LV Schlußüberschuss und Sockelbeteiligung an Bewertungsreserven

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Ja, das dürfen die! Ich behaute sogar: sie müssen es tun!

Bei den Überschüssen werden laufende Überschüsse und Schlussüberschüsse unterschieden. Sind die laufenden Überschüsse dem Vertrag einmal gutgeschrieben, sind sie garantiert. Anders verhält es sich mit den Schlussüberschüssen, die sind nicht garantiert und können daher jederzeit wieder gestrichen werden. Ursprünglich waren sie dazu gedacht, Versicherte, die bis zum Ende dabei bleiben, zu belohnen.

Die Lebensversicherungen müssen seit einigen Jahren abgehenden Verträgen ihren Anteil an den Bewertungsreserven mitgeben. Bei diesen Bewertungsreserven handelt es sich zunächst aber nur um Buchungsgewinne. D. h. sie halten z . B. ein Papier, das 5% Zins bringt und was sie teuer verkaufen könnten, weil der Marktzins 2% beträgt. Da sie es aber noch nicht verkauft haben, sind die Gewinne nur theoretisch.

Nun gibt es zwei Möglichkeiten. Erstens: die Bewertungsreserven werden realisiert, sprich, das 5%-Papier wird verkauft. Dann können die Bewertungsreserven an die Berechtigten ausgezahlt werden und die Versicherungs kauft neue Papiere für 2%, was bedeutet, dass die, die in der Versicherung bleiben, zukünftig weniger Überschüsse erhalten werden.

Die Versicherung kann das 5%-Papier aber auch behalten; trotzdem muss sie die Bewertungsreserven auszahlen. Aber da erwirtschaftete Überschüsse nur einmal ausgezahlt werden können, muss sie es irgendwem wegnehmen - und damit sind wir bei den Schlussüberschüssen. Die werden gestrichen, weil sie nicht garantiert sind, die Bewertungsreserven aber ausgezahlt werden müssen.

Das Verfahren bevorzugt augenblicklich diejenigen, die ihren Vertrag vorzeitig beenden und bestraft diejenigen, die durchhalten, wie Du an der Entwicklung Deines Schlussüberschusses gut erkennen kannst.

Wenn Du Deinen Vertrag nachprüfen lassen willst, wende Dich an den Ombudsmann oder die Aufsichtsbehörde BaFin.

Auch wenn es etwas spät kommt:

Bei den Beitragshöhen von denen Sie schreiben sollte man sich wirklich unabhängigen und kompetenten Rat einholen. Gerade bei lange laufenden Rentenversicherungen geht es um viel Geld. Im Anbetracht der aktuellen Entwicklung bezüglich der Bewertungsreserven würde ich dies auch zeitnah angehen. Der Wegfall des größten Teils der Beteiligung an den Bewertungsreserven ist faktisch nichts anderes als eine Verschiebung von Kursgewinnen, die mit Ihren „Altkundengeldern“ erwirtschaftet wurden, auf „Jungkunden“ um das Produkt Lebensversicherung weiterhin attraktiv erscheinen zu lassen. Auch wenn der Grundgedanke dieses Vorhabens in der Theorie sehr lobenswert erscheint, kommt es einer Enteignung von Altkunden gleich, die aufgrund des stetig sinkenden Niveaus der gesetzlichen Rentenversicherung in die private und betriebliche Vorsorge gedrängt wurden und mit der bereits angesprochenen Gesundheitsreform von 2005 schon benachteiligt sind. Weder hat die Beteiligung an den Bewertungsreserven etwas mit „Bevorzugung“ noch mit „Bestrafung“ zu tun sondern ist in der gegenwärtigen Durchführung eine verursachungsgerechte Zuteilung der Kursgewinne vgl. VVG § 153 (2) und (3). Das die Versicherungsbranche diese Gelder trotzdem nicht gerne auszahlen will, versteht sich von selbst.

Die Umbuchung der Schlussüberschüsse in die Sockelbeteiligung an den Bewertungsreserven geht wohl auf das Urteil des BGH vom 25.07.2012 (IV ZR 201/10) zurück und ist insgesamt eher positiv zu bewerten. Im sehr wahrscheinlichen Fall, dass die Beteiligung an den Bewertungsreserven massiv reduziert werden, ergibt sich für Sie voraussichtlich ein großer Verlust.

Der Ombudsman und die BaFin sind definitiv die falschen Ansprechpartner. Diese haben völlig andere Aufgaben. Leider gibt es in Deutschland nur sehr wenige Stellen, welche in Versicherungsangelegenheiten wirklich kompentent und unabhängig beraten können (und dürfen). Ein großes Problem ist, dass viele vermeintliche Experten und Berater direkt oder indirekt von der Versicherungsbranche bezahlt werden oder von ihr abhängen. Eine unabhängige Beratung kann nur auf Honorarbasis stattfinden. Die Verbraucherzentralen, VersicherungsBERATER und der Bund der Versicherten bieten Beratungen an. Hier ist es aber immer Glückssache ob der Berater die notwendige Fachkompetenz zur Beurteilung mitbringt. Eine genaue Berechnung ist eigentlich nur Versicherungsmathematikern bzw. Aktuaren möglich. Wenn Sie sicher gehen wollen, wäre das hier meine Empfehlung:

http://www.drschade.de/footer-menu/downloads/?no_cache=1&cid=308&did=194&sechash=3a6ab873

Im übrigen können Direktversicherungen gekündigt werden. Es gibt keinen Paragraphen der das verbieten würde und eine etwaige Formulierung in den Versicherungsbedingungen wäre unwirksam. Ich vermute, dass hier eine Verwechselung mit den Rürupverträgen vorlag.

In Ihrem Fall handelt es sich aber anscheinend jetzt um eine Kapitallebensversicherung, welche generell aufgrund ihrer konzeptionellen Inkonsistenz (Wette auf langes Leben bei gleichzeitiger Wette auf kurzes Leben) kritisch zu bewerten ist und gekündigt werden kann. Eine Kündigung oder Beitragsfreistellung sollte hier auch unbedingt geprüft werden.

Die 3,5 % „garantierte“ Verzinsung bezieht sich nur auf den Sparanteil, welcher deutlich kleiner ist als der eingezahlte Beitrag. Die reale Verzinsung liegt dementsprechend auch deutlich niedriger. Eine echte „Garantie“ liegt hier im übrigen nicht vor (vgl. § 89 VAG und § 16 VVG).

Die Tatsache das Ihr alter Arbeitgeber Ihnen die Direktversicherung „mitgegeben“ hat, entlässt Ihn übrigens nicht aus seinem arbeitsrechtlichen Versprechen, welches einer betrieblichen Altersvorsorge zugrunde liegt, auch wenn dieses nicht konkret formuliert wurde. Soll heißen, dass hier noch Ansprüche an Ihren Arbeitgeber bestehen können. Die Frage hier ist : Was hat Ihnen Ihr alter Arbeitgeber arbeitsrechtlich zugesagt?

Ich hoffe ich konnte Ihnen weiterhelfen.

Bei Durchlesen ist mir bezüglich der Kündigung von Direktversicherungen noch der § 168 VVG Kündigung des Versicherungsnehmers eingefallen, welcher es doch unter bestimmten Bedingungen unmöglich machen kann, eine Direktversicherung zu kündigen. Eine solche Formulierung ist mir in der Praxis aber noch nicht begegnet. Ich bitte diese Unachtsamkeit meinerseits zu entschuldigen.

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Natürlich kann aber nur der Versicherungsnehmer, also im Falle der Direktversicherung, der Arbeitgeber und nicht der Arbeitnehmer als versicherte Person die Direktversicherung kündigen. Es wird aber wohl viel Aufwand nötig sein, dieses Kündigungsrecht zusammen mit dem alten Arbeitgeber durch zusetzten. Erst recht wenn das Vorsorgekapital in eine Kapitallebensversicherung übertragen wurde. Dennoch besteht trotz der Bestimmungen des BetrAVG eine Kündigungsmöglichkeit, da es sich bei der zugesagten Leistung des Arbeitgebers um ein arbeitsrechtliches Versprechen handelt und die Versicherung hier nur das Instrument zur Finanzierung darstellt. Ohne den alten Arbeitgeber wird dies allerdings nicht möglich sein.

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Vielen Dank für die Antworten. Ich werde mich wohl damit abfinden müssen, dass dieser Vertrag mir bei meiner Altersvorsorge nicht allein helfen kann. Wenn man mal darüber nachdenkt dass Ursprünglich möglichen 480.000,- DM als Auszahlung geworben wurde.... Naja, Glaskugeln hatten die ja auch nicht. Ich werde Dann mal schauen was ich noch bis zur Rente Anlegen kann. Vielleicht sollte ich mal über Wein nachdenken :-)

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