auch dringend erforderlich war.

In dieser Situation deutlich steigende Löhne? Tut mir leid aber die kann ich nicht so einfach wieder kürzen. Wenn die Konjunktur einbricht, ergäbe sich wegen einer jetzt nicht zur Inflation passenden Lohnsteigerung die Notwendigkeit, entweder Arbeitskräfte abzubauen oder - angesichts der nicht mehr gegebenen internationalen Konkurrenzfähigkeit - in Konkurs zu gehen.

Deine Idee, dass man dadurch eine Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen könnte, scheitert daran, dass Deutschland keine Insel ist. Wenn durch Lohnerhöhungen angesichts der dann andernorts günstigen Löhne fast in selbem Umfang die Beschäftigung sinkt und es in Deutschland wieder nennenswerte Arbeitslosigkeit gibt, verlieren (fast) alle. Jedenfalls in Deutschland.

International ist natürlich vieles, was gut ist für Deutschland nicht gut für andere Länder. Außerhalb Deutschalnds fände man es gut, den Produktionsstandort Deutschland zu schwächen, weil der (für Deutschland zu) billige Euro zu einer Verzerrung geführt hat, die anderen Ländern Probleme bereitet.

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