Kündigung von Langzeitkranken während Probezeit trotz Hamburger Modell?

Corona/Covid-19 Hinweis

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2 Antworten

Meine Vorrednerin hat eigentlich schon alles gesagt. Ich würde nur kurz hinzufügen; Gehen wir mal davon aus, dass dein Mann eine Behinderung durch den ersten Arbeitsunfall hat, dann würde ich mich an den Intrationsfachdienst wenden, bzw. sogar zum Integrationsamt. Dass der Betrieb nicht BG konform umgestellt hat, wird jetzt klar.

Die Sicherheitsvorkehrungen aufgrund Corona (Verwaltung-Produktion) spielen, denke ich, in seinem Fall keine Rolle.

Die Kündigung in der Probezeit ohne Angabe jeglicher Gründe ist wirksam. Ist sehr bitter - aber nicht zu ändern. Die Kündigung hatte noch am 30.06.2020 ausgesprochen werden können und wäre immer noch wirksam. Dann hätte das Gehalt einfach noch 14 Tage bei Freistellung weiter ausbezahlt werden müssen und das Ende des Arbeisverhältnisses wäre am 14. Juli 2020 gewesen.

Ist es sinnvoll, nach dieser Kündigung einen Rechtsanwalt einzuschalten oder macht das wenig Sinn, da während der Probezeit eine Kündigung ohne Angabe von Gründen möglich ist?

Nein. Denn er wird Euch das sagen, was Du ohnehin weiß, Dein Mann sowieso weiß und was hier geschrieben steht. Dein Mann geht es wirklich schlimm, keine Frage, aber er wird verstehen, dass der Arbeitgeber nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten kann und jetzt die letzte Chance für eine schnelle und anstandslose Beendigung des Arbeitsverhältnisses nutzt. Ihr habt gerade auch ganz andere Probleme, als Arbeit und Beschäftigung. Hier geht es ums Überleben!

Die ganzen Themen rund um nicht oder defizitär erfolgter Sicherheitsvorkehrungen und Arbeitsschutzmaßnahmen kann man der BG Berufsgenossenschaft melden. Hierfür könnte tatsächlich ein kundiger Anwalt hilfreich sein, denn ohne handfeste Dokumentation und Beweise, wird die BG nicht tätig und ihr habt nur noch mehr Ärger am Hals. So eine Prüfung vom Anwalt müsstet ihr aber bezahlen. Daher fällt die ganze Idee ins Wasser. Vielleicht bietet die BG ein Meldeswesen für Arbeitnehmer an, die Missstände anprangern. Das wäre dann kostenfrei, informiert Euch dazu.

Ich wünsche Deinem Mann gute Besserung. Alles Gute für Euch!

Vielen Dank für Deine nette Antwort. Ich war verunsichert, da ich gelesen hatte, dass Arbeitgeber das Hamburger Modell nicht mehr verweigern dürfen, da sie ansonsten schadensersatzpflichtig gemacht werden können (Urteil des Landesarbeitsgerichts Hamm (Westfalen), Urteil vom 04. Juli 2011 – 8 Sa 726/11 –)

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