LBS-Vertrag

2 Antworten

Guten Abend Fritzchen,

die Möglichkeiten einer vorzeitigen Kündigung bzw. Rückführung von bestehenden Darlehen sind von Gesetzes Seite her relativ begrenzt:

Sofern die Sollzinsbindung Deines Darlehens noch keine zehn Jahre ab Vollauszahlung besteht, können Banken laut Rechtsprechung des BGH eine Kündigung verweigern. Daher bist Du auf das Entgegenkommen der LBS angewiesen. In einem Gespräch mit dieser kannst Du in Erfahrung bringen, ob Du vorzeitig aus dem Darlehensvertrag raus gehen kannst. Sollte es Dir gewährt werden, berechnet Dir die LBS in der Regel die sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung. Banken beanspruchen die Vorfälligkeitsentschädigung, um daraus entstehende Zinsverluste auszugleichen.

Für Dich noch zur weiteren Info: Sollte Deine Sollzinsbindung bereits zehn Jahre ab Vollauszahlung unverändert bestehen, kannst Du nach deutschem Recht grundsätzlich mit einer Frist von sechs Monaten das Darlehen ganz oder teilweise zurückzahlen (§ 489 I Nr. 3 BGB). Hierbei fällt keine Vorfälligkeitsentschädigung an.

Ob eine Teilrückzahlung oder Rückführung der gesamten Nettodarlehenssumme sinnvoll ist, lässt sich leider nicht aus dem Stegreif beurteilen. Entscheidend ist dafür, welchen Zinssatz Du bei der Anschlussfinanzierung erhalten kannst und ob Du liquide bleiben möchtest oder musst. Erst dann lässt sich klären, ob es sinnvoll ist weiter zu finanzieren oder lieber den Kredit abzubezahlen um schuldenfrei zu sein. Hierzu rate ich Dir mit Deiner Hausbank oder einem unabhängigen Finanzierungsvermittler Kontakt aufzunehmen um zu klären, welche Optionen Dir bei der Anschlussfinanzierung zur Verfügung stehen.

Zur KfW möchte ich Dir gerne auch noch mitteilen, dass außer bei dem Programm 124 (Wohneigentum) eine 100 % Sondertilgungsmöglichkeit besteht. Das heißt, hier kannst Du ohne Angabe von Gründen jederzeit das KfW-Darlehen zurück bezahlen. Selbstverständlich fällt dann auch kein Strafzins oder die zuvor genannte Vorfälligkeitsentschädigung an. Bei dem Programm 124 wäre dies erst bei dem regulären Zinsanpassungstermin der Fall (in der Regel nach 10 Jahren).

Solltest Du Dich für eine Weiterfinanzierung entscheiden, möchte ich Dir kurz den Tipp geben, dass es die Möglichkeit gibt, aktuelle Konditionen jetzt schon zu sichern. Über ein so genanntes Forward-Darlehen schließt man ein Annuitätendarlehen mit einem festen Zinssatz ab und sichert sich so die derzeit günstigen Zinsen. Dieses wird nicht sofort ausgezahlt, sondern löst erst zum Fälligkeitstermin Deine bestehende Finanzierung ab.

Ich hoffe die Antwort ist für Dich hilfreich und wünsche Dir viel Erfolg bei Deinem Vorhaben!

viele Grüße,

Meryem

Interhyp AG

Interessante, kommende Situation, für die aber fast alle entscheidungsrelevanten Details fehlen.

Zum Zeitpunkt der notwendigen Entscheidungen wird sich das Zinsniveau vermutlich nicht entscheidend verändert haben. Ein Forwarddarlehn muss daher nicht unbedingt gewählt werden, würde aber die Zinsveränderungsunsicherheit bis zur Auszahlung ausschalten (wenn man mal von der meist nicht vorrangig genannten Zinsbindungsdauer dieses Darlehnstyps unvorsichtigerweise absieht).

Die kommende Bausparkredit wird vermutlich neben den - wie immer im Vertrag definierten - Zinsen eine recht hohe Tilgungsquote haben, so dass insgesamt daraus eine hohe monatliche Belastung ("Annuität") für die nächsten ca. 11,5 Jahre (Du sagst 10 Jahre!) resultiert. Dazu kommen die momentan unbekannten Konditionen der Anschlussfinanzierung des KfW-Teils. Die WfA-Details sind mir nicht bekannt.

Ich würde in dieser Situation auch mal eine andere Betrachtung anregen: Wieviel Jahre willst Du noch an Deiner Baufinanzierung abzahlen? Willst Du dabei das Zinsveränderungsrisiko bei Anschlussfinanzierungen ausschließen, indem Du durchgängige Festzinsfinanzierungen wählst? Wobei natürlich zum Bausparkredit auch noch ein Bank- oder Versicherungskredit parallel oder zeitlich überlappend laufen könnten.

Greift das bekannte Sonderkündigungsrecht bei Darlehen nach 10 Jahren Zinsbindung auch bei einem KfW-Unternehmerkredit (Programm 47) mit 20 Jahren Laufzeit?

Hallo!

Ich hätte gerne gewusst, ob ich als Inhaber einer GmbH & Co. KG einen noch abzuschließenden KfW-Kredit (Programm 47, 20 Jahre Zinsbindung, 20 Jahre LZ) ebenfalls nach 10 Jahren kündigen kann, so wie es das BGB in § 489 z.B. bei Immobilienkrediten von Privatpersonen vorsieht. Oder gilt dies nur für "Bürger", so wie der Titel des BGB es bereits aussagt, nicht aber für Unternehmen?

Bitte keine Antworten wie "Sollte doch bestimmt gehen" sonder bitte nur von denen, die tatsächlich mit der Materie vertraut sind.

Ganz Herzlichen Dank! Klaus

Auszug § 489 BGB (1) Der Darlehensnehmer kann einen Darlehensvertrag mit gebundenem Sollzinssatz ganz oder teilweise kündigen, ...in jedem Fall nach Ablauf von zehn Jahren nach dem vollständigen Empfang unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von sechs Monaten; wird nach dem Empfang des Darlehens eine neue Vereinbarung über die Zeit der Rückzahlung oder den Sollzinssatz getroffen, so tritt der Zeitpunkt dieser Vereinbarung an die Stelle des Zeitpunkts des Empfangs.

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