Frage von ChrisLem, 77

Mittlerweile Haupteinkommen durch Provsionszahlungen - trotzdem nochFreiberufler?

Hallo, zu Beginn meiner Selbständigkeit wurde ich als Freiberufler vom FA anerkannt und mache auch dementsprechend meine Steuererklärung. Mit der Zeit jedoch haben sich die Arten meiner Einnahmen geändert. Neben Honorar erhalte in nun hauptsächlich Provisionen für Vermittlungen von Verträgen. Bei meiner Steuererklärung habe ich diese aber immer als Provisionszahlungen angegeben und auch die Abrechnungen mitgeschickt. Seit diesem Jahr wird nun auf meinen Provisionszahlungen MwSt ausgewiesen. Heißt das nun, dass ich diese Mehrwertsteuer an das FA abführen muss?

Antwort
von Valeskix, 15

Die Beurteilung der Umsatzsteuerpflicht anhand des Umsatzsteuergesetzes (UStG) hängt nicht mit der Art der Einkünfte nach dem Einkommensteuergesetz (EStG) zusammen.

EStG
Eine gemischte Tätigkeit ist grds. getrennt zu behandeln / zu ermitteln, wenn dies nach der Verkehrsauffassung möglich ist (H 15.6 "Gemischte Tätigkeit" ff. EStH).

Eine (teilweise) Einstufung als Gewerbebetrieb muss aber nicht zu einer Mehrsteuerbelastung führen, da eine ggf. zu zahlende Gewerbesteuer nach § 35 EStG auf die Einkommensteuer oft je nach Hebesatz ganz angerechnet wird.

UStG
Ist eine Vermittlungsleistung steuerbar, d.h. liegt der Ort der Leistung nach §3a UStG im Inland, kann sie auch steuerpflichtig sein, wenn keine Steuerbefreiung greift.

Vermittlungsleistungen können nach § 4 Nr. 5 oder 8 UStG befreit sein, was hier wohl nicht der Fall ist. Die Vermittlungsleistungen sind damit steuerbar und steuerpflichtig.

Die Steuer auf Umsätze nach § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG wird nicht erhoben, wenn 

1. der Gesamtumsatz nach § 19 Abs. 1 und 3 UStG im Vorjahr 17.500 € nicht übersteigt und im laufenden Jahr voraussichtlich 50.000 € nicht übersteigen wird.

2. Der Unternehmer nicht auf die Anwendung dieser sog. Kleinunternehmerregelung verzichtet.

Auch auf Gutschriften für Ihr Unternehmen darf dann keine Umsatzsteuer ausgewiesen sein. Diese muss in jedem Fall abgeführt werden, da entweder der Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung unterstellt wird, oder eine falsch ausgwiesene Steuer nach § 14c UStG abzuführen ist.

Antwort
von ChrisLem, 48

Hallo wfwbinder,

Ja, das verstehst du richtig - ich habe bis jetzt noch nie Umsatzsteuer auf meine Provisionen bezahlt.

Als ich Anfang des Jahre ein Gewerbe anmelden wollte (mein 2ter Versuch, nachdem ich das nach meinem Abschluss des Handelsvertretervertrages schon mal versuchte), wurde mir wieder gesagt, das bräuchte ich nicht, da es sich ja um Heilberufe handele.....

- Danke für Deine Antwort -

Antwort
von wfwbinder, 58

Deine Frage ist leicht unverständlich.

Müsste man die freiberufliche Tätigkeit kennen und auch etwas mehr über die Art der Provisionen. 

Du könntest nämlich einfach den "Vermittlerbetrieb" als eigenes Gewerbe anmelden und damit mit der freiberuflichen Tätigkeit so auf jeden Fall auch Freiberufler bleiben.

Dann die Frage mit der Umsatzsteuer. Hast Du bisher keine Umsatzsteuer auf Deine Umsätze bezahlt? Wenn nein, liegt es daran, dass die Umsätze aus der freiberuflichen Tätigkeit von der Umsatzsteuer befreit sind?

Aber die Provisionsumsätze müssten ggf. doch schon immer versteuert worden sein.

Kommentar von ChrisLem ,

Hallo wfwbinder,

Ja , das verstehst du richtig. Ich bin im Bereich der Ausbildung für Heilberufe tätig. Für die Vermittlung von Ausbildungsteilnehmern erhalte ich Provisionszahlungen.


Entschuldige, habe das irgendwie vermasselt, meine weitere Antwort steht über Deiner.....


Kommentar von wfwbinder ,

Bei der Gewerbeanmeldung hast Du vermutlich das mit dem Heilberuf gesagt und eventuell, dass Du auch Provisionen bekommst. Solange die 

Hier ist es aber ggf. so, dass Du auf der einen Seite diese Tätigkeit im Heilberuf hast und daneben eine Tätigkeit als Handelsvertreterin. Das sind zwei gesonderte Betriebe, wenn die Provisionen nicht mehr nur ein Untergeordneter Punkt sind.

Nun zur Umsatzsteuer. Ob die Umsatzsteuer bisher zu Recht nicht berechnet und abgeführt würde, kann man nur sagen, wenn man:

1. Genau weiß nach welcher Vorschrift die Heilumsätze befreit sind und wie hoch ie Provisionen sind, denn danach richtet es sich, ob z. B. § 19 UStG greift.

Kommentar von EnnoWarMal ,

Genau weiß nach welcher Vorschrift die Heilumsätze befreit sind 

Nummer 14.

Aber hier haben wir keine Heilbehandlungen, sondern Vermittlungen.

Ich vermute hier mal forsch falsch ausgestellte Gutschriften.

Kommentar von wfwbinder ,

Das ist der Punkt, damit gehören die gem. § 19, Abs 3 Nr. 1 UStG nicht zum Gesamtumsatz und die Fragerin wird Kleinunternehmerin gewesen sein.

Nun eben nicht mehr, aber woher weiß das der Provisionszahler, denn das müsste Sie dich erstmal selbst ermitteln.

Kommentar von ChrisLem ,

Danke für euer Interesse,

Gewerbeamt: Gewerbe für Vermittlung von Ausbildungsverträgen für Heilberufe. Gewerbeanmeldung wurde abgelehnt und aufs FA verwiesen.

Bei Steuererklärung gebe ich folgendes an:

Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit:

Freiberufler

- Provision

- Honorar

- Beratung

und schicke natürlich alle Unterlagen mit. Die Provisionszahlungen werde als nichts anderes als als Provision in der Abrechnung bezeichnet.

Desweiteren erstelle ich eine einfache Einnahmen und Ausgabenrechnung.

Am Anfang war ich Kleinbetrieb, aber seit ein paar Jahren nicht mehr.

Kommentar von wfwbinder ,

Na dann ist doch alles gut. Wenn dasFinanzamt alle Details kennt und von sich aus auf "Freiberufler" entscheidet, ist es OK.

Kommentar von ChrisLem ,

Ja, so sehe ich das auch, aber ich hatte die geniale Idee zu einem Steuerberater zu gehen ( da mir alles zu viel wird) und der sagte nun, er würde beim FA ein Gewerbe für mich beantragen und ich wäre Umsatzsteuerpflichtig. Ich weiß echt nicht mehr, was richtig ist und über Jahre nachzahlen kann ich auch nicht! Wie soll ich mich nun verhalten?

Kommentar von wfwbinder ,

 er würde beim FA ein Gewerbe für mich beantragen

Wenn der Kollege das so gesagt haben sollte, würde ich an seinen Fähigkeiten zweifeln. Ein Gewerbe kann man nicht beantragen, man hat es und dann meldet man es an. Und dies nicht auf dem Finanzamt, sondern beim Gewerbeamt.

 und ich wäre Umsatzsteuerpflichtig.

Das kann schon sein, denn weil Du Deinen Sachverhalt mit keinerlei Zahlen garniert hast, kann man keine Aussage treffen.

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