Lohnt sich eine Umschichtung in ewige Anleihen?

2 Antworten

Ist in einer niedrig Zinsphase die schlechteste aller Empfehlungen.
Oder geht irgendjemand davon aus, dass die Zinsen noch weiter fallen?
Also werden die Anleihen bei steigendem Zins im Kurs fallen - und die höheren Zinsen können den zu erwartenden Kursverlust wahrscheinlich nicht kompensieren.

Wer an Geldwerte festhalten möchte, keine großen Kursschwankungen verträgt und eine sichere Anlage (Anleihen mit Rating von AAA-BBB)mit höherer Verzinsung als Festgeld sucht kann bedenkenlos in "festverzinsliche" Wertpapiere umschichten. Der Zeitpunkt für eine Umschichtung ist derzeit ungünstig. Die Zinsen für Anleihen sind eher gering. Die Risikoaufschläge haben sich in den letzten Monaten auch stark verringert. Es besteht ein erhebliches Zinsänderungsrisiko. Da in den nächsten 1 bis 2 Jahren eher mit steigenden Zinsen zu rechnen ist, werden Anleihen am Kurs verlieren. Wenn umschichten, dann in kurzfristige Anleihen mit einer Laufzeit bis zu 3 Jahre. Bei Fälligkeit bekommst Du 100% zurück und Du kannst zu den aktuellen Zinsen wieder anlegen. Sie bieten zwar einen Zinsvorteil gegenüber einer normalen Anleihe, da ist aber auch alles. Die Nachteile überwiegen. Ewige Anleihen sind eine relativ seltene Sonderform unter den festverzinslichen Wertpapieren. Eine solche Anleihe hat keinen festgelegten Rückzahlungszeitpunkt. Die Rückzahlung erfolgt erst nach Kündigung der Anleihe durch den Schuldner. Du kannst die Anleihe aber jederzeit zum aktuellen Börsenkurs verkaufen. Der Zeitpunkt zum Kauf einer ewigen Anleihe ist schlecht. Ich rechne aber mit starken Kursverluste für die nächsten Jahre. Die ewigen Anleihen reagieren überempfindlich auf Zinsschwankungen. Wenn der Marktzins um 1% steigt, dann verlieren 10 jährige Anleihen 7%. Bei ewigen Anleihen sind Kursverluste über 10%wahrscheinlich, da ewige Anleihen in der Regel auch einen festen Kupon haben. Die meisten ewig laufenden Anleihen sind stark nachrangig "Tier1-Anleihen". Bei Verschlechterung der Bonität kommt es zu überdurchschnittlichen Kursverluste. Wird kein Gewinn erwirtschaftet zahlt das Unternehmen auch den Kupon nicht aus. Geht das Unternehmen pleite, wirst Du zwar vor den Aktionären bedient, aber erst nach allen anderen Anleihegläubiger. Mit anderen Worten, es bleibt nicht viel für Dich übrig. Selbst auf das Rating kann man sich nicht verlassen. Die ewig laufende Anleihe der IKB hatte auch ein "A"-Rating und nun ist sie pleite. Mein Beispiel ist recht einfach dargestellt. "Ewig" laufende Anleihen können viel komplexer sein. Es gibt viele Variaten wie z.B. 7% fixer Kupon für die nächsten 10 Jahre, anschliesend 3 Monats-Libor +200Basispunkte. Diese Variante würde ich eher empfehlen, da der Anleger im 11 Jahr an steigenden Zinsen profitieren wird. Grundsätzlich sind "ewige" Anleihen nur zur Depotbeimischung geeignet. Wer in "ewigen" Anleihen investieren möchte, sollte sich von einem Anleihespezialisten beraten lassen. Die Produkte sind zu komplex. Einfach Aktienfonds in ewige Anleihen umzuschichten ist Unsinn.

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